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Heinrich Weiss: Der Kampf gegen die "Sozialdemokratisierung der Politik" ist ihm eine Herzensangelegenheit
Heinrich Weiss: Der Kampf gegen die "Sozialdemokratisierung der Politik" ist ihm eine Herzensangelegenheit
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Jann Höfer für manager magazin

Stahlunternehmer blickt zurück - und nach vorn Was macht eigentlich Heinrich Weiss?

Der Hauptaktionär des Industriekonzerns SMS Group streitet wie eh und je für Markt und Wettbewerb. Und wenn er anreist, wird's oft laut.
Von Christoph Neßhöver aus manager magazin 1/2021

Wer sich von Heinrich Weiss (78) auf eine Gedankenreise durch die Wirtschaftswelt mitnehmen lässt, der begegnet einer ganzen Reihe alter Promis. An die VW-Legende Ferdinand Piëch (1937 bis 2019) schickte Weiss mal seine Diplomarbeit aus den späten 60ern, in der er ein Elektroauto konzipiert hatte. Chinas Staatschef Li Peng (1928 bis 2019) fragte er kurz nach dem Tian'anmen-Massaker 1989 unter vier Augen, wann er mehr Demokratie zulassen werde. Und mit den CDU-Granden Heiner Geißler (1930 bis 2017) und Norbert Blüm (1935 bis 2020) stritt er wortmächtig über Staat und Wettbewerb.

Aber Weiss, Großaktionär des Stahlanlagenbauers SMS (Umsatz: 2,9 Milliarden Euro), lebt im Jetzt. Anekdoten bringt er, um Lehren abzuleiten. Sein E-Auto? Wäre nur 80 Kilometer pro Stunde langsam und 80 Kilometer kurz gefahren und hätte drei Tonnen gewogen – bis heute sieht der Ex-Rennfahrer die Konzentration auf die Elektromobilität skeptisch. Und China? "Li Peng antwortete, wenn seine Bürger die Wahl hätten zwischen einem neuen Fernseher und mehr demokratischen Freiheiten, nähmen sie die Fernseher." Heute werde China immer autoritärer und bedrohe Hongkong und Taiwan – "das macht mir wirklich große Sorgen", sagt Weiss, der dort seit den 70er Jahren Geschäfte macht.

Unternehmer von Welt: Heinrich Weiss hat aus der Familienfirma Siemag den Anlagenbauer und Weltmarktführer SMS Group geschmiedet. Das verdankt er auch guten politischen Kontakten wie dem zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (r.), an dessen Seite er 1984 Chinas Ministerpräsidenten Zhao Ziyang traf (M.).

Unternehmer von Welt: Heinrich Weiss hat aus der Familienfirma Siemag den Anlagenbauer und Weltmarktführer SMS Group geschmiedet. Das verdankt er auch guten politischen Kontakten wie dem zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (r.), an dessen Seite er 1984 Chinas Ministerpräsidenten Zhao Ziyang traf (M.).

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J. H. Darchinger / Friedrich-Ebert-Stiftung

Und Blüm und Geißler? "Damals konnten wir am Tag erbittert streiten und abends als Freunde gemeinsam einen trinken – aber so etwas ist heute angesichts der fehlenden Debattenkultur leider kaum noch denkbar."

Der Kampf für Markt und Unternehmertum und gegen die "Sozialdemokratisierung der Politik" ist dem ehemaligen BDI-Präsidenten und Ex-Multiaufsichtsrat (Deutsche Bahn, Commerzbank, Bombardier, Bertelsmann, Hochtief) eine Herzensangelegenheit. Gegen die freizügige Geldpolitik der EZB zog er bis vors Bundesverfassungsgericht. Die AfD unterstützte er vor Jahren mal, distanzierte sich aber sofort, als die Rechtsausleger dort die Macht übernahmen.

Bei der SMS schaut er natürlich regelmäßig nach dem Rechten. Wenn der Großaktionär und Pilot mit seinem Heli, einem Eurocopter 120B, anreist, kann es schon mal laut werden.

Stahlkrise plus Corona, das schmerzt, aber Weiss blickt auch hier nach vorn. Mitte Oktober war Spatenstich für die neue Konzernzentrale in Mönchengladbach.

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