Studie Deutlich mehr Frauen auf Vorstandsposten

Der Frauenanteil in Vorständen ist einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge stark gewachsen. Die Frauenquote für Top-Etagen großer Unternehmen zeigt Wirkung.
Deutlich mehr Frauen im Vorstand: Der Energiekonzern RWE hat mit Sopna Sury im Februar 2021 auch endlich eine Frau in den Vorstand berufen

Deutlich mehr Frauen im Vorstand: Der Energiekonzern RWE hat mit Sopna Sury im Februar 2021 auch endlich eine Frau in den Vorstand berufen

Foto: Jens Schicke / imago images/Jens Schicke

Große Unternehmen in Deutschland haben einer Untersuchung zufolge zuletzt deutlich mehr Frauen in ihre Vorstände berufen. In den 200 umsatzstärksten Firmen gab es gegen Ende vergangenen Jahres 139 Vorständinnen, 38 mehr als ein Jahr zuvor. Das ging am Mittwoch aus dem aktuellen Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Firmen – ohne den gesondert untersuchten Finanzsektor – sei damit um gut drei Punkte auf fast 15 Prozent gestiegen. So stark ging es seit Beginn der DIW-Berechnungen 2006 noch nie nach oben. Die Banken hinken hinterher und erreichen mit einem Plus von knapp drei Punkten einen Frauenanteil von gut 13 Prozent.

Eine Chefin hatten der Studie zufolge lediglich acht der 100 größten deutschen Geldhäuser – zwei weniger als ein Jahr zuvor. Schlagzeilen machte 2021 der Abgang der früheren HSBC-Deutschland-Chefin Carola von Schmettow, die von einem Mann ersetzt wurde. Bei den Branchengrößen Deutsche Bank und Commerzbank sitzen aktuell jeweils zwei Frauen in den von Christian Sewing beziehungsweise Manfred Knof geleiteten Vorständen. Bei den 60 größten Versicherungen gab es hingegen einen starken Anstieg der Zahl weiblicher Vorstandsvorsitzender, wenn auch auf niedrigem Niveau: Fünf statt im Vorjahr zwei Frauen hatten Ende 2021 in Deutschlands führenden Versicherungsunternehmen das Sagen. Mit einem Chefinnen-Anteil von jeweils gut acht Prozent liegen die Banken und Versicherungen aber den DIW-Zahlen zufolge einen Hauch über dem Niveau der Top-200-Firmen von genau acht Prozent.

Frauenquote wirksames Instrument

In den Aufsichtsräten in dieser Unternehmensgruppe liegt der Anteil der Frauen laut DIW bereits bei gut 30 Prozent. Für diese Kontrollgremien gilt für bestimmte Unternehmen schon seit 2016 eine Mindestbeteiligung von Managerinnen. Dass nun auch der Frauenanteil in den Vorständen, also den unmittelbaren Entscheidungsgremien von Unternehmen, deutlich anzieht, führt das DIW auf die Politik zurück: "Ähnlich wie die gesetzliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte scheint auch die Mindestbeteiligung für Vorstände ein effektives Instrument zu sein, um den Frauenanteil in Spitzengremien zu erhöhen", erklärte Virginia Sondergeld von der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin.

An die geltende gesetzliche Mindestbeteiligung in Vorständen gebunden sind börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen ab einer Vorstandsgröße von vier Personen. Sie müssen im Zuge der Neubesetzung von Vorstandsposten ab August dieses Jahres mindestens eine Frau in das Gremium berufen. Die Firmen scheinen nun aber schon im Vorfeld nach der neuen Regelung zu handeln, so das DIW. Dass Geschlechterquoten wie von der Politik gewünscht wirkten, zeigten auch Berechnungen auf Basis europäischer Daten für die Jahre 2003 bis 2021. Demnach sind Frauen in der Gruppe der EU-Länder, in denen solche Regelungen gelten, in Spitzengremien mittlerweile deutlich stärker repräsentiert als in der Gruppe der übrigen EU-Länder. Bisher haben insgesamt neun von 27 Ländern Quotenregelungen eingeführt.

sio/reuters