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Ansager: Peter Thiel trat als prominentester Techstar für Donald Trump (l.) ein. Top-CEOs wie Apples Tim Cook (r.) waren deutlich skeptischer.
Ansager: Peter Thiel trat als prominentester Techstar für Donald Trump (l.) ein. Top-CEOs wie Apples Tim Cook (r.) waren deutlich skeptischer.
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Shannon Stapleton / Reuters

Biografie Peter Thiel, der Querdenker

Der Gründer von Palantir und erste Kopf von Paypal hat in der Techwelt einzigartigen Einfluss. Fast besessen stilisiert er sich als Gegenpart der Liberalen. Jetzt ist die erste umfassende Biografie über ihn erschienen.
Von Christian Schütte aus manager magazin 10/2021

Gemessen am Geld ist Peter Thiel (53) nur eine mittlere Silicon-Valley-Größe. Sein Netzwerk und sein intellektueller Einfluss aber sind einzigartig. Wie kein anderer hat er das revolutionäre Selbstverständnis der jungen Techgarde geprägt. Das linksliberale Establishment provoziert er aus Prinzip und zum Teil mit Besessenheit.

Der Journalist Max Chafkin will mit der ersten tief recherchierten Biografie erklären, was diesen Mann antreibt. Nicht leicht, denn "The Contrarian" (Titel der US-Originalausgabe) verweigerte die Mitarbeit.

Thiel ist bekannt als erster Kopf von Paypal, Gründer von Palantir , früher Facebook-Investor und Zuckerberg-Mentor. Zu seiner "Paypal-Mafia" zählten spätere Topgründer von Youtube bis Linkedin, Elon Musk (50) war Partner und zugleich Hauptrivale.

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Peter Thiel wird 1967 in Frankfurt geboren, kurz darauf ziehen die Eltern in die USA. Sein Vater wird Bergbauspezialist, Mitte der 70er Jahre lebt die Familie zeitweise in Südafrika und im heutigen Namibia, Peter Thiel geht in Swakopmund zur Schule. Schließlich lassen sich die Eltern nahe San Francisco nieder. Thiels Elternhaus ist konservativ-christlich geprägt und lehnt die erstarkende progressive "Counterculture" ab.

Das Kalifornien der späten 70er und frühen 80er Jahre ist auch die Hochburg einer neuen liberal-konservativen Bewegung. Ronald Reagan, der als US-Präsident die marktliberale Revolution durchsetzt, stammt von hier. Viele Reagan-Berater kommen aus der Hoover-Institution an der Eliteuni Stanford.

Thiel studiert Philosophie und später Jura in Stanford. Er versucht, als Herausgeber einer Studentenzeitschrift mit aggressiv-libertären Thesen Profil zu gewinnen. Seine Pläne für eine politiknahe Juristenkarriere scheitern aber. Den ersten Job in einer New Yorker Großkanzlei schmeißt er nach nur sieben Monaten, er kehrt zurück nach Kalifornien, um als Makrostratege und Hedgefonds-Manager zu arbeiten.

Richtig ab geht es Mitte der 90er jedoch in der Tech-Branche. So wird auch Thiel bald Tech-Investor, einer der "Golden Geeks" des Valley.

Thiels Weg in die Techwelt war untypisch. Der Junge, dessen deutsche Eltern durch die USA und zeitweise nach Südwestafrika ziehen, ist zwar ein Überflieger: hochintelligent, hyperkompetitiv, schachverrückter Solist. Doch er ist kein IT-Nerd. Thiel sucht anfangs die politische Bühne. Er wird Anwalt – und ist bald frustriert. Seine große Rolle findet er erst als Investor im Valley. Hier entsteht der libertäre Thiel-Mix aus Businessschach und Philosophie: radikal sein, Konventionen brechen. Rasant skalieren, um Monopolist zu werden.

Diesen Techie fesseln nicht Gadgets, sondern Machtfragen. Viele aus Thiels Umfeld wollten nicht offen mit dem Biografen reden. So entsteht das Bild eines kalten Soziopathen, der für Verletzungen Rache nimmt. Chafkins Buch ist ein Must-read. Aber sicher nicht das Ende der Thiel-Story.

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