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Davidoff: Zigarren für die Luxuswelt

Foto: Petra Stadler / Davidoff

Karrierekiller Ehrgeiz Warum der Davidoff-Chef schon mal einen Top-Kandidaten abgelehnt hat

Hans-Kristian Hoejsgaard (58) ist seit 2011 Chef der Oettinger Davidoff AG. Zuvor war der Brand Equity und Retail-Spezialist CEO der Timex Group und als Führungskraft bei diversen Unternehmen der Luxusbranche tätig. Hoejsgaard hat zwei erwachsene Kinder und liebt außerdem Kochen, Weine, Innenarchitektur, moderne Kunst und Lesen, am liebsten Bücher über Geschichte und Politik.

Hans-Kristian Hoejsgaard (58) ist seit 2011 Chef der Oettinger Davidoff AG. Zuvor war der Brand Equity und Retail-Spezialist CEO der Timex Group und als Führungskraft bei diversen Unternehmen der Luxusbranche tätig. Hoejsgaard hat zwei erwachsene Kinder und liebt außerdem Kochen, Weine, Innenarchitektur, moderne Kunst und Lesen, am liebsten Bücher über Geschichte und Politik.

Zwar liegen auch morgens um neun Uhr schon die Zigarren bereit in der Smokers Lounge des Hamburger Luxushotels Atlantic. So früh beginnt aber selbst der Davidoff-Chef nicht zu rauchen - ihm reicht ein kleiner Espresso. Am Vorabend hat er die Einweihung der deutschen Davidoff-Tochtergesellschaft gefeiert. Erfreulich: Er ist in Plauderlaune.

manager-magazin.de: Herr Hoejsgaard, freuen Sie sich, wenn Ihre Kinder rauchen?

Hans-Kristian Hoejsgaard: Für mich ist es ein großer Unterschied, was man raucht. Eine Zigarre zu genießen hat wenig mit Rauchen zu tun. Das ist eine Zeremonie. Man inhaliert ja auch nicht. Mit meinem Sohn und meinem Schwiegersohn rauche ich gerne ab und zu feierlich eine Zigarre zusammen. Sie rauchen keine Zigaretten, aber einmal im Monat eine Zigarre - das ist doch schön.

mm.de: Sigmund Freud sagte: Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre. So einfach ist es aber nicht, oder?

Hoejsgaard: Nichts gegen Freud, aber für mich ist eine Zigarre ein Katalysator. Eine wunderbare 45-minütige Pause von einem stressigen Alltag, in der man mit Freunden oder alleine entspannen kann. Man setzt sich, man diskutiert, man hat Zeit zu reflektieren.

mm.de: Sitzen Sie manchmal mit Ihrer Frau zu Hause, und Sie rauchen beide eine Zigarre?

Hoejsgaard: Wir genießen ab und zu eine Zigarre, aber dann eher mit Freunden zusammen auf der Terrasse, bei schönem Wetter, nach einem guten Essen, mit einem guten Glas Wein. Im Haus rauchen wir selten.

mm.de: Wieviel rauchen Sie?

Hoejsgaard: In einer normalen Woche vielleicht drei bis vier Zigarren. Aber es gibt nicht sehr viele normale Wochen in meinem Leben, wir haben ja mit Davidoff viele Anlässe - also ist es eher eine am Tag. Damit liege ich deutlich über dem Durchschnitt der Zigarrenraucher, der auf eine bis drei pro Woche kommt.

mm.de: Laut einer Studie verdienen CEOs in der Tabak-, Alkohol- und Glücksspielbranche bis zu einer halben Million Dollar mehr als in neutralen Branchen. Sind Sie deshalb Davidoff-Chef geworden?

Hoejsgaard: Die Studie kenne ich nicht. Ich habe auch für andere Luxusfirmen gearbeitet. Meine Familie hat sich seit drei Generationen mit der Tabakdistribution beschäftigt, das Geschäft lag also nahe für mich, und ich habe auch zu Anfang meiner Laufbahn zehn Jahre in der Branche gearbeitet. Da hat sich also ein Kreis geschlossen.

mm.de: Was ich meinte, war: War Geld der Hauptgrund, zu Davidoff zu gehen?

Hoejsgaard: Überhaupt nicht. Geld ist natürlich ein Mittel zur Freiheit. Aber wenn man zehn oder zwölf Stunden am Tag arbeitet, dann muss man die Arbeit auch lieben und genießen. Ich bin ein Brand-Equity-Mensch. Es motiviert mich, eine gute, starke Marke auszubauen. Davidoff war für mich ein sehr schöner Diamant, der noch etwas geschliffen werden musste.

mm.de: Sie haben ihn ja zu Beginn erst einmal recht gründlich abgeschliffen.

Hoejsgaard: Ich war der erste CEO, der von außerhalb zum Familienunternehmen kam. Es gab in der Firma das klassische patriarchale System mit einem sehr großen Management-Team. Das haben wir auf Normalmaß verschlankt. Von 39 auf 9 Leute.

"Es gibt immer Angst, wenn es Wechsel gibt"

mm.de: Hatten die Mitarbeiter Angst vor Ihnen?

Hoejsgaard: Es gibt immer Angst, wenn es Wechsel gibt. Aber die meisten Mitarbeiter wollten Veränderung, auch wenn manche meinten, es sei eher ein Erdbeben gewesen. Das Marktumfeld hat sich sehr geändert, das Unternehmen musste sich neu aufstellen, und vorher hatte es wenig Veränderung gegeben.

mm.de: Wann standen Sie als Chef einer Luxusmarke zuletzt in einem Laden und dachten: Schön, aber das kaufe ich nicht, das ist mir zu teuer?

Hoejsgaard: Das passiert oft. Das letzte Mal war es in einem Uhrengeschäft. Eine schöne Herrenuhr.

mm.de: Welche denn?

Hoejsgaard: Das sage ich nicht. Das wäre nicht fair. Alles hat seinen Preis, aber ab und zu muss man nein sagen.

mm.de: Bevor Sie bei Davidoff anfingen, haben Sie viele Gespräche mit der Eigentümerfamilie geführt. Etliche gemeinsam mit Ihrer Frau. Worüber wollten die denn mit Ihrer Frau reden?

Hoejsgaard: Sie wollten wissen, ob meine Frau wirklich hinter der Entscheidung steht, aus den USA in die Schweiz zu ziehen. Ob es eine gemeinsame Entscheidung war. Familiäre Unterstützung ist für Führungskräfte wichtig. Wenn ich Leute einstelle, die direkt an mich berichten, dann ist im letzten, entscheidenden Gespräch auch immer die Frau mit dabei.

mm.de: Sind die Partner denn immer Frauen?

Hoejsgaard: Meistens. In dieser Branche.

mm.de: Haben Sie nach einem solchen Gespräch schon mal gesagt: Sorry, aber das passt nicht mit Ihrer Frau?

Hoejsgaard: Einmal. Das war aber nicht bei Davidoff. Wenn man spürt, dass es keinen Rückhalt in der Familie gibt, sondern nur die Ambitionen und den Ehrgeiz eines Partners, dann passt es nicht. Vor allem, wenn man umziehen muss. Eine neue Sprache, eine neue Kultur - das ist eine große Herausforderung. Und wenn es dann zu Hause nicht funktioniert, kann es auch im Job nicht klappen.

mm.de: Sie lieben außer Tabak auch andere eher unpopuläre Dinge, zum Beispiel Foie Gras, die in vielen Ländern aus Tierschutzgründen verboten ist.

Hoejsgaard: Ich esse das nicht oft. Man muss moderat sein. Luxus in kleinen Portionen ist aber gut. Genau wie bei Zigarren und Rotwein. Genuss ist immer ein Luxus, aber Luxus ist nicht immer ein Genuss.

mm.de: Zum Beispiel?

Hoejsgaard: Ich weiß nicht, ob es ein Genuss ist, die zweiundzwanzigste Uhr zu kaufen oder die fünfzigste Handtasche. Zigarren dagegen oder ein guter Wein, das ist ein direktes Genusserlebnis - instant gratification.

mm.de: A propos Genuss: Wie lange wollen Sie noch arbeiten? Sie haben mal gesagt, dass Sie sich früh zurückziehen wollen. Jetzt sind Sie 58 Jahre alt…...

Hoejsgaard: Ich habe keinen festen Termin. Das Rentenalter liegt in der Schweiz bei 65. Ich möchte früher aufhören. Als CEO darf man nicht zu lange an seinem Posten kleben. Die Herausforderungen sind morgen ganz andere als gestern. Ich habe einen Marken-Turnaround gemacht; die nächste Phase kann etwas ganz anderes sein, da braucht man dann vielleicht andere und jüngere Talente. Und ich habe viele andere Interessen: Mehr Zeit mit meiner Frau, Kunst, auch Aufsichts- oder Verwaltungsratsmandate interessieren mich.

mm.de: Angenommen, Ihr Haus brennt, Ihre Familie ist in Sicherheit, was nehmen Sie beim Hinausrennen schnell noch mit?

Hoejsgaard: Ein Bild, vielleicht. Kunst interessiert mich sehr. Als ich 19 Jahre alt war, habe ich, obwohl ich wenig Geld hatte, ein Bild von einem Künstler von den Färöer-Inseln gekauft, Joannis Kristiansen. Wunderbare Farben. Es ist kein sehr teures Bild, aber etwas sehr Besonderes für mich. Ich liebe dieses Bild. Und vielleicht eine gute Flasche Rotwein. Ich habe schließlich zwei Hände.

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