Sonntag, 31. Mai 2020

US-Milliardär Geffen verärgert Online-Nutzer Quarantäne auf Luxusjacht - Filmmogul im Shitstorm

David Geffen. Der US-Filmmogul sorgt mit Äußerungen auf Instagram für Aufruhr
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David Geffen. Der US-Filmmogul sorgt mit Äußerungen auf Instagram für Aufruhr

Er gilt eigentlich als Philanthrop, spendet einen Großteil seines Vermögens für medizinische Forschung und Kultur, doch diesmal hat US-Filmmogul und Multimilliardär David Geffen das Empfinden seiner Mitmenschen offenbar falsch eingeschätzt.

Auf Instagram postete der Gründer verschiedener Plattenlabel sowie Mitgründer des Hollywood-Studios Dreamworks am Wochenende ein Bild seiner 150-Meter-Superjacht "Rising Sun", versehen mit der Bemerkung: "Sonnenuntergang gestern Abend ... isoliert in den Grenadinen, um dem Virus zu entgehen. Ich hoffe, alle sind in Sicherheit." Die Folge: ein veritabler Shitstorm.

Die Mehrheit der Instagram-Nutzer befindet sich offenbar nicht in der privilegierten Lage, sich vor der Ausbreitung des Coronavirus auf einer Luxusjacht in der Karibik in Sicherheit bringen zu können. Bei den Grenadinen handelt es sich um eine Inselkette zwischen dem Karibischen Meer und dem Atlantik. Eine bei Superreichen beliebte Gegend, in der es ein Hotelzimmer dem US-Magazin "Forbes" zufolge kaum für weniger als 1100 Dollar die Nacht gibt. Kurzum: Kein Ort, an dem der Großteil der Weltbevölkerung seine Corona-Quarantäne verbringen kann.

"Danke, David Geffen, für deine Gedanken", war noch einer von den harmloseren Kommentaren, wenngleich der Sarkasmus unübersehbar ist. "David Geffen ist ein Anti-Mensch", schrieb ein anderer Nutzer. "Deshalb hassen die Leute Milliardäre", ein weiterer. Und noch einer, etwas nachdenklicher: "David Geffen hätte die Jacht der Stadt New York City spenden können, damit sie als provisorisches Krankenhaus genutzt werden könnte."

Das sei beschämend und grotesk, lautete zudem der Kommentar einer Nutzerin auf dem Kursnachrichtendienst Twitter Börsen-Chart zeigen, auf dem Geffens Sonnenuntergangs-Post ebenfalls erheblichen Widerhall fand. Letzterer Kommentar könnte sich zugleich auf die Art und Weise beziehen, wie aktuell viele den Umgang zahlreicher Superreicher mit der aktuellen globalen Krise bewerten. Rund um den Globus ziehen sich Multimillionäre und Milliardäre in Feriendomizile außerhalb der Ballungszentren oder auf Luxusjachten zurück, wie auch die Nachrichtenagentur Bloomberg beobachtet. Für die Reise dorthin nutzen sie mit Vorliebe private Charterjets, um der Infektionsgefahr so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen. Wie manager magazin bereits berichtete, ist die Nachfrage nach Privatflugzeugen seit Ausbruch der Corona-Krise weltweit rapide angestiegen.

Grotesk, so könnten Kritiker womöglich auch die Offerte eines Hotels in der Schweiz bewerten: Der Anbieter Le Bijou aus Zug bietet der solventen Kundschaft, die es im Privatjet noch in die Schweiz schafft, in seinen High-End-Apartments Quarantäne der Luxusklasse - inklusive Corona-Heimtest für rund 500 Dollar, privatem Pflegeservice, persönlichem Koch, kontaktlosem Check-in und digitalem Entertainmentprogramm. Und das alles, während Ärzte und medizinisches Personal sowie Arbeiter und Angestellte in zahlreichen weiteren Branchen weltweit weiterhin ihre Arbeit machen müssen, oft ohne Homeoffice oder ähnliche Absicherungen, in der ständigen Gefahr, sich ebenfalls mit dem Coronavirus zu infizieren. Immerhin: Seit Kurzem macht das Le-Bijou-Hotel ein weiteres Angebot: Ärzte und anderes medizinisches Personal können in den Apartments des Hauses zur Erholung jetzt kostenlos übernachten, berichtet die "Luzerner Zeitung". (Anm. d. Red.: Die Offerte des Le-Bijou-Hotels an Ärzte und medizinisches Personal war im Artikel ursprünglich nicht erwähnt, wir haben sie nachträglich eingefügt)

Von den Zuständen in Flüchtlingslagern wie jenem namens Moria auf der griechischen Insel Lesbos ganz zu schweigen. Dort leben inzwischen mehr als 20.000 Menschen in einem Camp, das eigentlich für rund 3000 ausgelegt ist. Das viel beschworene "Social Distancing" ist unter solchen Umständen praktisch unmöglich.

Allerdings könnte auch das Idyll eines David Geffen schnell enden: Sollte doch jemand auf Geffens Schiff an Covid-19 erkranken, könnte sich die Superjacht rasant in einen "Quarantäne-Alptraum" verwandeln, so das Fachmagazin "Superyacht Times". Verschiedene Kreuzfahrtschiffe haben in den vergangenen Wochen bereits vorexerziert, was das bedeutet.

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Und wie reagiert der Multimilliardär selbst auf die Aufregung, die sein Instagram-Post ausgelöst hat? Geffen, laut "Forbes" zurzeit etwa 7,7 Milliarden Dollar schwer, möchte sich durch Kritik an seinem Lebensstil in der aktuellen Situation offenbar nicht stören lassen. Er entzog seinen Instagram-Account kurz nach dem Post vom Wochenende den öffentlichen Blicken und schaltete ihn auf privat.

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