Ehemaliger Renault-Nissan-Chef Internationaler Haftbefehl gegen Carlos Ghosn

Seit seiner spektakulären Flucht sitzt Carlos Ghosn im Libanon fest. Da der Ex-Chef von Renault-Nissan auch einen libanesischen Pass besitzt, ist er vor einer Auslieferung sicher.
Siegessicher: Der ehemalige Automanager Carlos Ghosn und seine Frau Carole geben im libanesischen Exil immer wieder mal ein Interview. Beide werden per Haftbefehl gesucht, doch liefert der Libanon Ghosn nicht aus. Die Frage ist, ob der Ex-Manager bei einem möglichen Prozess in Frankreich noch seine Unschuld beweisen möchte, wie er behauptet.

Siegessicher: Der ehemalige Automanager Carlos Ghosn und seine Frau Carole geben im libanesischen Exil immer wieder mal ein Interview. Beide werden per Haftbefehl gesucht, doch liefert der Libanon Ghosn nicht aus. Die Frage ist, ob der Ex-Manager bei einem möglichen Prozess in Frankreich noch seine Unschuld beweisen möchte, wie er behauptet.

Foto: MOHAMED AZAKIR/ REUTERS

Frankreichs Justiz hat einen internationalen Haftbefehl gegen den in den Libanon geflohenen Automanager Carlos Ghosn (68) erlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft Ghosn laut "Wall Street Journal"  (WSJ) vor, einen zweistelligen Millionenbetrag an Renault-Geldern über den omanischen Autozulieferer SBA für seinen persönlichen Gebrauch verwendet zu haben, unter anderem für den Kauf einer 37 Meter langen Yacht.

Es geht im Kern also um Unterschlagung von Vermögenswerten sowie Geldwäsche. Dem Bericht zufolge wurden weitere Haftbefehle erlassen: gegen den Milliardär und SBA-Eigenümter Suhail Bahwan sowie gegen vier ehemalige Manager des Autozulieferers. Die französische Staatsanwaltschaft bei Paris bestätigte am Freitag den Bericht.

Ghosn, früherer Chef der Dreier-Allianz der Autobauer Renault, Nissan und Mitsubishi, war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die japanische Justiz wirft ihm unter anderem vor, private Verluste auf den Autohersteller Nissan übertragen zu haben. Ghosn bestreitet die Vorwürfe. Ghosn selbst zeigte sich am Freitag nach Angaben seines Sprechers "überrascht" von dem Haftbefehl . Ghosn habe immer mit den französischen Behörden zusammengearbeitet.

Internationaler Haftbefehl auch gegen Carole Ghosn

Der Ex-Manager mit französischer, brasilianischer und libanesischer Staatsbürgerschaft flüchtete Ende 2019 in einer spektakulären Aktion in einem Koffer an Bord eines Privatjets aus Japan in den Libanon und wird seitdem auch von Japan per internationalem Haftbefehl gesucht. Er darf den Libanon, der ihn nicht ausliefert, nicht verlassen. Laut WSJ haben libanesische Behörden seine Pässe beschlagnahmt. Die japanische Staatsanwaltschaft hat ebenso Haftbefehl gegen Carole Ghosn (56) erlassen. Sie ist keine französische Staatsbürgerin und könnte an Japan ausgeliefert werden, sollte sie versuchen, den Libanon zu verlassen.

Nach seiner Flucht hatte Ghosn zunächst die französischen Ermittlungen begrüßt und erklärt, er glaube an das französische Justizsystem, das es ihm ermöglichen werde, seine Unschuld zu beweisen. In einem Interview sagte Ghosn im vergangenen Jahr, er sei auf einen langwierigen Prozess vorbereitet, um seinen Namen bei den französischen Behörden reinzuwaschen. Er werde auch einen Interpol-Haftbefehl anfechten, der ihn an Reisen außerhalb des Libanon hindert. Im libanesischen Exil ließ es sich Ghosn jedoch nicht nehmen, immer wieder gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zu stänkern und etwa die Ergebnisse des Autobauer-Konglomerats als "erbärmlich" zu kritisieren.

Ein Gericht hatte im Sommer vergangenen Jahres zwei Komplizen des ehemaligen Automanagers zu Haftstrafen von 24 beziehungsweise 20 Monaten verurteilt. Die beiden US-Bürger, Vater und Sohn, hatten vor Gericht zugegeben, Ghosn Ende 2019 bei seiner Flucht aus Japan geholfen zu haben.

rei