Was Wirtschaftsgrößen und Wissenschaftler lesen Die Lieblingsbücher der Erfolgreichen

Erich Harsch (57) ist seit 2008 Vorsitzender der Geschäftsführung von dm-drogerie markt, Deutschlands größtem Drogeriewarenhändler. Der gebürtige Österreicher kam 1981 zu dm. In seiner Freizeit entspannt der Manager beim Golfspielen oder im Theater.

Erich Harsch (57) ist seit 2008 Vorsitzender der Geschäftsführung von dm-drogerie markt, Deutschlands größtem Drogeriewarenhändler. Der gebürtige Österreicher kam 1981 zu dm. In seiner Freizeit entspannt der Manager beim Golfspielen oder im Theater.

Foto: picture alliance/dpa

In unserer Bücherschau verraten Wirtschaftsgrößen, Wissenschaftler und andere interessante Persönlichkeiten, welche Lektüre für sie prägend war - und welche Bücher Sie weiterbringen können. In der heutigen letzten Folge verrät Erich Harsch, Chef der Drogeriemarktkette dm, seine Lieblingslektüre. Wenn Sie damit fertig sind und immer noch Anregungen brauchen, gibt es Nachschub - hier lesen Sie, was Joe Kaeser, Wolfgang Schäuble und Co. bereits empfohlen haben. Und hier ist die exklusiv für manager magazin ermittelte Bestsellerliste der Wirtschaftsbücher.

Erich Harsch, dm: Wie die Dinge miteinander verbunden sind

"Ken Follett erzählt in der Jahrhundert-Saga auf spannende und sehr menschliche Weise die Entstehungszusammenhänge unserer heutigen Welt. Historische Ereignisse und deren Hintergründe werden in den drei Bänden unterhaltsam und sehr eingängig vermittelt. Die in die Breite und Tiefe gehenden historischen Fakten sind sehr gut recherchiert. Die Ereignisse und die Wege der Protagonisten kreuzen sich immer wieder, so dass sich schließlich alles logisch zusammenfindet und dem Leser schnell klar wird, wie die Dinge in unserer Welt miteinander verbunden sind.

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Ken Follett

Sturz der Titanen: Die Jahrhundert-Saga: Die Jahrhundert-Saga. Roman

Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 1037
Für 17,00 € kaufen
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Wenn man die historischen Geschehnisse dann noch mit unserer Gegenwart in Verbindung bringt, dann sorgt das für so manchen Aha-Effekt. Die charakteristischen Hauptfiguren der Romane sind eng mit historischen Persönlichkeiten der Zeit verbunden, das sorgt für Realitätsnähe und lässt den Leser zusätzlich tief in die Geschichte einsteigen. Eine ideale Lektüre für einen entspannenden, längeren Sommerurlaub. Wenn man einmal mit lesen beginnt, legt man diese Reihe sicher nicht so schnell wieder weg."

Brigitte Lammers, Egon Zehnder: Eine Geschichte des holprigen Glücks

Brigitte Lammers ist Partnerin bei Egon Zehnder und eine der prägenden Persönlichkeiten der internationalen Personalberatung. Sie ist spezialisiert auf Medien, Telekommunikation sowie Familienunternehmen und treibt auf globaler Ebene die Diversity-Aktivitäten voran.

Brigitte Lammers ist Partnerin bei Egon Zehnder und eine der prägenden Persönlichkeiten der internationalen Personalberatung. Sie ist spezialisiert auf Medien, Telekommunikation sowie Familienunternehmen und treibt auf globaler Ebene die Diversity-Aktivitäten voran.

Foto: Egon Zehnder

"Seit meinem Jurastudium in Bonn weiß ich, wie begnadet Bernhard Schlink erzählen kann. Aus dem trockensten Vorlesungsstoff konnte er noch etwas Spannendes machen, er war - und ist - immer tiefgründig, detailversessen und hochsympathisch. Sein jüngster Roman mit dem schlichten Titel 'Olga' erzählt die Geschichte einer Frau, der in den fast neunzig Jahren ihres Lebens nie etwas geschenkt wurde und die doch fast alles, was sie wollte, bekommen hat - es ist eine 'Geschichte des holprigen Glücks', wie Olga selbst am Ende sagt.

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Schlink, Bernhard

Olga: Roman (detebe)

Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 320
Für 13,00 € kaufen
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In den 1880er Jahren als Waise in einem Dorf in Pommern aufgewachsen, ein Mädchen ohne Mittel, aber mit vielen Talenten, träumt sie davon, Lehrerin zu werden und ein Instrument zu beherrschen; und sie kämpft mit ungeheurem Ehrgeiz, Fleiß und Geschick, bis sich ihr Wunsch erfüllt. Wir alle kennen diese Frauen aus dem vergangenen Jahrhundert, die so viel geleistet, so viele Widrigkeiten überwunden, gegen so viel Dünkel ankämpfen mussten und doch - anders als erfolgreiche Frauen heute - nie gesellschaftliche Anerkennung erfahren haben. Diese Ausdauer, diese Unverzagtheit, die Schlink hier schildert, hat mich sehr beeindruckt. Olga findet einen klugen Umgang mit Limitationen, denen wir auch heute, wenngleich in anderer Form, ausgesetzt sind.

Das Gegenstück zu Olga ist Herbert, der Sohn des örtlichen Gutsbesitzers. Die beiden verlieben sich, aber die Konventionen verbieten die Verbindung und hindern Olga am Glück. Herbert dagegen hat alle Möglichkeiten dieser Welt, er gehört zur Elite des Landes. Doch in seiner Herkunft liegt auch ein Fluch. Denn statt seine Talente für etwas Konstruktives einzusetzen, glaubt er, ein deutscher Held sein zu müssen - ein Mann, der die Geschichte vorantreibt, der das Bismarcksche Kaiserreich und überhaupt das Deutschtum zu neuen Höhen führen muss. Ein normales Sein reicht dem Nietzsche-Leser Herbert nicht. Er meldet sich zur Schutztruppe nach Deutsch-Südwestafrika und nimmt an dem Gemetzel gegen die Herero teil, die er, der Herren- und Übermensch, wie Vieh betrachtet. Schlink gelingt es, dieser Verinnerlichung des sogenannten Deutschtums in der Figur des Herbert eine extreme und gleichzeitig höchst realistische Form zu geben; und tatsächlich gibt es für Herbert ein reales Vorbild.

Olga aber muss ihren Geliebten ziehen lassen. Sie schreibt ihm ihr Leben lang Briefe - und setzt dies auch fort, als er kurz vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr von einer Polarexpedition zurückkehrt. Sie lebt ihren Kummer am Klavier aus, bis sie in ihren Fünfzigern das Gehör verliert - ein weiterer Schicksalsschlag, der sie ebenfalls nicht aus der Bahn wirft. Nach dem Krieg flieht sie nach Heidelberg, wo sie als einfache Näherin arbeitet und einen jungen Mann, Ferdinand, unter ihre Fittiche nimmt. Ferdinand findet nach ihrem Tod 1971 die Briefe Olgas an Herbert. Sie bilden den letzten Teil des Buches, und den Lesern erschließt sich eine weitere und entscheidende Facette ihres Lebens. Sie erfahren, dass Olga an ihrem Ende eine Tat von ganz untypischer, aber durchaus stimmiger Gewaltsamkeit begeht, in der sie mit der dünkelhaften Gesellschaft ihrer Jugend abschließt - mit einer Gesellschaft, die Herbert in Krieg und Tod getrieben und ihre tiefste Lebenserfüllung verhindert hat. Sie will ein Zeichen setzen. Sie hat duldend in Kauf genommen, aber nie vergessen.

Wie Olgas Charakter, so ist auch dieses Buch: sensibel, leise, präzise, klug, keine Effekte, kein Drama. Kein Herbert. An seinem Beispiel beschreibt Schlink, wie die historischen Umstände einen Menschen in die Hybris treiben können. Herbert will Geschichte prägen, dabei prägt die Geschichte ihn. Gesellschaftlich standen ihm alle Türen offen, doch es war Olga, die ihre Ziele erreichte, kraft ihrer Menschlichkeit. Sie bleibt im Machbaren, sie packt die Umstände an und macht aus jeder Situation etwas Positives. So hat Schlink ein Buch über modernes Heldentum geschrieben."

Günter Faltin, Ökonom: Die Sehnsucht nach einer Welt jenseits des Habens

Der Ökonom und Autor Günter Faltin (74) will mehr Entrepreneure in der Gesellschaft

Der Ökonom und Autor Günter Faltin (74) will mehr Entrepreneure in der Gesellschaft

Foto: picture alliance / dpa

"Alle Weisheitslehrer und Religionsstifter dieser Welt sind sich darin einig: Es ist nicht die Anhäufung von immer mehr Waren, von immer mehr Besitz, die den Menschen glücklich macht. Erich Fromm hat aus dieser fundamentalen Einsicht das Buch "Haben oder Sein" geschrieben. Ihm geht es um Bewusstseinsentwicklung - um die seelische Gesundheit der westlichen Gesellschaft.

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Fromm, Erich

Haben oder Sein: Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Seitenzahl: 272
Für 9,90 € kaufen
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Eine ganze Generation, meine Generation, hat das Buch verschlungen. Es klang wie ein Leitfaden in eine bessere Zukunft. Ich erinnere mich an nächtelange Diskussionen bei Rotwein in der Wohngemeinschafts-Küche. Wirklich bewegt hat das Buch wenig - die höhere Stufe des Bewusstseins blieb ein frommer Wunsch.

Jetzt, Jahrzehnte später, habe ich das Buch wiederentdeckt. Plötzlich ist es aktueller denn je. Aber nicht als psychologischer Leitfaden, sondern als ökonomisches Programm. Wir können nicht immer mehr Waren anhäufen, das gibt der Planet nicht her. Haben oder Sein ist keine Frage des Bewusstseins mehr, sondern wird zur existenziellen Entscheidung. Wir stehen vor der Aufgabe, eine Ökonomie des Habens in eine Ökonomie des Seins zu transformieren.

Ist das nicht ein abwegiger, esoterisch klingender Gedanke? Ganz und gar nicht. Die Werbung setzt schon heute auf Werte und Gefühle aus dem Seins-Modus: Vertrauen, Freundschaft, Geborgenheit, Glück. Spricht also die Sehnsucht der Menschen nach einer Welt jenseits des Habens an. Umso mehr, als unsere Haben-Bedürfnisse eigentlich befriedigt sind - wenn sie nicht künstlich angestachelt werden.

Ist dies das Aus für die Ökonomie? Einer Ökonomie der alten Art, ja. Umso größer sind die Chancen für Akteure, die den Seins-Modus nicht nur mit Werbelyrik versprechen, sondern tatsächlich liefern. Es geht um Konsum der de-materiellen Art. Die Digitalisierung liefert schon heute Beispiele dafür.

Große Unternehmerpersönlichkeiten haben sich stets den drängenden Aufgaben, den großen Themen ihrer Zeit gewidmet - mit großem wirtschaftlichen Erfolg. Die Transformation vom Haben zum Sein ist das große Thema unserer Zeit."

Melanie Kreis, Deutsche Post: Denkanstöße gegen die Schwarzseherei

Interview mit Günter Faltin: "Gründen muss zum Volkssport werden"

Melanie Kreis (48) ist die einzige Frau im Vorstand der Deutschen Post und dort zuständig für Finanzen.

Melanie Kreis (48) ist die einzige Frau im Vorstand der Deutschen Post und dort zuständig für Finanzen.

Foto: Deutsche Post

"Inspirierend. Praxisnah. Ermutigend. Hans Rosling's Buch Factfulness ist eine unerschöpfliche Quelle optimistischer Denkanstöße.

Der Mensch neigt zum Schwarzsehen. Der schwedische Wissenschaftler Hans Rosling belegt, was viele von uns instinktiv geahnt haben: Unser Gehirn tendiert zu einer dramatisierenden und pessimistischen Weltsicht, die nur selten der Realität entspricht. Ständig wachsam und in Sorge zu leben, mag für unsere Urahnen ein Überlebensvorteil gewesen sein. Heute hindert uns die Fixierung auf Probleme und Gefahren viel zu oft daran, frei zu denken und Lösungen zu finden.

Ein Phänomen, das wir als weltweit führender Post- und Logistikkonzern auch im Kontext der Globalisierung beobachten: Handelsspannungen, Brexit und die potenzielle Rückkehr der Eurokrise sind in aller Munde. Einige Ökonomen, Manager und Politiker sprechen von einem Abschwung der Weltkonjunktur. Daten und Fakten hingegen sprechen eine andere Sprache. Der Welthandel wird auch in diesem Jahr weiter wachsen - wenn auch mit geringerem Tempo. Es ist zweifellos richtig, dass die Risiken für Freihandel und Globalisierung zunehmen, doch bildet die öffentliche Stimmung oft nicht die Fundamentaldaten und damit die Wirklichkeit ab.

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Rosling, Hans, Rosling Rönnlund, Anna, Rosling, Ola

Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist | Der Bestseller zum Erreichen einer offenen Geisteshaltung für Ansichten und Urteile, die nur auf soliden Fakten basieren

Verlag: Ullstein Hardcover
Seitenzahl: 400
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Deshalb kann ich mich Roslings Botschaft nur anschließen: Fakten checken ist besser als blindes Vertrauen - und die Welt ist nicht so schlecht, wie sie scheint. Im Gegenteil: Es gibt mehr Fortschritt, als wir glauben. Die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit steigt, der Anteil in extremer Armut lebender Menschen sinkt, der Wohlstand nimmt kontinuierlich zu.

Und egal ob Schulbildung für Mädchen, Zugang zu sauberem Trinkwasser oder Staaten mit Demokratie - es geht aufwärts. Es ist unsere Aufgabe als Manager, "Denk-Schubladen" aufzubrechen und Vorurteile durch Fakten zu ersetzen. Wir müssen dazu beitragen, den von Rosling beschriebenen Fortschritt greifbar und erlebbar werden zu lassen. Factfulness ist ein Buch, das man einmal liest, das aber immer wieder zum Nachdenken anregt."

Björn Dahler, Luxusimmobilien-Makler: Wer wir sind und wie wir wurden, was wir sind

Björn Dahler, Luxusimmobilien-Makler: Wer wir sind und wie wir wurden

Björn Dahler (59) gründete vor mehr als 25 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Kirsten Dahler das Unternehmen Dahler & Company, das sich auf die Vermittlung von Luxusimmobilien spezialisiert hat.

Björn Dahler (59) gründete vor mehr als 25 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Kirsten Dahler das Unternehmen Dahler & Company, das sich auf die Vermittlung von Luxusimmobilien spezialisiert hat.

Foto: DAHLER & COMPANY

"Kann die Historie der Menschheit in ihrer Gesamtheit auf 500 Seiten komprimiert erzählt werden? Diese Frage habe ich mir gestellt, als mir "Eine kurze Geschichte der Menschheit" zum ersten Mal empfohlen wurde. Neben "Homo Deus" und "21 Lektionen für das 21. Jahrhundert" gehört das Buch zu den Bestsellern des israelischen Historikers Yuval Noah Harari.

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Harari, Yuval Noah

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Verlag: Pantheon Verlag
Seitenzahl: 528
Für 14,99 € kaufen
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Das Werk bietet einen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung unserer Spezies: Wo kommen wir her, wie und warum sind wir zu dem geworden, der wir heute sind? Oder vielmehr: Der wir glauben zu sein. Das sind essenzielle, eigentlich schon existenzielle Fragen Hararis, die mich selbst regelmäßig beschäftigen. Um beantworten zu können, wer wir sind und wo wir in Zukunft hinwollen, muss zunächst die Frage gestellt werden, wo wir genau herkommen. Die Entwicklung von menschlichen Tierwesen bis zur Zivilisation des 21. Jahrhunderts beantwortet Yuval Noah Harari in beeindruckender Weise.

Mehr als ein einfacher geschichtlicher Abriss unserer Vergangenheit: Es vereint unterschiedliche Blickwinkel aus Disziplinen der Wissenschaft und Religion und zeigt, dass unsere Evolution keinesfalls eine lineare Erfolgsgeschichte ist und nicht jeder technische Fortschritt in der Vergangenheit zwangsläufig auch eine Verbesserung für die Menschheit bedeutet hat. Diese Erkenntnis von Harari zeigt wiederum die gesamtgesellschaftliche Relevanz für unser Zusammenleben und rückt die wichtige Frage, wie wir mit technischen Möglichkeiten und Herausforderungen der Zukunft umgehen können und wollen, in den Vordergrund.

Harari schafft es, diese Geschichte in ihrer Komplexität auf brillante und humorvolle Art zu erzählen und hat mit mir einen weiteren begeisterten Leser dazugewonnen."

Marion Büttgen, Universität Hohenheim: "Ein wirkliches Lehrstück großartiger Führung"

Marion Büttgen ist Inhaberin des Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Universität Hohenheim.

Marion Büttgen ist Inhaberin des Lehrstuhls für Unternehmensführung an der Universität Hohenheim.

"Was bedeutet gute, verantwortungsvolle Führung? Oder genauer gefragt: was macht eine wahrhaft großartige Führungsperson aus? Als ich auf meiner Reise durch Patagonien Anfang dieses Jahres auf das Buch 'Mit der Endurance ins ewige Eis' von Sir Ernest Shackleton aufmerksam wurde, hatte ich vieles erwartet, aber nicht unbedingt, über Führung mehr zu lernen als aus nahezu jedem Buch, das ich bisher zu dem Thema gelesen habe.

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Shackleton, Sir Ernest

Mit der Endurance ins ewige Eis: Meine Antarktisexpedition 1914–1917

Verlag: NG Taschenbuch
Seitenzahl: 288
Für 16,00 € kaufen
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Sir Ernest Shackleton berichtet in diesem tagebuchartigen Bericht über seine gescheiterte Antarktisexpedition in den Jahren 1914 - 1917, in der - trotz sorgfältigster Planung, bestmöglicher personeller und materieller Ausstattung und gewissenhafter Umsetzung - nahezu alles schiefgeht. Die Expedition war darauf ausgerichtet, die Antarktis erstmals vollständig zu durchqueren. Wer schon einmal in dieser Region war, weiß um die extrem widrigen Umstände, die dort herrschen: extreme Kälte, extreme Wetterumschwünge, extrem komplexe Navigationsbedingungen und nahezu keine Vorhersehbarkeit der Naturereignisse. Eine Art VUCA-Umwelt der Schifffahrt vor 100 Jahren. Wer sich zu dieser Zeit auf eine solche Expedition begibt, muss schon ein besonderer Typus Mensch sein, aber vielleicht nicht unbedingt eine begnadete Führungspersönlichkeit. Sir Ernest Shackleton war aber genau das: eine begnadete Führungspersönlichkeit, von der aus meiner Sicht auch in der heutigen Zeit jede Führungskraft sehr viel lernen kann!

Nachdem die Endurance, das Expeditionsschiff, in festes Packeis gerät, sich nicht mehr befreien lässt und schließlich in diesem zerquetscht wird, beginnt für den Kapitän und seine Mannschaft eine unvorstellbare Odyssee, die heutzutage vermutlich kaum jemand überleben würde. Meist recht nüchtern-sachlich schildert Shackleton, wie er und sein Team, dem er größte Wertschätzung entgegenbringt, dessen Leistung und Engagement er immer wieder betont und für das er ein uneingeschränktes, selbstaufopferndes Verantwortungsbewusstsein empfindet, immer wieder aufs Neue die Herausforderungen und scheinbar ausweglosen Situationen meistern. Dabei ist er stets derjenige, der die größten Strapazen auf sich nimmt, gleichzeitig immer Stärke und Zuversicht vermittelt, "Herr" der Lage bleibt und seine Mannschaft durch wohldurchdachte, im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten eingesetzte Anreize motiviert (Fußballspielen auf der Eisscholle, Sonderrationen an Essen an besonders harten Tagen etc.).

Mehrfach muss die Mannschaft bei dem verzweifelten Versuch, sich an Land zu retten, aufgeteilt werden, um überhaupt eine Überlebenschance zu haben und immer wieder müssen Männer zurückgelassen werden, stets aber mit der erforderlichen Basisausstattung versorgt, die ihr Überleben sicherstellen soll. Auf jeder der immer härter werdenden Etappen bis zum rettenden Ziel, einer Walfangstation auf South Georgia, beschreibt Shackleton in bewundernswert nicht-narzisstischer Weise seine Hauptantriebskraft für den unmenschlichen Einsatz, den er an Tag legt: Er muss ankommen und Hilfe organisieren, da sonst sein Team, das er zurücklassen musste, verloren ist. Dieses Verantwortungsbewusstsein kennzeichnet sein Verhalten während der gesamten Expedition. Und sein Team erwidert seinen Einsatz durch absolutes Vertrauen, bedingungslose Einsatzbereitschaft und maximale Leistung. So gelingt es, dass am Ende alle überleben.

Bemerkenswert an diesem Mann und seinem Führungsstil finde ich auch, dass nie der Eindruck von hierarchischem Denken oder gar einem Überlegenheitsgefühl entsteht. Im Gegenteil: Er stellt immer wieder die große Leistung seiner Mannschaft heraus, während er seinen eigenen Einsatz offensichtlich als Selbstverständlichkeit ansieht. Dies wird bereits in seinem Vorwort deutlich: "Doch auch wenn dieses Buch vom Fehlschlagen des eigentlichen Unternehmens berichten muss, so erzählt es dennoch von atemberaubenden Abenteuern und einzigartigen Eindrücken. Vor allem aber zeugt es von der unbeugsamen Entschlossenheit, unerschütterlichen Treue und großartigen Entschlossenheit meiner Männer".

Ein wirkliches Lehrstück großartiger Führung, wenn auch aus einer anderen Zeit!"

Gerald Hüther, Hirnforscher: Tolstoi - Gier als Falle

Marion Büttgen im Interview: Wie Frauen in Führungspositionen ticken

Gerald Hüther (68) ist der bekannteste Hirnforscher in Deutschland. Der Neurobiologe und Bestsellerautor lehrte jahrelang an der Universität Göttingen. Hüther ist Initiator und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung.

Gerald Hüther (68) ist der bekannteste Hirnforscher in Deutschland. Der Neurobiologe und Bestsellerautor lehrte jahrelang an der Universität Göttingen. Hüther ist Initiator und Vorstand der Akademie für Potenzialentfaltung.

Foto: www.gerald-huether.de

"Als Schüler habe ich sie zum ersten Mal gelesen und seitdem nie wieder aus den Kopf bekommen: Tolstois kleine Erzählung "Wie viel Erde braucht der Mensch?"

Im letzten Satz steht die Antwort: "Der Knecht nahm die Hacke, grub Pachom ein Grab, genau so lang wie das Stück Erde, das er mit seinem Körper, von den Füßen bis zum Kopf, bedeckte - sechs Ellen -, und scharrte ihn ein." Das ist das Ende einer Geschichte, in der Lew Tolstoi beschreibt, wie sich ein einfacher Bauer in einen Landbesitzer verwandelt. Der erwirbt dann mit sprichwörtlicher Bauernschlauheit immer größere Ländereien, wird dabei aber nicht zufriedener, sondern immer gieriger. Getrieben von seiner Gier nach noch mehr Land, lässt er sich schließlich auf einen "Big Deal" mit den Bewohnern einer Steppe ein. Die hatten ihn schnell durchschaut und angeboten, ihm so viel Land zu verkaufen, wie er an einem Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu Fuß umrunden könne.

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Tolstoi, Leo

Wieviel Erde braucht der Mensch?: Vier Erzählungen (Große Klassiker zum kleinen Preis, Band 100)

Verlag: Anaconda Verlag
Seitenzahl: 96
Für 3,95 € kaufen
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Weil er immer noch mehr haben will, wird der Bogen, den er abschreitet, immer größer. Als er merkt, dass es eng wird, beginnt er zu rennen, immer schneller, bis die Sonne untergeht und er kurz vor der Umrundung tot auf dem Acker zusammenbricht.

Wahrscheinlich bin ich auch deshalb Hirnforscher geworden, weil es mich so sehr fasziniert hat, dass Menschen in der Lage sind, einer bestimmen Vorstellung - also einer nackten Idee davon, worauf es im Leben ankommt -, so lange und mit solcher Vehemenz nachzurennen, bis sie schließlich als Opfer ihrer eigenen Vorstellung ihr Leben beenden. Eindringlicher lässt sich kaum darstellen, wie sehr wir uns als Suchende in der Welt zurechtzufinden versuchen und wie leicht wir uns dabei verirren können."

Lesen Sie auch: Gerald Hüther über erfolgreiche Führung

Valerie Holsboer, Bundesagentur für Arbeit: Klare Sprache, giftiger Neid

Valerie Holsboer (42) ist seit 2017 Vorständin für Ressourcen bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg und damit verantwortlich für Finanzen und Personal.

Valerie Holsboer (42) ist seit 2017 Vorständin für Ressourcen bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg und damit verantwortlich für Finanzen und Personal.

Foto: Daniel Karmann

"Bei uns zu Hause stehen unglaublich viele Bücher und immer Neue - viele inzwischen als Hörbuch - kommen dazu. Damit uns die Kultur nicht zur Deko verkommt, habe ich mir vorgenommen, für jedes neue Buch auch ein "Bestandsbuch" zu lesen und war gebannt von Lion Feuchtwangers "Erfolg", dem ersten Band der Wartesaaltrilogie.

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Feuchtwanger, Lion

Erfolg: Drei Jahre Geschichte einer Provinz

Verlag: Aufbau Taschenbuch
Seitenzahl: 878
Für 16,00 € kaufen
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Wie wir aus Opportunismus, Bequemlichkeit, Machtstreben, Sorge, Spieltrieb, Verfilzung, Geselligkeit und vor allem aus dem so giftigen Neid heraus handeln bzw. gewähren lassen, ist in wunderbar klarer Sprache beschrieben. Das zwar schon im Jahr 1929, aber diese Mechanismen von gesellschaftlichen und politischen Machtveränderungen bleiben aktuell.

Die dazu perfekt anschlussfähige Neuanschaffung - und ich empfehle unbedingt diese Kombination - ist "Unterwerfung" von Michel Houellebecq, erschienen im Jahr 2015. Freilich ist der schleichende Wandel und Machtwechsel bei Houllebecq mit deutlich mehr Detailliebe im intim-zwischenmenschlichen Bereich angereichert; Schweinskram hätte meine Oma gesagt.

Faszinierend und bedrückend ist das Bild, wie anfällig und verführbar gerade diejenigen sind, die eigentlich nicht viel zu bieten haben."

Curt Diehm, Max Grundig Klinik: "Dieser Autor ist einfach eine coole Socke"

Medizinprofessor Curt Diehm(70) ist ärztlicher Direktor der Max Grundig Klinik, Bühlerhöhe, und Autor zahlreicher Bücher. Für sein ehrenamtliches medizinisches Engagement in etlichen Gremien und Gesellschaften erhielt er 2014 das Bundesverdienstkreuz.

Medizinprofessor Curt Diehm(70) ist ärztlicher Direktor der Max Grundig Klinik, Bühlerhöhe, und Autor zahlreicher Bücher. Für sein ehrenamtliches medizinisches Engagement in etlichen Gremien und Gesellschaften erhielt er 2014 das Bundesverdienstkreuz.

In unserer Bücherschau verraten Wirtschaftsgrößen, Wissenschaftler und andere interessante Persönlichkeiten, welche Lektüre für sie prägend war - und welche Bücher Sie weiterbringen können. In der nächsten Folge verrät Valerie Holsboer, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, ihr Lieblingsbuch. Wenn Sie mit dieser Liste fertig sind und immer noch Lektüre brauchen, gibt es Nachschub - hier lesen Sie, was Joe Kaeser, Wolfgang Schäuble und Co. bereits empfohlen haben. Und hier ist die exklusiv für manager magazin ermittelte Bestsellerliste der Wirtschaftsbücher.

Curt Diehm, Max Grundig Klinik: "Dieser Autor ist einfach eine coole Socke"

"Ich muss gestehen, als Mediziner komme ich leider nur wenig zum Bücherlesen. Ärzte müssen ihr Leben lang Fachliteratur büffeln und als Mitherausgeber von drei medizinischen Fachzeitschriften bin ich auch als Lektor beansprucht. Hinzu kommen zwei Sonntagszeitungen, die ich überfliege und selektiv lese sowie Tageszeitungen frühmorgens auf dem Tablet. Mehr als 6 bis 8 Bücher jährlich sind da nicht drin, um meiner Fachidiotie und allgemeinen Verdummung vorzubeugen.

Umso glücklicher war ich über das Buch "Kaffee und Zigaretten", das ich an zwei Tagen und teilweise auch den beiden Nächten ausgelesen und verinnerlicht habe. Inhalt sind kurze, meist autobiographisch Erzählungen. Fast egal, wo man anfängt oder aufhört, Ferdinand von Schirach fesselt als genialer Erzähler kurzer Episoden. Seine Notizen, Apercus und Feuilletons sind nie langweilig, nie belehrend, nie selbstinszenierend, nie selbstverliebt. Von Schirach schreibt mit einem sachlichen, fast kühlen Stil. "Cool" würde man heute sagen und "Kaffee und Zigaretten" ist dabei so autobiografisch wie nie zuvor.

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Schirach, Ferdinand von

Kaffee und Zigaretten

Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Seitenzahl: 192
Für 20,00 € kaufen
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Ich stalke von Schirach seit 2010 nach der Lektüre seines Buches "Schuld", höre Podcasts und schaue mir in Mediatheken Talkshows mit ihm an. Faszinierend für mich als Kliniker mit Mitverantwortung für psychisch kranke Patienten ist seine seit frühen Lebensphasen skeptische und depressive Grundhaltung. Schon als Internatsschüler im Schwarzwald lebte er ständig in trauriger Blues-Stimmung, damals schon ein grübelnder Melancholiker. Sein Vater stirbt, als Ferdinand 15 Jahre alt war. Dann ein, Gott sei Dank, missglückter Selbstmordversuch im Alkoholrausch auf elterlichem Grundstück. Sein Glück: Er hatte volltrunken vergessen, die Schrotflinte zu laden. So findet ihn der Gärtner am nächsten Morgen schlafend unter einem Baum.

Kritisch und distanziert, wütend und schamhaft zugleich ist seine Einstellung gegenüber seinem Großvater Baldur von Schirach, verantwortlich für die Deportation von so vielen Juden aus Wien.

Seine Herkunft ist für den Autor gleichsam Fluch und Segen. Einerseits erlebt von Schirach eine höchst unglückliche Jugend- und Familienzeit, andererseits hat ihn diese harte Zeit reifen lassen. Und letztlich weiß er auch die Privilegien seiner Herkunft zu schätzen. All das formte diesen Rechtsanwalt und Autor, der heute einfach eine coole Socke ist!"

Sigrid Nikutta, Berliner Verkehrsbetriebe: Fakten gegen Vorurteile

Sigrid Nikutta ist Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und steht als erste Frau an der Spitze des Unternehmens.

Sigrid Nikutta ist Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und steht als erste Frau an der Spitze des Unternehmens.

Foto: Rose Time Photography

"Vielleicht geht es Ihnen wie mir: ich lese jeden Tag Zeitungen, höre und sehe Nachrichten auf allen digitalen Wegen aus der ganzen Welt und habe darüber hinaus täglich eine Medienauswertung auf meinem Schreibtisch. Ja, ich halte mich, was das Geschehen in der Welt, in meiner Branche und meiner Stadt betrifft, für gut informiert. Ganz bestimmt lasse ich mir nicht so schnell das berühmte X für das noch viel berühmtere U vormachen.

Überzeugt, dass es ja ganz interessant sein kann, über die Irrtümer anderer Leute zu lesen, und dass meine Sicht auf die Welt schon ziemlich in Ordnung ist, wurde ich schon nach den ersten Seiten des Buchs "Factfulness" des schwedischen Professors Hans Rosling eines Besseren belehrt.

Alles beginnt quasi mit einem Multiple-Choice-Fragebogen. Deutlich wird das schon an einer einfachen Frage: Inwieweit hat sich in den letzten 20 Jahren der Anteil extrem armer Menschen verändert? Hat er sich a) fast verdoppelt, b) nicht verändert oder c) deutlich mehr als halbiert? Letzteres ist richtig. Aber spiegelt sich dieses auch in unserem allgemeinen Wissen wieder?

Es wird alles immer schlimmer, eine schreckliche Nachricht jagt die andere: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Es gibt immer mehr Kriege, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen. Wer hinterfragt eigentlich, ob das stimmt? Die Zahlen, Daten, Fakten sagen genau das Gegenteil. Dennoch würden wohl viele Menschen den "Alles wird immer schlimmer-Aussagen" zustimmen. Ich weiß, dass viele Menschen solche beängstigenden Bilder im Kopf haben. Dieser "Instinkt der Negativität", wie er im Buch genannt wird, beeinflusst sogar das Wahlverhalten - und ist - so legt der Autor eindrucksvoll nah - doch falsch.

In Zeiten von Fake News ist es erstaunlich wohltuend, wenn Hans Rosling die Systematik der Informationsaufarbeitung und -darstellung hinterfragt und die Fakten in den Vordergrund rückt. Ganz klar, an sehr prägnanten Beispielen, hinterlegten Statistiken und übrigens durchaus humorvoll und unterhaltend führt uns dieses Buch auf den Weg, die Welt ganz nüchtern so zu sehen, wie sie wirklich ist.

Und so steckt dieses kluge Buch voller Ratschläge, die helfen, nach den relevanten Zahlen zu fragen und sie einzuordnen. Gerade für Entscheidungen in Wirtschaft und Politik ist das unabdingbar.

Nicht, dass unsere Welt heute schon ein idealer Ort für alle Menschen wäre. Wir alle wissen, dass es immer noch Elend, Kriege, Verfolgung von Andersdenkenden und zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten gibt. Wer aber positive Trends ignoriert und an einer dramatischen Weltsicht festhält, verpasst Chancen und erstarrt in dem Standpunkt: Was soll man denn machen? Es wird doch eh alles immer schlimmer. Nein, die Fakten zeigen klar, dass es sich lohnt, in Bildung, Umweltschutz, Gesundheitsfürsorge und Solidarität mit anderen Menschen zu investieren.

Anhand statistischer Daten zeigt der Forscher in diesem Buch, dass es den Menschen insgesamt besser geht. Der Anteil, der in extremer Armut Lebenden hat sich weltweit mehr als halbiert, und 80 Prozent der einjährigen Kinder sind geimpft. In Ländern mit niedrigem Einkommen besuchen inzwischen 60 Prozent der Mädchen die Grundschule.

Übrigens beantworteten in Deutschland nur sechs Prozent der an der Umfrage Teilnehmenden diese Frage richtig. Die Mehrzahl der Befragten schätzt, dass es 20 Prozent sind.

Was am Ende bleibt: Die Qualität von Entscheidungen, nicht nur im Management sondern in allen Lebensbereichen, hängt entscheidende davon ab, welche Wahrnehmungs- und Erklärungsmechanismen wir für Informationen haben. Gerade die Fülle von Informationen führt schnell zu deren unreflektierter Internalisierung. Das Buch hat mich ein Stück weit erschüttert und wachgerüttelt!"

Tim Raue, Sternekoch: Ein wegweisendes Dinner

Der Spitzenkoch Tim Raue (45) wurde bereits mit etlichen Michelin-Sternen in verschiedenen Häusern dekoriert, sein Berliner "Restaurant Tim Raue" schaffte es bereits mehrfach in die Liste der "The World's 50 Best Restaurants". Er besitzt mehrere Restaurants in seiner Heimatstadt Berlin und ist weltweit an mehreren Gastro-Projekten beteiligt. Demnächst soll in Potsdam ein weiteres in Kooperation mit dem Entertainer Günter Jauch eröffnen.

Der Spitzenkoch Tim Raue (45) wurde bereits mit etlichen Michelin-Sternen in verschiedenen Häusern dekoriert, sein Berliner "Restaurant Tim Raue" schaffte es bereits mehrfach in die Liste der "The World's 50 Best Restaurants". Er besitzt mehrere Restaurants in seiner Heimatstadt Berlin und ist weltweit an mehreren Gastro-Projekten beteiligt. Demnächst soll in Potsdam ein weiteres in Kooperation mit dem Entertainer Günter Jauch eröffnen.

Foto: Silvia Conde für Krug Champagne

"Ich war 1995 in London, damals das Epizentrum der weltweiten Gastronomie. Nirgendwo wurde so viel Geld in neue und neuartige Restaurantkonzepte investiert und der Anführer der Kulinarik war mit dem 3-Sterne-Restaurant Oak Room jener Marco Pierre White, der schon als 27-jähriger mit der höchsten Auszeichnung des Guide Michelin geehrt wurde.

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White, Marco Pierre

White Heat 25: 25th anniversary edition

Verlag: Mitchell Beazley
Seitenzahl: 192
Für 24,99 € kaufen
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Das Dinner bei ihm war in vielerlei Weise wegweisend, denn der Umgang mit uns Gästen war blasiert und arrogant. Der ganze Tisch sollte dasselbe Menü essen, um es für Service und Küche einfacher zu machen, für die Gäste dementsprechend langweiliger, weil man sich nicht durch die ganze Speisekarte futtern konnte. Es waren sehr viele Eindrücke, die wir beschlossen, in einem zukünftigen eigenem Restaurant zu vermeiden.

Sein Kochbuch "White Heat", das man erwerben konnte, hat mich ebenfalls enorm geprägt. Es waren nicht die Rezepte und die Gerichte, die darin standen, sondern die Fotos, die in schwarz-weiß die Köche in der Küche bei der Arbeit zeigten. Die Spannung, der Stress und die Hektik waren dermaßen präsent, dass ich dachte, ich bin mit ihnen zusammen in dieser Küche.

Dazu gab es Zitate von Marco Pierre White, die sich wie ein stets wiederholendes Mantra in mein Gehirn gefräst haben. Sie mögen für Außenstehende brutal und rücksichtslos klingen ("wir haben unsere Hände nicht von Gott bekommen, um sie uns nicht zu verbrennen"); für mich war klar, dass ich ebenfalls mit diesem 100-prozentigen Fokus für den absoluten Erfolg kochen wollte.

Ich war damals 21 Jahre alt und nahm noch im gleichen Jahr die erste Stelle als stellvertretender Küchenchef an. Ich war für die folgenden 15 Jahre ein Getriebener des Erfolges und rannte rücksichtslos von Auszeichnung zu Auszeichnung. Das Buch blättere ich mehrmals im Jahr durch. Es steht in dem Regal, in dem meine wichtigsten Bücher stehen. War es mir früher ein Ansporn, so ist es in den letzten Jahren zum Fingerzeig geworden, respektvoller und liebenswürdiger mit mir und meiner Umwelt umzugehen."

Bettina Würth, Würth-Gruppe: Konflikt zwischen zwei großen Mächten

Tim Raue im Interview: "Immer neugierig bleiben, immer Schiss haben"

Bettina Würth (57) ist Vorsitzende des Stiftungsbeirats der Würth-Gruppe und damit oberste Kontrolleurin des Konzerns

Bettina Würth (57) ist Vorsitzende des Stiftungsbeirats der Würth-Gruppe und damit oberste Kontrolleurin des Konzerns

Foto: Wolfgang Uhlig

"Meine Empfehlung ist die Ibis-Trilogie von Amitav Ghosh. Die drei Bände "Das mohnrote Meer", "Der rauchblaue Fluss" und "Die Flut des Feuers" von 2008, 2011 und 2015 faszinieren, weil sie packend erzählen, wie sehr das Schicksal einzelner Menschen von der Verflechtung gesellschaftlicher Gegebenheiten und wirtschaftspolitischer Interessen abhängt. Dadurch sind die Romane, angesiedelt im frühen 19. Jahrhundert in Asien, aktueller denn je.

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Amitav Ghosh

Das mohnrote Meer: Roman (Ibis-Trilogie, Band 1)

Verlag: Heyne Verlag
Seitenzahl: 656
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In der Blütezeit des Opiumhandels zwischen dem britischen Empire und China kommt es zum Konflikt der beiden Mächte: Als das Kaiserreich gegen die Einfuhr der Droge vorgeht, schickt die britische Regierung 1839 Kriegsschiffe. Dieses Szenario, der Erste Opiumkrieg, bildet den historischen Kontext für Ghoshs Fiktion, die neben der geschichtlichen Komponente auch Elemente eines Gesellschafts- und Abenteuerromans enthält.

Mir persönlich gefällt, wie Ghosh die Schicksale, Träume und Ziele der Menschen in einer Zeit des Wandels portraitiert. Weder die Gesellschaft noch die Politik bot damals einen Halt bringenden Anker. In sinnbildlicher Weise kommt da das Element daher, das Ghoshs drei Werke verbindet: Das Schiff Ibis, der Namensgeber der Trilogie. Auf ihm findet sich ein Großteil der Protagonisten irgendwann im Laufe der Erzählung wieder.

Natürlich spielt auch das Thema Opium in allen drei Bänden eine zentrale Rolle, sei es, wenn es um dessen Produktion in Indien geht, um den Transport von dort nach China oder um den Handel mit dem Rauschmittel. Im Gegensatz zur Ibis ist das Opium den Menschen dieser Zeit jedoch weniger ein Hoffnungsträger als vielmehr ein Unheil, das zum Zündstoff eines internationalen Konflikts wird.

Ghoshs Werk ist unterhaltsam und lehrreich. Es zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, womit sich die Menschen in dieser frühen Phase der Globalisierung konfrontiert sahen. Sehr lesenswert!

Donata Hopfen, digitale Vordenkerin: Gut verdientes Geld für sich arbeiten lassen

Die digitale Vordenkerin Donata Hopfen (43) startete als Strategieberaterin bei Accenture und war im Anschluss 14 Jahr bei der Axel Springer SE tätig, zuletzt als Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung der BILD-Gruppe. Im Anschluss war sie CEO in der Gründungsphase des Identitäsdienstes VERIMI, bevor sie ab Juli Partnerin bei der Boston Consulting Group Digital Ventures wird. Donata Hopfen ist Mutter von dreijährigen Zwillingen.

Die digitale Vordenkerin Donata Hopfen (43) startete als Strategieberaterin bei Accenture und war im Anschluss 14 Jahr bei der Axel Springer SE tätig, zuletzt als Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung der BILD-Gruppe. Im Anschluss war sie CEO in der Gründungsphase des Identitäsdienstes VERIMI, bevor sie ab Juli Partnerin bei der Boston Consulting Group Digital Ventures wird. Donata Hopfen ist Mutter von dreijährigen Zwillingen.

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Kiyosaki, Robert T. T.

Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen

Verlag: FinanzBuch Verlag
Seitenzahl: 320
Für 14,99 € kaufen
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"Ich ahnte immer, dass ich zu viel Zeit damit verbringe zu arbeiten (um Geld zu verdienen) und zu wenig Zeit, das verdiente Geld dann für mich arbeiten zu lassen. Das geht glaube ich den meisten so. Jetzt habe ich mir die Zeit genommen und mich dem Thema gestellt. Das Buch "Rich Dad - Poor Dad", war dabei mein Startpunkt, Augenöffner und Begleiter.

Am Beispiel eines Jungen, der mit zwei unterschiedlichen Vaterfiguren aufwächst, zeigt Kiyosaki plakativ und eindrucksvoll, wie derjenige, der früh in Unternehmen und Immobilien investiert, um sein gut verdientes Geld für sich arbeiten zu lassen, viel früher unabhängig wird. Während derjenige, der nur fleißig arbeitet, Konsum über Investitionen stellt und dabei auf Gehalt und staatliche Absicherung setzt, die größten Potenziale liegen lässt und immer abhängig bleiben wird.

Anders als der Titel suggeriert, geht es weniger um die Frage 'arm oder reich', sondern vielmehr um das Spannungsfeld Arbeit, Zeit, Investitionen und Unternehmertum. Das Buch ist von 2014, hat allerdings vor dem Hintergrund der aktuellen Immobilien- und Enteignungsdiskussionen eine tagesaktuelle Relevanz. Rückblickend hätte ich diesen Impuls gerne schon früher bekommen und empfehle dieses Buch daher jedem von 16 Jahren aufwärts. "

Walter Sinn, Bain & Company Deutschland: Was im Leben wirklich wichtig ist

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Walter Sinn (54) verantwortet als Managing Partner die Aktivitäten des Beratungsunternehmens Bain & Company in Deutschland und ist Mitglied im Global Board of Directors. Seine berufliche Laufbahn hatte er bei der Deutschen Bank begonnen,

Walter Sinn (54) verantwortet als Managing Partner die Aktivitäten des Beratungsunternehmens Bain & Company in Deutschland und ist Mitglied im Global Board of Directors. Seine berufliche Laufbahn hatte er bei der Deutschen Bank begonnen,

Foto: Christof Mattes für manager-magazin.de
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Wells, Benedict

Vom Ende der Einsamkeit: Roman (detebe)

Verlag: Diogenes
Seitenzahl: 368
Für 13,00 € kaufen
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"Was ist uns im Leben wirklich wichtig? Wie lässt man los und wie bewahrt man? Wie so oft stellen wir uns diese Fragen in einer kritischen Situation, nach einem Schicksalsschlag. So auch Benedict Wells in seinem Roman "Vom Ende der Einsamkeit", ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und das mich wirklich beeindruckt hat.

Warum? Es geht um das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und was in einem Menschen unveränderlich ist. Wie fragil Lebenswege sind und wie oft man an entscheidenden Weggabelungen steht. Und es erzählt insbesondere auch von der großen Liebe, von kleinen und erwachsenen Kindern, von Frankreich und vom Fußball - alles Fixpunkte, die viel mit mir zu tun haben.

Jules, die Hauptfigur des Romans, lässt nach einem Motorradunfall 35 Jahre seines Lebens Revue passieren. Er wächst mit seinen beiden Geschwistern behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Ihre Wege driften auseinander, aber sie finden trotz sehr unterschiedlichen Charakteren immer wieder zusammen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch ihre Vergangenheit lässt sich nicht abstreifen.

Das Buch ist aber nicht nur eine traurige Familiensaga, sondern vor allem ein großer Roman über die Liebe und die Menschlichkeit. Immer der Frage nachgehend, wer der wahre Seelenverwandte ist, wie er zu finden und zu halten ist. Und auch das: Nicht jede Liebe hat auch ein Happy End. Wells schreibt unterhaltsam, einfühlsam und hat als jetzt 35jähriger Autor sieben Jahre lang an dem Buch gearbeitet. Ich empfehle das Buch jedem, der sich mal selbst beiseite nehmen möchte, um nachzudenken, was man festhalten soll und was im Leben wirklich wichtig ist."

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