Mittwoch, 23. Oktober 2019

Was Wirtschaftsgrößen und Wissenschaftler lesen Die Lieblingsbücher der Erfolgreichen

12. Teil: Bettina Würth, Würth-Gruppe: Konflikt zwischen zwei großen Mächten

Bettina Würth (57) ist Vorsitzende des Stiftungsbeirats der Würth-Gruppe und damit oberste Kontrolleurin des Konzerns
Wolfgang Uhlig
Bettina Würth (57) ist Vorsitzende des Stiftungsbeirats der Würth-Gruppe und damit oberste Kontrolleurin des Konzerns

"Meine Empfehlung ist die Ibis-Trilogie von Amitav Ghosh. Die drei Bände "Das mohnrote Meer", "Der rauchblaue Fluss" und "Die Flut des Feuers" von 2008, 2011 und 2015 faszinieren, weil sie packend erzählen, wie sehr das Schicksal einzelner Menschen von der Verflechtung gesellschaftlicher Gegebenheiten und wirtschaftspolitischer Interessen abhängt. Dadurch sind die Romane, angesiedelt im frühen 19. Jahrhundert in Asien, aktueller denn je.

Buchtipp

Amitav Ghosh
Das mohnrote Meer (Ibis-Trilogie, Band 1)

Heyne Verlag; 656 Seiten; 11,99 Euro

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In der Blütezeit des Opiumhandels zwischen dem britischen Empire und China kommt es zum Konflikt der beiden Mächte: Als das Kaiserreich gegen die Einfuhr der Droge vorgeht, schickt die britische Regierung 1839 Kriegsschiffe. Dieses Szenario, der Erste Opiumkrieg, bildet den historischen Kontext für Ghoshs Fiktion, die neben der geschichtlichen Komponente auch Elemente eines Gesellschafts- und Abenteuerromans enthält.

Mir persönlich gefällt, wie Ghosh die Schicksale, Träume und Ziele der Menschen in einer Zeit des Wandels portraitiert. Weder die Gesellschaft noch die Politik bot damals einen Halt bringenden Anker. In sinnbildlicher Weise kommt da das Element daher, das Ghoshs drei Werke verbindet: Das Schiff Ibis, der Namensgeber der Trilogie. Auf ihm findet sich ein Großteil der Protagonisten irgendwann im Laufe der Erzählung wieder.

Natürlich spielt auch das Thema Opium in allen drei Bänden eine zentrale Rolle, sei es, wenn es um dessen Produktion in Indien geht, um den Transport von dort nach China oder um den Handel mit dem Rauschmittel. Im Gegensatz zur Ibis ist das Opium den Menschen dieser Zeit jedoch weniger ein Hoffnungsträger als vielmehr ein Unheil, das zum Zündstoff eines internationalen Konflikts wird.

Ghoshs Werk ist unterhaltsam und lehrreich. Es zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, womit sich die Menschen in dieser frühen Phase der Globalisierung konfrontiert sahen. Sehr lesenswert!

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