Samstag, 19. Oktober 2019

Was Wirtschaftsgrößen und Wissenschaftler lesen Die Lieblingsbücher der Erfolgreichen

11. Teil: Tim Raue, Sternekoch: Ein wegweisendes Dinner

Der Spitzenkoch Tim Raue (45) wurde bereits mit etlichen Michelin-Sternen in verschiedenen Häusern dekoriert, sein Berliner "Restaurant Tim Raue" schaffte es bereits mehrfach in die Liste der "The World's 50 Best Restaurants". Er besitzt mehrere Restaurants in seiner Heimatstadt Berlin und ist weltweit an mehreren Gastro-Projekten beteiligt. Demnächst soll in Potsdam ein weiteres in Kooperation mit dem Entertainer Günter Jauch eröffnen.
Silvia Conde für Krug Champagne
Der Spitzenkoch Tim Raue (45) wurde bereits mit etlichen Michelin-Sternen in verschiedenen Häusern dekoriert, sein Berliner "Restaurant Tim Raue" schaffte es bereits mehrfach in die Liste der "The World's 50 Best Restaurants". Er besitzt mehrere Restaurants in seiner Heimatstadt Berlin und ist weltweit an mehreren Gastro-Projekten beteiligt. Demnächst soll in Potsdam ein weiteres in Kooperation mit dem Entertainer Günter Jauch eröffnen.

"Ich war 1995 in London, damals das Epizentrum der weltweiten Gastronomie. Nirgendwo wurde so viel Geld in neue und neuartige Restaurantkonzepte investiert und der Anführer der Kulinarik war mit dem 3-Sterne-Restaurant Oak Room jener Marco Pierre White, der schon als 27-jähriger mit der höchsten Auszeichnung des Guide Michelin geehrt wurde.

Buchtipp

Marco Pierre White
White Heat 25:
25th anniversary edition

Mitchell Beazley; 192 Seiten; 20,99 Euro

Buch kaufen




Das Dinner bei ihm war in vielerlei Weise wegweisend, denn der Umgang mit uns Gästen war blasiert und arrogant. Der ganze Tisch sollte dasselbe Menü essen, um es für Service und Küche einfacher zu machen, für die Gäste dementsprechend langweiliger, weil man sich nicht durch die ganze Speisekarte futtern konnte. Es waren sehr viele Eindrücke, die wir beschlossen, in einem zukünftigen eigenem Restaurant zu vermeiden.

Sein Kochbuch "White Heat", das man erwerben konnte, hat mich ebenfalls enorm geprägt. Es waren nicht die Rezepte und die Gerichte, die darin standen, sondern die Fotos, die in schwarz-weiß die Köche in der Küche bei der Arbeit zeigten. Die Spannung, der Stress und die Hektik waren dermaßen präsent, dass ich dachte, ich bin mit ihnen zusammen in dieser Küche.

Dazu gab es Zitate von Marco Pierre White, die sich wie ein stets wiederholendes Mantra in mein Gehirn gefräst haben. Sie mögen für Außenstehende brutal und rücksichtslos klingen ("wir haben unsere Hände nicht von Gott bekommen, um sie uns nicht zu verbrennen"); für mich war klar, dass ich ebenfalls mit diesem 100-prozentigen Fokus für den absoluten Erfolg kochen wollte.

Ich war damals 21 Jahre alt und nahm noch im gleichen Jahr die erste Stelle als stellvertretender Küchenchef an. Ich war für die folgenden 15 Jahre ein Getriebener des Erfolges und rannte rücksichtslos von Auszeichnung zu Auszeichnung. Das Buch blättere ich mehrmals im Jahr durch. Es steht in dem Regal, in dem meine wichtigsten Bücher stehen. War es mir früher ein Ansporn, so ist es in den letzten Jahren zum Fingerzeig geworden, respektvoller und liebenswürdiger mit mir und meiner Umwelt umzugehen."

Tim Raue im Interview: "Immer neugierig bleiben, immer Schiss haben"

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung