Plädoyer im Strafprozess "Boris Becker ist hoffnungslos mit Geld"

Im Londoner Strafprozess gegen Boris Becker hat sein Anwalt die Geschworenen aufgefordert, die besonderen Umstände des Ex-Tennisstars zu berücksichtigen. "Dieser Mann ist hoffnungslos mit Geld", sagte Anwalt Jonathan Laidlaw in seinen Schlussworten vor Gericht.
Ex-Tennisstar Boris Becker hat nie gewusst, wie viele Konten er besitzt

Ex-Tennisstar Boris Becker hat nie gewusst, wie viele Konten er besitzt

Foto: Peter Kneffel / dpa

"Ich kann mir niemanden vorstellen, der ein Leben wie er geführt hat", sagte Verteidiger Jonathan Laidlaw am Dienstag in seinen Schlussworten vor Gericht. Es sei ein ungewöhnliches Leben. Wenn er oder die Geschworenen angäben, keine Kenntnis von Konten oder Immobilien zu haben, würde dieser Aussage sicher nicht geglaubt, sagte Laidlaw. Bei Becker aber sei dies anders: "Seine Umstände wären anders als unsere."

Die Anklage sieht als erwiesen an, dass Becker seinem Insolvenzverwalter mehrere Wertgegenstände wie Immobilien, Konten und wichtige Trophäen verschwiegen hat. Der 54-Jährige weist dies zurück

Im Falle eines Schuldspruchs könnten ihm theoretisch bis zu sieben Jahre Haft drohen. Becker wurde am Dienstag außer von seiner Lebensgefährtin Lilian De Carvalho Monteiro auch von seinem Sohn Noah begleitet.

"Manchmal zu vertrauensselig"

Laidlaw wies darauf hin, dass Becker als 17-Jähriger erstmals das wichtige Tennisturnier in Wimbledon gewann und dass dieser Erfolg ihn auf einen Schlag ins Rampenlicht katapultierte. "Dieser Sieg von 1985 hat sein Leben verändert." Die plötzliche Bekanntheit und das neue Vermögen hätten allerlei Berater angezogen, sagte Laidlaw. Er sagte über Becker: "Manchmal mag er zu vertrauensselig gewesen sein oder zu abhängig von diesem Rat." Der Sportler sei oft zu beschäftigt gewesen, manchmal auch zu faul, um sich um finanzielle Fragen zu kümmern. "Dieser Mann ist hoffnungslos mit Geld."

Becker habe den Eindruck, dass er besser hätte beraten werden können, sagte Laidlaw. Es sei aber kein Verbrechen, nicht auf Rat zu hören oder schlecht beraten zu werden.

Der Anwalt wollte seine Ausführungen am Dienstag fortsetzen. Anschließend beraten die Geschworenen in allen 24 Anklagepunkten über einen Schuldspruch. Wie lange dies dauert, ist völlig offen. Das Strafmaß wird schließlich von der Richterin festgesetzt.

la/dpa