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Familienunternehmer: Kern der Unternehmungen von Arend Oetker ist die Marmeladenfabrik in Bad Schwartau
Familienunternehmer: Kern der Unternehmungen von Arend Oetker ist die Marmeladenfabrik in Bad Schwartau
Foto: Lena Giovanazzi für manager magazin

Familienunternehmer Was macht der Marmeladenkönig Arend Oetker?

Der Spross der Bielefelder Backpulverdynastie baute um die Marmeladenfabrik in Bad Schwartau einen Mischkonzern mit Milliardenumsatz. Heute regelt er sein Unternehmererbe – und träumt vom Studieren.

Auf die Frage, was er denn gern mal machen würde, antwortet Arend Oetker (82) mit einer Pause. Der Unternehmer sitzt in seinem Büro in einer klassizistischen Villa in Berlin-Grunewald, eingerahmt von Arbeiten von Künstlern wie Wolfgang Tillmans oder Rosemarie Trockel. Dann: "Ich würde gern Philosophie studieren." Kürzlich hat er Marcel Prousts Monumentalwerk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" als Hörbuch genossen, insgesamt 156 Stunden. Das hat ihn inspiriert.

Egal ob Wirtschaft, Politik, Kultur oder Wissenschaft – seit mehr als einem halben Jahrhundert mischt Oetker mit, oft in entscheidender Rolle. Seine Mutter ließ sich vom Backpulverkonglomerat Dr. Oetker mit einigen Firmen auszahlen – Arend Oetker machte daraus einen Mischkonzern mit Milliardenumsatz. Den Kern der Aussteuer, die Marmeladenfabrik in Bad Schwartau, besitzt seine Familie noch immer. Zweimal im Jahr fährt Oetker hin: zur Weihnachtsfeier und zum Empfang der Pensionäre.

Lieblingsplatz: Mittendrin fühlt sich Arend Oetker (3. v. r.) immer am wohlsten. Hier rahmt er 1999 mit dem damaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel (r.) Kanzler Gerhard Schröder ein. Auch bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik oder dem Stifterverband war Oetker jahrzehntelang engagiert.

Lieblingsplatz: Mittendrin fühlt sich Arend Oetker (3. v. r.) immer am wohlsten. Hier rahmt er 1999 mit dem damaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel (r.) Kanzler Gerhard Schröder ein. Auch bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik oder dem Stifterverband war Oetker jahrzehntelang engagiert.

Foto: dpa / picture alliance

Die meisten Anteile an seiner Holding, zu der auch Pakete an einer Ostsee-Fährlinie, dem SDax-Konzern KWS Saat und dem Bildungskonzern Cognos gehören, hat er auf seine fünf Kinder überschrieben. Bis Jahresende soll das Erbe geregelt sein. Seine Ältesten Marie Theres Schnell (45), Johanna (42) und Leopold (38) Oetker versehen bereits Aufsichtsratsposten. Er selbst tut auch noch mit, aber aus der zweiten Reihe: "Meine Kinder harmonieren untereinander sehr gut – das ist ein großes Verdienst meiner Frau."

Die Verwandtschaft in Bielefeld hingegen zoffte sich fast 15 Jahre lang um die Macht im Familienkonzern. Im Sommer beschlossen die acht Erben eine Realteilung.  Cousin Arend hatte ihnen das schon nach dem Tod von Patriarch Rudolf-August Oetker 2007 nahegelegt – vergeblich.

Doch Oetker blickt ungern zurück. Wie er den Stahlkonzern seines Schwiegervaters Otto Wolff von Amerongen (1918 bis 2007) sanierte? Oder mit Ex-Managern von Adidas de facto die Fußball-Champions-League erfand? Seine "größten Erfolge" nennt er das, aber: Alles lange her.

Lieber schaut er nach vorn, etwa auf die neue Bundesregierung: "Die muss dafür sorgen, dass mehr investiert wird, von Staat und Privaten, sonst fällt Deutschland global immer weiter zurück." Spricht's und strebt zurück zum Schreibtisch. Viel zu tun.

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