Trennungen "All das fördert die Scheidungsbereitschaft"

Scheidung ist für viele Manager der Preis für die Karriere. Der Abschied vom Partner kann zudem sehr teuer werden. Familienrechtsanwältin Margarete Fabricius-Brand erklärt, was beide Partner beachten sollten.
Scheiden tut weh - emotional und finanziell: Auch im deutschen Top-Management dreht sich das Liebeskarussell

Scheiden tut weh - emotional und finanziell: Auch im deutschen Top-Management dreht sich das Liebeskarussell

Foto: Corbis

mm: Frau Fabricius-Brand, im deutschen Topmanagement dreht sich das Liebeskarussell. Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann ist in zweiter Ehe mit einem Topmodel verheiratet, Telekom-Boss René Obermann liebt Fernseh-Moderatorin Maybrit Illner. Bringt der Sprung an die Konzernspitze nahezu zwangsläufig das Auswechseln der privaten Gefährtin mit sich?

Fabricius-Brand: Viele Ehen von Führungskräften halten ein Leben lang, auch im Topmanagement. Aber anders als früher riskieren Manager heute nicht mehr die Karriere, wenn sie sich zum Scheitern ihrer Ehe bekennen. Die neue Partnerin wird gesellschaftlich akzeptiert. Zudem birgt eine Scheidung für Gutverdiener in aller Regel nicht das Risiko des finanziellen Ruins. Das neue Unterhaltsrecht entbindet die Männer von lebenslangen Zahlungen an die Ex-Gattin. All das fördert die Scheidungsbereitschaft.

mm: Also gehen Scheidungen im Management in der Regel von den Männern aus?

Fabricius-Brand: Es strebt immer derjenige die Scheidung an, der diesen Schritt leichter über sich bringt. Wenn der Mann eine neue Partnerin gefunden hat, wird die Initiative zur Scheidung von ihm ausgehen. Ich erlebe Manager allerdings keineswegs als Menschen, die leichtfertig von einer Frau zur anderen wandern.

mm: Sondern?

Fabricius-Brand: Die meisten hängen intensiv an Frau und Kindern. Sie sind im Job oft geradezu isoliert und benötigen dringend die wärmende Nähe ihrer Familie. Wird sie verweigert wird, weil die Familie die Arbeitsbedingungen des Mannes nicht toleriert, sind Manager manchmal wirklich ganz einsame, arme Kerle. Da haben die Frauen sehr viel Macht.

"Du hast keine Zeit für uns - das ist ein Totschlagargument"

mm: Der Lieblingsvorwurf der Ehefrau lautet: Du hast keine Zeit für uns.

Fabricius-Brand: Das ist zwar richtig, in aller Regel aber eine unfaire Kritik, denn der Erfolgreiche kann seine Arbeitsbedingungen kaum ändern. Manche Frauen schätzen den Wohlstand, den ihre Männer ihnen ermöglichen, blenden aber den Preis für dieses sorglose Leben völlig aus. Der Zeitvorwurf ist ein Totschlagargument. Wobei ich nicht sagen will, dass Männer nicht auch sehr gerne mit Abwesenheit glänzen, wenn es ihnen zu Hause mit Frau und Kindern zu anstrengend wird.

mm: Sind scheidungswillige Manager einfache Mandanten, was die Zusammenarbeit mit dem Anwalt angeht?

Fabricius-Brand: Überwiegend ja, weil sie sehr sachorientiert und effizienzgesteuert denken und ihre Scheidung wie einen "Case" behandeln, der eben gelöst werden muss, und zwar möglichst schnell. Das Problem ist dann meist, dass die Ehefrau wiederum nicht mitmacht. Ihre Ehe soll nicht so "abgewickelt" werden wie ein Betrieb, der ineffizient ist. Auch vernünftige Vorschläge werden dann oft nicht angenommen. Es gibt aber auch Männer, die nur schwer einsehen, dass sie vor Gericht mit ihrer Macht und ihrem Geld nichts ausrichten können.

mm: Wie meinen Sie das?

Fabricius-Brand: Manche Manager glauben, das Gericht hätte sich bei der Terminvergabe nach ihrem Kalender zu richten, was das Wohlwollen der Richter nicht unbedingt vergrößert. Oder sie überschütten ihre Kinder mit Geschenken in der Hoffnung, sie so auf ihre Seite zu bringen. Oder sie bieten Geld an, wo es eigentlich darum ginge, Kränkungen aus der Welt zu schaffen. Nehmen Sie eine Manager-Gattin, die sich chronisch vernachlässigt gefühlt hat, bitter geworden ist und nun im Rahmen der Scheidung mit ein paar Millionen abgefunden wird. Meinen Sie, die spricht den Kindern gegenüber später respektvoll von deren Vater? Wohl kaum.

mm: Aber das gilt doch wohl für fast jede Scheidung - das Unglück und die Unzufriedenheit, die zur Trennung geführt haben, bleiben im Raum.

Fabricius-Brand: Aus meiner Sicht sollte eine alle Seiten befriedender Abschluss durchaus auch das Ziel eines Scheidungsverfahrens sein.

mm: Wie erreicht man das?

Fabricius-Brand: Zum Beispiel durch eine die anwaltliche Beratung ergänzende Mediation oder durch eine außergerichtliche Einigung. Dann schließen beide Seiten freiwillig und auf Augenhöhe einen nachgelagerten Ehevertrag, die so genannte Scheidungsfolgenvereinbarung.

Wie eine Scheidung nur noch zur Formsache wird

mm: Die eigentliche Scheidung am Amtsgericht ist dann nur noch Formsache?

Fabricius-Brand: Richtig. Wenn Paare ihre gesamte Scheidung vor Gericht austragen, wird es länger, teurer und mit Sicherheit viel schmerzhafter. Denn vor Gericht wird nur über die justiziablen Ansprüche entschieden. Das führt zwar zu juristisch richtigen Entscheidungen. Dennoch können diese den wirklichen Interessen der Eheleute zuwiderlaufen. Es wäre zum Beispiel besser, die Frau bekommt das eheliche Haus und die gute Altersversorgung, der Ehemann behält das restliche Vermögen, das er erfolgreich anlegen kann oder die gute Altersversorgung wird nicht "zerhackt", bleibt komplett bei einem Ehepartner und der andere bekommt das Barvermögen. Hier muss gestaltet werden. Vor Gericht bekommt man Recht aber keine Gerechtigkeit. Außerdem werden vor Gericht die zu Grunde liegenden Konflikte nicht berücksichtigt. Dafür ist das justizielle Verfahren nicht da. Ein Teil hat dann schnell das Gefühl, eine Niederlage erlitten zu haben. Oft gibt es aber auch zwei Verlierer.

mm: Sorgen denn die Normen des Scheidungsrechts nicht wenigstens für eine halbwegs gerechte Lösung?

Fabricius-Brand: Darum bemühen sich die am juristischen Verfahren Beteiligten. Aber ehrlicherweise muss man feststellen, dass die familienrechtlichen Gesetze recht "flüchtig" sind, Zeitgeist und politische Zufallskonstellationen regieren mit hinein. Nehmen Sie das Unterhaltsrecht. Bis zur großen Reform im Jahre 2008 konnten geschiedene Frauen davon ausgehen, lebenslang bzw. etliche Jahre Unterhalt zu beziehen um sich relativ frei von finanziellen Sorgen der Kindererziehung zu widmen.

mm: Und heute?

Fabricius-Brand: Mittlerweile werden Frauen ab dem dritten Geburtstag des Kindes zur Erwerbstätigkeit verpflichtet, unter Umständen sogar Vollzeit. Andererseits kann kein Gericht einen Vater zum Umgang mit seinem Kind verpflichten, damit die Mutter nach dem Job wenigstens mal etwas Zeit für sich hat. Ist das nun gerecht? Aber auch die Männer stellen im Verlauf der Auseinandersetzung manchmal fest, dass ihnen Unrecht widerfährt.

mm: Ein Beispiel.

Fabricius-Brand: Manche Manager machen von vornherein sehr großzügige finanzielle Zugeständnisse, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Sie überweisen ihren Frauen jeden Monat etliche Tausend Euro Unterhalt. Wenn sie dann feststellen, dass das juristisch gar nicht nötig gewesen wäre, kommt "Reue" auf und vielleicht auch Wut auf die Partnerin, die ihn unter Druck gesetzt hat. Und schon ist die Atmosphäre vergiftet.

mm: Wir stellen also fest: Manager sollten im Trennungsfall besser nichts überstürzen, sondern ruhiges Blut bewahren und sich gut beraten lassen?

Fabricius-Brand: Auf jeden Fall. Und man sollte die Fähigkeit bewahren, auch die Position der anderen Beteiligten zu sehen. Vor allem auch wegen der Kinder, über die sich das Manager-Ehepaar auch später immer wieder begegnen wird. Im Kampf wird aufgerüstet und es werden Verlierer produziert.

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