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Zahi Hawass: Der Archäologe, der Berlin das Fürchten lehrte

Foto: AMR NABIL/ ASSOCIATED PRESS

Ägyptens Minister Zahi Hawass entmachtet Das Ende von Indiana Jones

Ägyptens Altertumsminister Zahi Hawass ist entmachtet. Dreimal stand der gut behütete Popstar unter den Archäologen, der auch die Nofretete aus Berlin zurückholen wollte, wieder auf. Nun scheint er endgültig gefallen.
Von Andrea Jeska

Kairo - Der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf hat im Rahmen einer Kabinettsumbildung mehrere Minister entlassen. Darunter auch Zahi Hawass, den schillernden und schon lange umstrittenen Minister für Altertümer.

Mit der Entmachtung von Hawass beugte sich der Regierungschef den Forderungen der Demonstranten, Mitglieder des Mubarak-Regimes aus der Übergangsregierung zu entfernen. Damit verschwindet auch eine der umstrittensten und zugleich schillerndsten Figuren von der politischen Bühne Ägyptens.

Nachfolger von Hawass soll Abdulfattah al-Banna werden. Diese Entscheidung führte am Montag zu einem Aufschrei in ägyptischen Archäologenkreisen. Beamte drohten mit Streik und Rücktritt. Es sei eine Beleidigung für sie, unter einem so schlecht qualifizierten Minister zu arbeiten, sagten sie ägyptischen Medien.

Dr. Zahi Hawass liebte es, sich mit Indiana Jones vergleichen zu lassen. An Journalisten ließ er Fotos verteilen, die ihm mit breitkrempigen Hut oder am Seil baumelnd zeigen. Stets betonte er, er sei viel lieber Archäologe als Politiker, allein die Pflicht, seinem Vaterland zu dienen, hielte ihn im Amt.

Popstar unter den Archäologen: Mal Komiker, mal Choleriker

Hawass galt als Popstar unter den Archäologen. Mal Komiker, mal Choleriker, sprach er stets mit zu lauter Stimme. Er hatte ein schmutziges Grinsen, viele Feinde und einen Hang zu medienwirksamen Auftritten. Hemdsärmlig und breitkrempig behütet, überstand er die Revolution, die Plünderung des Ägyptischen Museums in Kairo, die er erst zwei Wochen später eingestand, seine vorübergehende Entmachtung nach der Revolution und schließlich eine Verurteilung zu Zwangsarbeit wegen einer Pachtvertragsaffäre.

Diese erfolgte bereits im April, doch weil das Urteil noch nicht rechtskräftig war, blieb Hawass im Amt und twitterte und flickerte seine Großartigkeit in die Welt hinaus. 18.500 Fans hatte er auf facebook, die er täglich mit Geschichten seiner selbst versorgte.

Rückendeckung erhielt Hawass von ausländischen Archäologen und Fans des ägyptischen Altertums. Er hält zahlreiche Ehrendoktorwürden. Besonders nach der Plünderung des ägyptischen Museums trumpfte er mit Spendengeldern auf, die er von Unternehmen und Privatleuten bekam. Zudem hat er archäologische Bücher geschrieben, entdeckte das Tal der Golden Mumien sowie die Gräber der Pyramidenbauer.

Hawass wollte Nofretete aus Berlin zurückholen

Mit seinen Forderungen an Deutschland, die im Neuen Museum in Berlin ausgestellte Büste der Nofrete zurückzugeben, hat Hawass auch in Nordeuropa Schlagzeilen gemacht. Noch Anfang Juni polterte er gegen die Arroganz der deutschen Archäologen und kündigte an, demnächst Dokumente zu präsentieren, die die Unrechtmäßigkeit des Nofretete-Besitzes beweisen.

Bedenken um die Sicherheit der Büste wies er zurück. Hawass Zukunftsprojekt nämlich sollte das Große Ägyptische Museum werden, welches sich bei den Pyramiden im Bau befindet und in welchem er die Nofrete gut aufgehoben sah. Hawass schlug sogar vor, die dortigen Wachen zu bewaffnen.

Was nun, nach seiner Entmachtung, aus der seit 2009 andauernden Suche nach dem Grab des antiken Liebespaars Kleopatra und Marcus Antonius wird, ist unklar. Hawass behauptete jüngst, er sei an der Entdeckung nahe dran.

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