Börsen-Zittern "Der dümmste Grund, Aktien zu kaufen, sind steigende Kurse"

Von Arne Gottschalck
Sorgen statt Lachfalten: Griechenland und China verunsichern Investoren - und lassen die Kurse rutschen

Sorgen statt Lachfalten: Griechenland und China verunsichern Investoren - und lassen die Kurse rutschen

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Kurseinbruch in China, Zittern um Griechenland, Kurseinbruch im Dax  : Der deutsche Leitindex hat seinen Schwung verloren und verlor in dieser Woche mehr als drei Prozent an Wert - je stärker die Kurse fallen, desto mehr steigt die Nervosität.

Der Altmeister der Geldanlage, Warren Buffett, lässt sich von dem Auf und Ab der Kurse jedoch kaum beeinflussen. Eines von Buffetts berühmtesten Bonmots lautet: "Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, sind steigende Kurse." Und das bedeutet: Gerade jetzt lohnt es sich, zumindest grundsätzlich über Geld und Geldanlagen nachzudenken. Dafür liefert eine aktuelle Studie einige Anregungen.

Das milliardenschwere Fondshaus Schroders hat die Stimmung der Anleger auf den Prüfstand gestellt. Der Befund: Weltweit sind die Anleger derzeit grundsätzlich positiv gestimmt. Trotz des drohenden "Grexit", des Austritts der Griechen aus der Eurozone, vor dem in dieser Woche auch IWF-Chefin Christine Lagarde warnte.

Neun von zehn Investoren gehen laut Schroders davon aus, mit ihren Investments auf Jahressicht im Plus zu liegen. Optimismus ist keine schlechte Voraussetzung für den Börsenerfolg, gerade bei den notorisch aktienskeptischen Deutschen. Doch zu einer gewissen Zuversicht müssen noch weitere Eigenschaften treten, wenn man an der Börse Erfolg haben will.

Zehn Prozent Rendite: Wer so viel erwartet, muss hohe Risiken eingehen

Denn auf dem Nährboden der Zuversicht keimt auch die Hybris. Neun Prozent Rendite erwarten Deutschlands Investoren vom eingesetzten Kapital - und sind damit gar nicht mal besonders euphorisch. Der europäische Erwartungsschnitt liegt sogar noch höher, bei stolzen zehn Prozent. Das ist zu hoch gegriffen, dazu müssen Risiken eingegangen werden, sagt Achim Küssner, Sprecher der Schroders-Geschäftsführung.

Geldanlage hat immer etwas damit zu tun, in die Zukunft zu schauen - und bewusst Risiken einzugehen. Nobelpreisträger Robert Shiller zum Beispiel sagte im Gespräch mit manager magazin, griechische Aktien könnten eine chancenreiche Anlage sein. Weil sie derzeit keiner haben will und sie entsprechend billig sind. Ausreichend politische Rückendeckung und ausreichend Zeit vorausgesetzt, könnte die Investment-Idee womöglich aufgehen. Doch man sollte auf gar keinen Fall all sein Geld auf so eine riskante Karte setzen, warnt Shiller - das heißt: Kein Investment eingehen, ohne auch das Risiko im Blick zu haben. Und auch die Alternativen, wie Rainer Schnabel von Raiffeisen Capital Management sagt.

Faktor Zeit: Deutsche Investoren sind zu ungeduldig

Ein weiterer zentraler Faktor bei der Geldanlage: Zeit. Über die Hälfte der deutschen Investoren streicht Gewinne lieber binnen einem oder zwei Jahren ein, so die Studie von Schroders. Das Kurzfristdenken macht es schwierig, in beispielsweise Aktien oder Aktienfonds zu investieren, die in der Regel ein paar Jahre brauchen, um unter dem Strich positive Erträge abzuliefern.

Abgesehen davon, dass es mit so kurzfristigen Investments nicht möglich ist, die erträumte Rendite von neun Prozent zu erzielen. Und auch weitere Fragen muss sich der Investor stellen: Was ist das Ziel der Anlage? Wann muss eine bestimmte Summe zur Verfügung stehen? Welcher Teil eines Vermögens kann riskant investiert werden?

Der richtige Zeitpunkt zum Einstieg - wann ist ein Index günstig?

Schritt drei ist im Vergleich zu Schritt eins und zwei einfach, zumindest in der Theorie. Denn Anlegen heißt nicht nur darüber nachzudenken, sondern die Gedanken in die Tat umzusetzen.

Auch da gibt die Schroders-Studie eine Anregung. Immerhin die Hälfte der Befragten will in den kommenden zwölf Monaten zur Tat schreiten und Geld investieren. Doch dem Entschluss folgt in der Regel nicht viel, zwischen abstrakter Erkenntnis und konkretem Handeln liegt die Welt der Psychologie: Gedanken wie "die Kurse könnten fallen, dann steige ich später günstiger ein" sorgen dafür, dass ein Anleger in spe seine Geldanlage immer weiter in die Zukunft verschiebt.

So vernünftig es ist, für einen Einstieg auf eine schwache Börsenphase zu warten: Auch hier hilft es, einen konkreten Dax-Punktestand zu definieren, der als Einstiegsmöglichkeit gesehen wird. Das kann ein Punktestand von 11.000 oder 10.000 oder noch darunter sein - nur sollten Taten folgen, wenn der Einstiegspunkt erreicht wird. Sonst bleibt der Aktienkauf abstrakt.

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