Börse Dax dreht klar ins Plus, Tesla-Aktie knickt ein

Schaukelbörse: Der Dax dreht am Nachmittag deutlich ins Plus. In den USA geben die Anlegerlieblinge Tesla und Nvidia deutlich nach. Auch Aktien des Impfstoffherstellers Biontech verlieren zweistellig.
Elon Musk: Ärger mit der Solarsparte von Tesla

Elon Musk: Ärger mit der Solarsparte von Tesla

Foto: AFP

Nach zwei schwachen Wochen mit kräftigen Kursschwankungen haben neue Nachrichten zur Corona-Variante Omikron am Montag nun wieder für etwas mehr Zuversicht am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Zwar ist die Datenlage zu Omikron nach wie vor dünn, doch die gesundheitlichen Auswirkungen bei Infizierten in Südafrika scheinen geringer als befürchtet zu sein. Der Dax  schloss nach einigem Auf und Ab bei Handelsschluss des Xetra-Handels (17.30 Uhr) mit einem kräftigen Plus von 1,4 Prozent bei 15 380 Punkten. Seit dem Auftauchen der Variante Omikron präsentiert sich der deutsche Leitindex schwankungsanfällig in einer Spanne zwischen rund 15 000 und 15 500 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gewann zum Wochenstart 0,8 Prozent auf 33 996 Punkte. Auch europaweit und in den USA wurden deutliche Gewinne verzeichnet.

Dax

Für Zuversicht sorgten Aussagen von Gesundheitsbehörden in Südafrika und den USA, wonach mit der Corona-Variante Omikron keine schweren Krankheitsverläufe verbunden werden. "Die Verluste der letzten Woche werden in dieser Woche wahrscheinlich wieder aufgeholt, wenn die Leute sehen, dass Omikron nicht so tödlich ist wie frühere Mutationen und die Europäische Zentralbank an ihrer vorübergehenden Inflationslinie festhält", sagte Stuart Cole, Ökonom des Brokerhauses Equiti Capital.

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Sorgen bereitet Anlegern aber weiterhin die Erwartung, dass die Fed - gezwungen durch die gestiegene Inflation - ihre in der Coronakrise zur Konjunkturstützung aufgelegten Anleihenkäufe schneller zurückfahren dürfte als erwartet. Zusätzlich auf die Stimmung drückte am Wochenende eine Warnung des Immobilienriesen Evergrande vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten. Der Konzern steckt seit Monaten in der Krise und gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Es muss Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger bezahlen zu können. Der Konzern ist so groß, dass einige Experten eine Ansteckungsgefahr für Chinas Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

Deutsche Bank Aktie gefragt

Unter den Favoriten im Dax gewannen Deutsche Bank gut zwei Prozent. JPMorgan stufte die Anteile von "Neutral" auf "Overweight" hoch. Der Konzern habe die 2019 vorgestellte Umbaustrategie unter dem aktuellen Management konsequent umgesetzt, schrieb Analyst Kian Abouhossein. Die Erträge stabilisierten sich und - noch wichtiger - der Kostenplan trage Früchte.

Die Papiere von Delivery Hero weiteten am Dax-Ende ihre jüngsten Verluste um 5,4 Prozent aus. Der Essenslieferant scheiterte vorerst auch bei einem zweiten Übernahmeversuch des Konkurrenten The Chefz in Saudi-Arabien an den Wettbewerbshütern. Die Nachrichtenlage bleibt schlecht für Delivery Hero, nachdem erst am Freitag Diskussionen über möglicherweise steigende Löhne für Fahrer belastet hatten. Auch andere "Stay at Home"-Aktien wie jene des Kochboxenversenders Hellofresh und des Online-Modehändlers Zalando gaben am Montag um zweieinhalb beziehungsweise 1,3 Prozent nach. Beim Laborzulieferer Sartorius nahmen die Anleger weitere Gewinne mit, die Titel verloren knapp zweieinhalb Prozent.

Bitcoin bleibt unter Druck

Nach dem Kurssturz in der Nacht zum Samstag bleibt die weltweit wichtigste Kryptowährung Bitcoin am Montag unter Druck. Zuletzt verlor die Cyberdevise rund 3 Prozent und notierte auf der Handelsplattform Bitstamp  bei 47.500 US-Dollar. Seit dem Rekordhoch Anfang November bei 68.000 US-Dollar hat der Bitcoin mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt.

Bitcoin

Am frühen Samstag war der Kurs der größten und bekanntesten Digitalwährung in weniger als einer Stunde um rund ein Fünftel auf knapp 43.000 Dollar eingebrochen, bevor er sich wieder leicht erholte. Ether, nach dem Bitcoin die zweitgrößte Digitalwährung, zeigte einen ähnlichen Kursverlauf.

USA: Dow Jones erholt, Nvidia und Tesla mit deutlichen Verlusten

Die abnehmende Furcht vor den Folgen der Corona-Variante Omikron hat US-Anleger zum Wochenstart zuversichtlicher gestimmt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg am Montag 1,3 Prozent auf 35.020 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 zog 0,4 Prozent auf 4555 Zähler an. Dagegen notierte der Index der Technologiebörse Nasdaq zuletzt kaum verändert.

Nvidia-Aktien brachen rund sieben Prozent ein, nachdem die EU-Kartellbehörden die Untersuchung der geplanten Übernahme des britischen Chip-Entwicklers Arm vorübergehend auf Eis gelegt haben. Zunächst sollten weitere Informationen eingereicht werden. Auch die Aktien der Konkurrenten Qualcomm und Advanced Micro Devices gaben zum Handelsauftakt nach.

Aus den Depots der Anleger flogen auch die Papiere von Tesla , die rund fünf Prozent abrutschten. Den Elektroautobauer setzte eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters unter Druck, demzufolge die US-Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung eingeleitet hat. Die Behörde reagierte demnach auf einen Tipp, wonach Tesla in seiner Solarsparte jahrelang seine Aktionäre und die Öffentlichkeit nicht ordnungsgemäß über Feuergefahr bei defekten Photovoltaikanlagen informiert habe. Die Aktien von Elektroauto-Start-ups wie Canoo, Faraday Future und Fisker gerieten ebenfalls unter Druck.

Nasdaq

Biontech-Aktie verliert zweistellig

Am Markt wurde auf hoffnungsvollere Nachrichten aus Südafrika verwiesen, wonach die gesundheitlichen Auswirkungen der neu entdeckten Variante geringer als befürchtet sein sollen. Auch wenn die Datenlage weiter als dünn gilt, hieß es am Markt, dass die Variante etwas ihren Schrecken verliere. Wie es Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect beschrieb, führte dies Anleger von der "New in die Old Economy".

Massiv stieg zum Beispiel das Interesse am Reisesektor, wie deutliche Kursgewinne bei den großen US-Fluggesellschaften zeigten. Allen voran zogen im US-Handel die Aktien von American Airlines , United Airlines und Delta Air Lines an mit Kurssprüngen zwischen 8,0 und 9,4 Prozent. Außerdem zogen die Titel des Reisebuchungs-Portalbetreibers Booking Holdings um 7,3 Prozent an. Die Titel der Hotelkette Marriott stiegen um 4,9 Prozent und jene der Kreuzfahrtanbieter Carnival sowie Royal Caribbean um bis zu neun Prozent. Von der Airline-Rally wurde auch der Flugzeugbauer Boeing mit einem Anstieg um 3,3 Prozent begünstigt.

Umgekehrt sank das Interesse an Impfstoffaktien rapide, wie Rücksetzer um 16,7 und 14,2 Prozent bei Biontech oder Moderna zeigten. Die beiden Pioniere mit ihrer mRNA-Technologie prüfen derzeit die Wirksamkeit ihrer Vakzine gegen die Variante. Sollte die Variante nur milde Symptome entwickeln, könnte der Bedarf für schnelle Nachimpfungen weniger dringlich werden, hieß es am Markt

Asien-Börsen mit Verlusten

In Asien sind die Anleger wegen der Omikron-Variante weiter nervös. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index  lag im Verlauf 0,4 Prozent tiefer bei 27.922 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,4 Prozent und lag bei 1949 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,4 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,6 Prozent.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind am Montag mit deutlichen Aufschlägen in die neue Handelswoche gestartet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent  kostete am Morgen 71,53 US-Dollar. Das waren 1,65 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate  (WTI) stieg um 1,68 Dollar auf 67,94 Dollar.

Brent

Marktteilnehmer begründeten die Preisaufschläge zum einen mit Nachrichten aus Saudi-Arabien. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco erhöhte die Verkaufspreise für seine asiatischen Kunden und sendete damit ein Signal der Zuversicht für die künftige Rohölnachfrage. In der vergangenen Woche hatte sich der Ölverbund Opec+ ähnlich zuversichtlich gezeigt, indem er seinem Kurs treu blieb und sein Angebot im Januar weiter ausweiten will.

Für Zuversicht am Markt sorgte auch die neue Studie aus Südafrika zur neuen Corona-Variante Omikron. Die gesundheitlichen Auswirkungen könnten demnach weniger drastisch sein als bisher befürchtet. Die Viruslage ist ein entscheidender Einflussfaktor für die globale Energienachfrage und daher mitentscheidend für die Entwicklung der Erdölpreise.

Mit Nachrichtenagenturen
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