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Zuversicht trotz Krise Wie man in Krisenlagen Mut gewinnt

Erst die Pandemie, jetzt der Krieg in der Ukraine: Angst beherrscht inzwischen das Leben vieler Menschen. Hier beschreiben ein Extremsportler, ein Millionenerbe und einige Spitzenmanager, wie sie in Notsituationen zur Zuversicht zurückfinden.
Von Elisabeth Schönert
aus manager magazin 4/2022
Sebastian Steudtner gehört zu den waghalsigsten Big-Wave-Surfern der Welt. Was allerdings auch bedeutet: Er muss regelmäßig um sein Leben fürchten.

Sebastian Steudtner gehört zu den waghalsigsten Big-Wave-Surfern der Welt. Was allerdings auch bedeutet: Er muss regelmäßig um sein Leben fürchten.

Foto: Pablo Garcia

Sebastian Steudtner steht endlich wieder auf seinem Surfbrett, monatelang hatte er wegen eines Fußbruchs pausieren müssen. Heute will er raus aufs Meer. Monsterwellen sind es, die der Atlantik hier in Nazaré, 120 Kilometer nördlich von Lissabon, aufs Land wirft. Wenn es draußen auf dem Meer stürmt, sind es die größten Wellen der Welt. Der 36-jährige Deutsche ist Big-Wave-Surfer, stürzt sich mit 80 Stundenkilometern 25 Meter hohe Wasserberge hinab. Macht er einen Fehler, verschluckt ihn das Meer minutenlang. Angst steht immer mit auf dem Board. "Stürzt du, verlierst du komplett die Orientierung, fällst durch Lufttaschen, wirst durchgeschleudert wie ein Tennisball in der Waschmaschine. Es zieht dich hinab, und du weißt nicht, wann und wo die Welle dich wieder ausspuckt. Vor allem aber weißt du nicht, ob die nächste Welle ganz nah dran ist und wieder über dir zusammenbricht. Das ist das Angsteinflößende hier in Nazaré." Er kann sich nie sicher sein, ob er überlebt.

Ein Mann, ein Board: Der Surfer Sebastian Steudtner (in der Mitte, kaum zu erkennen) vor Nazaré

Ein Mann, ein Board: Der Surfer Sebastian Steudtner (in der Mitte, kaum zu erkennen) vor Nazaré

Foto: Miguel Sacramento

In solchen Extremsituationen reagiere er erst einmal gar nicht, bis die Macht des Meeres nachlässt. Alles andere sei verschwendete Energie.

Monsterwelle folgt auf Monsterwelle, auf die Pandemie folgt Russlands Krieg mit Bomben und Raketen in Europa. Angst ist zum Dauerzustand geworden, Mut und Zuversicht, sonst der Lieblingszustand der Topleute in der Wirtschaft, wird ein rares Gut.

Der Kölner Zuckerhersteller Pfeifer & Langen (knapp 900 Millionen Euro Umsatz) ist eigentlich ein sehr verschwiegenes Unternehmen. Jetzt aber sorgt sich das Management um die Leute seines ukrainischen Joint Ventures in den Werken Radechiw, Tschortkiw, Sbarasch, Kosowa und Chorostkiw – und immerhin die Kommunikationschefin ist bereit zu reden. "Wir können derzeit nichts machen, das ist das Schwierige, es ist einfach furchtbar", sagt Britta Schumacher. Die Lage sei so unübersichtlich, verändere sich permanent, dass es unmöglich sei, sie überhaupt einschätzen zu können.

Das Management ist nicht handlungsfähig – wie Steudtner unter der Welle. "Man kann nur von Tag zu Tag schauen, bis wir in ein paar Tagen hoffentlich koordiniert vorgehen können", sagt Schumacher, als Ende Februar Putins Panzer in die Ukraine eindringen.

Angst, sagt Rainer Mausfeld (72), emeritierter Psychologieprofessor der Universität Kiel und Autor des Bestsellers "Angst und Macht", könne die richtige Lösung sein, weil sich "unser gesamtes psychisches System und der gesamte Organismus in den Dienst der Bewältigung der Angst auslösenden Ursache" stelle. Maximale Konzentration, maximale Leistung. Nur: Wie lange hält man das aus, und wie schafft man es, dass sich wieder Mut einstellt?

Die Angstskala ist breit und äußerst subjektiv, Mausfeld definiert sie als akutes Gefühl von der Unberechenbarkeit der persönlichen Zukunft. Existenz- oder Flugängste, Versagensangst oder Spinnenphobie, Angst vor Outing, vor wütenden Mitarbeitern, vorm Chef, davor, eine Innovation zu verpassen oder vom Kulturwandel abgehängt zu werden. Der Mensch nimmt es schwer, wenn sich so vieles so schnell ändert.

Es hat sich, wie es sich für eine Marktwirtschaft gehört, inzwischen ein Dienstleistungssystem gebildet: Psychologen, Coaches, Ärzte und Klinikunternehmer, Berater aller Sorten.

Aber können sie wirklich helfen?

I. Verlustangst oder die Rolle der Familie

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