Zur Ausgabe
Artikel 32 / 44
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Heute ein König: Brian Armstrong gründete 2012 die Plattform Coinbase
Heute ein König: Brian Armstrong gründete 2012 die Plattform Coinbase
Foto:

Winni Wintermeyer / Redux / laif

Buchtipp "Kings of Crypto" Brian Armstrong, Coinbase und die Krypto-Gang

Als Coinbase-Mitgründer wurde Brian Armstrong zum größten Bitcoin-Profiteur. US-Reporter Jeff John Roberts erzählt die wilde Story des ersten Königs der Kryptowährungen und seiner Entourage.
Von Christian Schütte aus manager magazin 7/2021

Du verstehst nicht, was läuft, wenn du nicht verstehst, was vorher war" – so erklärte Apple-Gründer Steve Jobs sein obsessives Interesse an den Pionieren des Silicon Valley. "Kings of Crypto" ist die Insidergeschichte der Pioniere, die mit Bitcoins und Blockchain-Technologie an einer neuen Finanzwelt bauen. "Fortune"-Reporter Jeff John Roberts erzählt die wilde Fahrt der Nerds um Brian Armstrong (38), dessen Firma Coinbase heute die führende US-Kryptowährungsbörse ist.

Anzeige
Roberts, Jeff John

Kings of Crypto: One Startup's Quest to Take Cryptocurrency Out of Silicon Valley and Onto Wall Street

Verlag: Harvard Business Review Press
Seitenzahl: 256
Für 26,82 € kaufen

Preisabfragezeitpunkt

30.11.2022 18.17 Uhr

Keine Gewähr

Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Armstrongs Idee war 2012 so schlicht wie visionär: Bitcoin ist ein Privatgeld mit Zukunft – aber nur, wenn auch Laien problemlos einsteigen können. Coinbase soll die Plattform dafür werden, einfach und seriös, der "Weiße Ritter" im digitalen Dschungel der verrückten Techies, Zocker und Gangster. Die Kämpfe und Psychodramen auf dem Weg von der Bude zum Milliardengeschäft hat Roberts tief recherchiert und prägnant aufgeschrieben. Er vermittelt die Faszination der neuen Branche, ohne ihrem missionarischen Hype zu verfallen.

Die wichtigste Dynamik ist die zwischen Anarchorebellen und Finanzestablishment, zwischen der T-Shirt-Kultur des Valley und der Anzugkultur der Wall Street. Dass sich beide zusehends annähern, lässt in Sachen Fintech noch viel erwarten. 2019 war Armstrong erstmals zu Gast bei Jamie Dimon (65), dem Chef der größten US-Bank JPMorgan Chase. Das Buch endet 2020, der Coinbase-Börsengang vom April, die jüngsten Bitcoin-Kapriolen und die Krypto-Clownerei Elon Musks sind also nicht enthalten. Macht aber nichts, hier bei uns geht die Geschichte weiter. 

Mehr über den Coinbase-Aufstieg

Coinbase-CEO Brian Armstrong hat seine ersten Startup-Erfahrungen als Softwareentwickler bei Airbnb gesammelt. Die Kryptobörse gründete er 2012, gemeinsam mit Fred Ehrsam, der einen Job als Goldman-Sachs-Trader in New York aufgegeben hatte, um in Kalifornien neu anzufangen. Das neue Konzept des Bitcoin, eines völlig dezentral und staatsfrei organisierten Digitalgelds, euphorisierte damals die Tech-Szene. Zwischen 2011 und 2013 stieg der Kurs von unter zehn auf zeitweise über 1000 Dollar.

Coinbase vereinfachte den Zugang, indem Bitcoins auch über ein Konto bei der Plattform gehalten werden konnten, statt nur direkt, in einer persönlichen Digital-Brieftasche ("Wallet"). Die Bitcoin-Puristen geißelten das damals als Verrat am heiligen Prinzip der Dezentralität. Wenn der Eigentümer nicht selbst den Schlüssel seines Kryptogelds habe, entstehe ein mächtiger Intermediär und der unabhängige Zugriff sei in Gefahr ("Not your keys – not your coins!").

Coinbase hat heute über 56 Millionen Nutzer, auf der Plattform können verschiedene Kryptowährungen gehandelt werden. Das Unternehmen wurde nach seinem IPO im Frühjahr zeitweise mit 100 Milliarden Dollar bewertet. Größter Rivale ist die Plattform Binance, die von dem Chinesen Changpeng Zhao ("CZ") gegründet wurde. Sie galt zuletzt als die nach Handelsvolumen größte Kryptobörse der Welt, steht aber in vielen wichtigen Ländern im Visier der Aufsichtsbehörden. Der US-Konkurrent Kraken hat seinen Börsengang für 2022 angekündigt.

Der Manager Armstrong

Brian Armstrong galt lange als extrem menschenscheu, ja geradezu autistisch. Er formuliert seine Positionen am liebsten schriftlich. Die Rolle des lauten Antreibers bei Coinbase übernahm sein Co-Gründer Fred Ehrsam, der das Unternehmen 2017 verließ, aber noch immer Anteile hat und im Board sitzt.

Inzwischen ist Armstrong eine der wichtigen Stimmen der US-Tech-Branche. Nach dem IPO im April tourte er gleich mehrere Tage durch Washington DC, um bei führenden Parlamentariern und Regierungsmitgliedern für eine krypto-freundliche Politik zu werben. Aus den gesellschaftlichen Kontroversen, die Amerikas Wirtschaft aufwühlen, hält er sich ganz explizit heraus: Armstrong hat seinen Mitarbeitern 2020 ausdrücklich eine "apolitische Kultur" verordnet.

Schlagzeilen machte er zuletzt auch mit einer anderen Entscheidung: Die Coinbase-Zentrale in San Francisco wird zum normalen Standort abgestuft. Weder formal noch faktisch soll das Unternehmen künftig ein Headquarter haben.

Mehr über den Buchautor

Jeff John Roberts hat Jura studiert und als Anwalt gearbeitet, wechselte dann aber in den Journalismus. Er ist Tech-Reporter beim Magazin "Fortune" und hat auch für andere bekannte US-Blätter geschrieben. Der Krypto-Szene begegnete er erstmals im Juli 2013, bei einem Event am New Yorker Union Square.

Mehr über ...

Coinbase-CEO Brian Armstrong hat seine ersten Start-up-Erfahrungen als Softwareentwickler bei Airbnb gesammelt. Die Kryptobörse gründete er 2012, gemeinsam mit Fred Ehrsam, der einen Job als Goldman-Sachs-Trader in New York aufgegeben hatte, um in Kalifornien neu anzufangen. Das neue Konzept von Bitcoin, eines völlig dezentral und staatsfrei organisierten Digitalgelds, euphorisierte damals die Tech-Szene. Zwischen 2011 und 2013 stieg der Kurs  von unter zehn auf zeitweise über 1000 US-Dollar.

Coinbase vereinfachte den Zugang, indem Bitcoins auch über ein Konto bei der Plattform gehalten werden konnten, statt nur direkt, in einer persönlichen Digitalbrieftasche ("Wallet"). Die Bitcoin-Puristen geißelten das damals als Verrat am heiligen Prinzip der Dezentralität. Wenn der Eigentümer nicht selbst den Schlüssel seines Kryptogelds habe, entstehe ein mächtiger Intermediär und der unabhängige Zugriff sei in Gefahr ("Not your keys – not your coins!").

Coinbase hat heute über 56 Millionen Nutzer, auf der Plattform können verschiedene Kryptowährungen gehandelt werden. Das Unternehmen wurde nach seinem Börsengang im Frühjahr zeitweise mit 100 Milliarden US-Dollar bewertet. Größter Rivale ist die Plattform Binance, die von dem Chinesen Changpeng Zhao ("CZ") gegründet wurde. Sie gilt inzwischen als die nach Handelsvolumen größte Kryptobörse der Welt. Der US-Konkurrent Kraken hat seinen Börsengang für 2022 angekündigt.

Zur Ausgabe
Artikel 32 / 44
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.