XXL-Fernseher So weit das Auge reicht

Der Traum vom großen Fernsehbild im Wohnzimmer kann schon ab 1500 Euro Wirklichkeit werden - aber auch leicht das Zehnfache kosten. Fünf Technologien buhlen auf der IFA um Aufmerksamkeit bei allen, die ihre alte Röhre gegen großes Kino-Feeling tauschen möchten. manager-magazin.de präsentiert eine Produktschau.
Von Christian Buchholz

Hamburg/Berlin - Wenn man den PS-63P3H auf den Boden legen würde und eine Matratze darüber, könnte bequem ein Jugendlicher darauf schlafen. Wahrscheinlich würde er aber lieber fernsehen.

Denn das Samsung-Modell ist der größte auf dem deutschen Markt erhältliche Flimmerkasten - er bietet eine Bildschirmdiagonale von 160 Zentimetern und kostet 25.000 Euro.

Der koreanische Hersteller Samsung , wohl wissend, dass der Durchschnittsbürger in den Industrienationen nur unwesentlich mehr Zeit im Bett denn vor dem Fernseher verbringt, stellt auf der IFA schon den Nachfolger des Plasma-TVs mit noch einmal 15 Zentimetern mehr Diagonale (70 Zoll) vor. Konkurrent LG Electronics zeigt auf seinem Messestand sogar ein Modell, das mit 71 Zoll die Rekordmarke der näheren Zukunft markiert.

"Das Limit markiert die Wohnzimmerwand"

Beide Giganten-TV's sollen im Frühjahr auf den Markt kommen - doch der Wettlauf um den größten Bildschirm dürfte damit noch längst nicht beendet sein - die Kundschaft giert oder träumt zumindest von noch mehr Fläche zum Fernsehen.

"Das Limit markiert die Wohnzimmerwand", sagt Handelsexperte Joachim Dünkelmann gegenüber manager-magazin.de - damit liegt die Latte auf einer Höhe von 2,50 Meter. Vorausgesetzt, das Sofa steht etwa fünf Meter entfernt, denn dicht am Riesenschirm sitzend ist das Sehvergnügen deutlich geschmälert.

Sharp LC-37HV4E: 94 cm/ 8.999 Euro

Sharp LC-37HV4E: 94 cm/ 8.999 Euro

Philips 50 PF 9965 127 cm Bilddiagonale, Plasma / Antireflex-Beschichtung / Full Dual Screen mit 2 Tunern / Easy Text mit 1200 Seitenspeicher / Gewicht : 46 kg

Philips 50 PF 9965 127 cm Bilddiagonale, Plasma / Antireflex-Beschichtung / Full Dual Screen mit 2 Tunern / Easy Text mit 1200 Seitenspeicher / Gewicht : 46 kg

BeoVision 5 von Bang+Olufsen:104 cm Bilddiagonale / Plasma Flatscreen/Anti-Reflexbeschichtung 20.395 Euro

BeoVision 5 von Bang+Olufsen:104 cm Bilddiagonale / Plasma Flatscreen/Anti-Reflexbeschichtung 20.395 Euro

Samsung PS-63P3H: 160cm/ Bildschirmdiagonale/ 2 integrierte/ Fernsehtuner/ Euro-Multisystem/ Auflösung 1366x768 (Breitbild XGA)/ Helligkeitswert 700cd/m²/ Kontrastrate 1200:1/ Virtual Dolby Surround Sound/ PC-Anschlüsse (DVI-I und D-Sub)

Samsung PS-63P3H: 160cm/ Bildschirmdiagonale/ 2 integrierte/ Fernsehtuner/ Euro-Multisystem/ Auflösung 1366x768 (Breitbild XGA)/ Helligkeitswert 700cd/m²/ Kontrastrate 1200:1/ Virtual Dolby Surround Sound/ PC-Anschlüsse (DVI-I und D-Sub)

Articos 55 von Loewe:140cm/ Rückprojektion mit Digital-Light-Processing (DLP)/ In Kooperation mit Carl Zeiss und Texas Instruments entwickelt / ca. 7000 Euro

Articos 55 von Loewe:140cm/ Rückprojektion mit Digital-Light-Processing (DLP)/ In Kooperation mit Carl Zeiss und Texas Instruments entwickelt / ca. 7000 Euro

Tharus 110 von Grundig:110 cm/Plasma Flat Screen/ ca. 5300 Euro

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Sony Network Media Receivers Realität

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Kabeloser LCD-TV: Sharp Aquos Mobile

Kabeloser LCD-TV: Sharp Aquos Mobile

TFT-Flachbildschirm mit 1600 mal 1200 Pixeln - TV-Empfangsteil nicht enthalten: Samsungs SyncMaster 213T, 16,7 Millionen Farben bei 21 Zoll Diagonale / 0,27 Millimeter Pixelabstand / 25 Millisekunden Bildaufbauzeit / 170 Grad horizontaler und vertikaler Einblickwinkel

TFT-Flachbildschirm mit 1600 mal 1200 Pixeln - TV-Empfangsteil nicht enthalten: Samsungs SyncMaster 213T, 16,7 Millionen Farben bei 21 Zoll Diagonale / 0,27 Millimeter Pixelabstand / 25 Millisekunden Bildaufbauzeit / 170 Grad horizontaler und vertikaler Einblickwinkel


Parade der großen Bilder-Spender
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Dünkelmann ist stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels und hält "schon in naher Zukunft weitaus größere Bildschirme für möglich". Auch Winni Sczersputowski, Sprecher der Samsung-PR-Agentur "Die Matrix", ist sicher, dass das Rennen um Größe "weiterhin eine rasante Entwicklung nehmen wird".

Warum Hersteller von der Plasma-Technologie abrücken

So hätte es vor einem Jahr noch geheißen, bei LCD-Monitoren sei die Maximalgröße bei 30 Zoll erreicht, darüber hinaus könnten keine vernünftigen Preise mehr kalkuliert werden. Ein Irrtum, auf der IFA sind jetzt Geräte mit 54 Zoll Diagonale vertreten.

"Mittelfristig gehört der LCD-Technologie die Zukunft", sagt Sczersputowski gegenüber manager-magazin.de. Denn die Geräte glänzten bei vergleichbarer Bildqualität im Vergleich zur Plasma-Technik mit geringerem Gewicht und Stromverbrauch.

Plasma-Fernseher, die im Vergleich wesentlich mehr Hitze entwickeln, seien den LCD's in Sachen Lebensdauer aber ebenbürtig. Andere Fachleute sprechen allerdings von einer technologisch bedingten schnelleren Alterung der Plasma-Monitore. Hersteller Sharp hat bereits angekündigt, keine weiteren Plasma-Modelle mehr zu entwickeln.

Kaufinteressenten sollten sich nicht nur von Superlativen locken lassen. Die Produktbreite auf dem Fernsehmarkt ist derzeit so umfangreich wie nie zuvor - und keine der konkurrierenden Technologien kann momentan den Rest in allen Kategorien ausstechen.

Fünf Technologien in der XXL-Klasse

Fünf Technologien in der XXL-TV-Klasse

  • Röhre: Sehr gute Bildqualität, ausgereifte Technik, unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Nachteil: Gerätetiefe, keine Modelle in der XXL-Kategorie, bei etwa 80 Zentimeter Bildschirmdiagonale ist Schluss.


  • Rückprojektion: Die - nach der Röhre - preiswertesten TV-Arbeiter kommen ohne technisch aufwändige Mattscheiben-Technik und ohne Röhre aus: Lichtstrahlen werden mit Mikrospiegeln auf den Monitor projiziert. Modelle ab etwa einem Meter Bilddiagonale gibt es schon für rund 1500 Euro. Philips arbeitete als einer der ersten Anbieter mit LCOS-Panels (LCOS = Liquid Crystal on Silicon): Chips, die das Fernsehbild auf eine große Projektionsfläche abstrahlen können. Konkurrent Texas Instruments  nutzt eine mikromechanische Lösung für die Rückprojektion. Dabei werden winzige Spiegel - für jeden Bildpunkt (Pixel) einer - mechanisch bewegt und so das Licht reflektiert. Nachteil: Volumen immer noch größer als bei LCD- und Plasma-Varianten. Die Bildqualität ist aber absolut ebenbürtig.


  • Plasma: Zwischen zwei Glasplatten befinden sich mit einer Leuchtschicht umgebene, winzige Kammern, in denen Edelgas eingeschlossen ist. Je nachdem, mit welcher Stromstärke die Kammern angesteuert werden, leuchtet die Phosporschicht in verschiedenen Farben. Nachteile: hohe Hitzeentwicklung, hoher Stromverbrauch.


  • LCD/TFT: LCD- (Liquid Crystal Display) und der verwandten TFT-Technologie (Thin Film Transistor) gehört die Zukunft auf dem Fernsehmarkt. Mit geringerem Stromverbrauch als bei Plasma-Modellen werden drei Gruppen von Dünnfilm-Transistoren zum Leuchten gebracht - in Rot, Gelb oder Blau. Nachteile: Hoher Preis, Entwicklung insbesondere bei den XXL-Formaten noch nicht ausgereizt.


  • Beamer: In grober Auflösung gibt es Beamer bereits ab 1500 Euro. Sie funktionieren optisch nach dem Modell eines Diaprojektors - mit mehr Digitaltechnik und Lichtleistung. Das an die Wand oder eine Leinwand geworfene Bild reagiert aber besonders empfindlich auf das Umgebungslicht. Vor dem Kauf sollten Geräuschkulisse und Hitzeentwicklung einem Praxistest unterzogen werden.

Digi-Cam-Schnappschuss im Plakatformat

Den Digi-Cam-Schnappschuss im Plakatformat bestaunen

Mit den flachen LCD-Fernsehern, 2001 von den Kunden ob der exorbitant hohen Preise noch gemieden, wurden im ersten Halbjahr 2003 bereits 49 Millionen Euro ausgegeben - allein in Deutschland. Während der Umsatz hier um 360 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kletterte, erreichten Plasma-TV-Geräte ein Plus von 220 Prozent auf 82 Millionen Euro.

Philips-Sprecher Klaus Petri geht davon aus, dass die Stückzahl sich von etwa 250.000 verkauften LCD- und Plasma-Modellen in 2002 in diesem Jahr noch versechsfachen könnten: "Es gibt eine dramatische Entwicklung."

Entscheidend für den Bildgenuss vor einem Mammut-TV ist die Auflösung, sprich: Aus wie vielen Punkten setzt sich das Bild zusammen? Die Hersteller bieten technisch an, dass etwa eine Million Pünktchen pro Bildfläche angesteuert werden können - leider kommen dafür in Deutschland aber nicht genügend Signale durch die Antennenleitung.

Der veraltete PAL-Standard, mit dem der Datenstrom der Bilder in die Fernseher versandt wird, ist längst vom hoch auflösenden System HDTV (High Definition Television) überholt - allein die Lobby für die Einführung von HDTV scheint in Europa noch nicht mächtig genug. Immerhin: Wer ein TV-Gerät mit hoher Auflösung besitzt, kann zumindest beim Abspielen von DVD's die hohe Bildschärfe, die die Silberscheiben bieten, genießen.

Auch mit einer leistungsfähigen Digitalkamera aufgenommene Fotos oder Filme können auf den neuen Big-TV's gezeigt werden. Dabei präsentieren die Hersteller unterschiedliche Methoden - von der Verstöpselung des Geräts mit dem PC bis zum schlichten Austausch eines Speicherchips von der Kamera zum Steckschacht am Fernseher reichen die (leider) zahlreichen Varianten.

Sharp LC-37HV4E: 94 cm/ 8.999 Euro

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Philips 50 PF 9965 127 cm Bilddiagonale, Plasma / Antireflex-Beschichtung / Full Dual Screen mit 2 Tunern / Easy Text mit 1200 Seitenspeicher / Gewicht : 46 kg

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BeoVision 5 von Bang+Olufsen:104 cm Bilddiagonale/ Plasma Flatscreen/Anti-Reflexbeschichtung 20.395 Euro

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Samsung PS-63P3H: 160cm/ Bildschirmdiagonale/ 2 integrierte/ Fernsehtuner/ Euro-Multisystem/ Auflösung 1366x768 (Breitbild XGA)/ Helligkeitswert 700cd/m²/ Kontrastrate 1200:1/ Virtual Dolby Surround Sound/ PC-Anschlüsse (DVI-I und D-Sub)

Samsung PS-63P3H: 160cm/ Bildschirmdiagonale/ 2 integrierte/ Fernsehtuner/ Euro-Multisystem/ Auflösung 1366x768 (Breitbild XGA)/ Helligkeitswert 700cd/m²/ Kontrastrate 1200:1/ Virtual Dolby Surround Sound/ PC-Anschlüsse (DVI-I und D-Sub)

Articos 55 von Loewe:140cm/ Rückprojektion mit Digital-Light-Processing (DLP)/ In Kooperation mit Carl Zeiss und Texas Instruments entwickelt / ca. 7000 Euro

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Tharus 110 von Grundig:110 cm/Plasma Flat Screen/ ca. 5300 Euro

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Sony Network Media Receivers Realität

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Kabeloser LCD-TV: Sharp Aquos Mobile

Kabeloser LCD-TV: Sharp Aquos Mobile

TFT-Flachbildschirm mit 1600 mal 1200 Pixeln - TV-Empfangsteil nicht enthalten: Samsungs SyncMaster 213T, 16,7 Millionen Farben bei 21 Zoll Diagonale / 0,27 Millimeter Pixelabstand / 25 Millisekunden Bildaufbauzeit / 170 Grad horizontaler und vertikaler Einblickwinkel

TFT-Flachbildschirm mit 1600 mal 1200 Pixeln - TV-Empfangsteil nicht enthalten: Samsungs SyncMaster 213T, 16,7 Millionen Farben bei 21 Zoll Diagonale / 0,27 Millimeter Pixelabstand / 25 Millisekunden Bildaufbauzeit / 170 Grad horizontaler und vertikaler Einblickwinkel


Parade der großen Bilder-Spender
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Last, not least bieten viele Hersteller auf der IFA Fernseher mit eingebauten Festplatten an, die bis zu vier Tage TV-Programm ohne Qualitätsverlust aufzeichnen können. Mit diesen Festplattenvideorekordern kann Fernsehen vom frustrierenden "Zapping" zum Eintauchen in ein individuell zusammengestelltes Sortiment von Tier-, Sport- oder Spielfilmen werden. Bisher aber registrieren Marktbeobachter, dass sich die Fernsehgewohnheiten der Deutschen - und damit die Nachfrage - noch nicht so weit entwickelt haben.

Kaufkriterium Bedienerführung

Entscheidendes Kaufkriterium: Bedienerführung

Überhaupt, mit vielen neuen Funktionen, die TV-Geräte der aktuellen Generation bieten, können die Kunden schnell überfordert sein. Intelligente Benutzerführung statt Überfrachtung wird hier zum kaufentscheidenden Credo. Gerhard Schaas, Technikchef von Loewe  in Kronach, zieht daraus folgende Konsequenz für die Entwicklung von Bedienungsdesigns für Fernseher: "Neue Funktionen, wie etwa ein Internetzugang, dürfen gar nicht besonders auffallen. Sie sind einfach da."

So, wie der Henkel am Aquos Mobile von Sharp . Für 1800 Euro bietet sich der kleine Fernseher als Zweitmodell für den TV-Besitzer an. So kann der Besitzer eines Riesenfernsehers einen Riesennachteil seines Hauptgeräts ausgleichen: das Gewicht. Die großen Modelle lassen sich nur unter Hexenschuss-Gefahr bewegen, die Zentnermarke überschreiten einige.

Der Aquos Mobile (LC-15 L1) dagegen präsentiert Fernsehen zum Mitnehmen. Immerhin drei Stunden hält der Akku des Leichtgewichts (1,8 Kilogramm) - jedenfalls wenn die Sparschaltung aktiviert ist, die die Leuchtkraft des Displays reduziert. Die Signale erhält der pfiffige Henkel-Watchman drahtlos und über eine Strecke von bis zu 300 Metern von einem Sender, der im Haus in der Antennenbuchse steckt.

Ein Konkurrenzmodell mit allerdings kleinerem Bildschirm (6,8 Zoll) präsentiert TechniSat auf der IFA. Anfang nächsten Jahres soll das Modell DigiPal LCD für 499 Euro auf den Markt kommen. Das empfängt die Programme über einen DVB-T-Empfänger. Eine Funktechnik, die in Deutschland bisher lediglich in Berlin verfügbar ist, sich auf Jahressicht aber weiter ausbreiten soll.

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