Sonntag, 21. Juli 2019

Virtuelle Sportwagen Die heißesten Flitzer aus dem Pixel-Fuhrpark

Rasender Spaß: Virtuelle Rennwagen
TMN

Staus und teurer Sprit sorgen dafür, dass es auf den Straßen immer langsamer vorangeht. Nur auf den Spielkonsolen wird weiter gerast. Die Autohersteller mischen in der virtuellen Welt munter mit und schicken ihre schärfsten Sportwagen ins Rennen.

Tokio/Stuttgart - Flach, breit, stark und für nichts anderes als zum Rasen gemacht - eigentlich ist der Mercedes Vision Gran Turismo so etwas wie der Blech gewordene Alptraum aller Umweltschützer. Doch dieser Silberpfeil verbrennt keinen Tropfen Sprit: Er ist nicht viel mehr als ein Datensatz, der allein für die virtuelle Raserei auf einer Spielkonsole programmiert wurde. Und damit steht der Vision GT nicht alleine da: Immer mehr Autohersteller entwerfen für Playstation und Co. eigene Rennwagen.

Was in den Anfangsjahren der Autorennspiele mit der simplen Überführung aktueller Fahrzeuge aus der realen in die virtuelle Welt begann, ist längst zu einem eigenen Entwicklungszweig geworden. Denn neben Serienmodellen, Oldtimern und Rennwagen stehen in den Fuhrparks der PC- und Konsolenspiele mittlerweile zahlreiche Autos, die allein für die elektronische Raserei entworfen wurden.

Treiber dieser Entwicklung ist Kazunori Yamauchi, der Vater der "Gran-Turismo"-Spieleserie, die laut Hersteller Sony mit 50 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Videospielen zählt. "Schon als Kind waren für mich die Konzeptfahrzeuge auf den Automessen immer die spannendsten Ausstellungsstücke: fantastische Geschenke, die eine leuchtende Zukunft versprachen", sagt Yamauchi.

Weil dieses Gefühl bis heute gleich sei, habe er seinen Einfluss geltend gemacht und die PS-Branche zum 15. Geburtstag der Gran-Turismo-Serie um eine Reihe eigens für die Simulation entworfener Showcars gebeten.

Serienfertigung? Nicht mal ansatzweise

Die Antworten darauf ließen nicht lange auf sich warten: Neben dem Vision GT von Mercedes sind im rund 1200 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark des Spiels eigene Entwürfe von fast zwei Dutzend Herstellern zu finden. Dazu zählt neben Studien von BMW, VW, Alfa Romeo und branchenfremden Unternehmen wie Nike auch der Toyota FT-1, der genau wie der Silberpfeil den Sprung von der Vision zur Wirklichkeit zumindest ein Stück weiter geschafft hat: Beide Rennwagen standen mittlerweile als 1:1-Modelle schon auf einer Automesse. Mehr hätten sie damit allerdings nicht vor, erklären Mercedes und Toyota unisono. An eine Serienfertigung sei nicht mal ansatzweise gedacht.

Die Kreativabteilungen der Autobauer inszenieren im Spiel nicht nur ihre kühnsten Konstruktionen auf digitalen Rennstrecken. Sondern die Konsolenspieler werden auch zu Testfahrern und machen mitunter den gesamten Entwicklungsprozess eines neuen Autos mit: Noch bevor der US-Hersteller Chevrolet die Neuauflage der Corvette präsentierte, fuhr dieser Sportwagen schon im Tarnkleid der Erlkönige über die Bildschirme, berichtet das Unternehmen. Und kaum war das Original enthüllt, ließ per Software-Update auch der virtuelle Wagen die Hüllen fallen und stand ohne Prototypen-Tarnung in der Pole-Position.

Dass die Autohersteller bei diesen Spielereien gerne mitmachen, hat einen einfachen Grund: "Simulationsspiele sind wichtig für die Außendarstellung und ein Instrument der Kundenbindung", sagt Caroline Pilz aus dem Mercedes-Marketing. Und gegenüber klassischer Werbung oder Produktplatzierungen erkennt sie noch einen Vorteil: "Man sieht das Auto nicht nur, man kann es fahren."

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