Montag, 21. Oktober 2019

DVB-T steht vor dem Aus So sieht das Antennenfernsehen der Zukunft aus

Hochauflösend: Antennenfernsehen in HD
TMN

Berlin - Mit dem digitalen Antennenfernsehen DVB-T geht es zu Ende. 2019 soll der letzte Sender auf den Nachfolgestandard DVB-T2 HD umgeschaltet werden. Und DVB-T2 HD sieht gleich auf den ersten Blick nach einer echten Verbesserung aus. Der neue Standard verspricht nämlich nicht nur mehr Kanäle, sondern auch endlich hochauflösendes HD-Fernsehen - ohne Kabelgebühren oder unschöne Satellitenschüssel auf dem Dach. Die Sache hat allerdings zwei kleine Haken: Die rund zwei bis fünf Millionen DVB-T-Empfänger in Deutschland können das neue Programm nicht empfangen. Sie haben also bald ausgedient und müssen ersetzt werden. Außerdem wird der Empfang der Privatsender kostenpflichtig.

Meist 24 Kanäle kann man momentan in den Ballungsräumen über DVB-T in auf modernen Flachbildfernsehern krümeliger SD-Qualität empfangen. Ist DVB-T2 HD einmal bundesweit etabliert, werden es dort rund 40 Programme sein. Die meisten davon können in HD empfangen werden. RTL und ZDF kündigten sogar Full-HD 1080p an. Erste Testanlagen laufen bereits, zur Fußball-EM 2016 soll in den deutschen Ballungsräumen eine Einführungsphase starten. Dann sollen die reichweitenstärksten Programme ausgestrahlt werden, erklärt Veit Olischläger vom für die Umstellung zuständigen Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland. Das wären ARD, ZDF, RTL, SAT.1, ProSieben und möglicherweise noch andere.

Offizieller Start des Regelbetriebs ist im ersten Quartal 2017. Ab dann werden schrittweise alle momentan aktiven DVB-T-Sender auf die neue Technik umgeschaltet. Die durch die Umschaltung freiwerdenden Frequenzen sollen ab 2020 für das mobile Internet mit LTE genutzt werden. 5,1 Milliarden Euro haben die Telefongesellschaften dafür bezahlt.

Wer HD sehen will, muss sich ein neues Gerät kaufen

Rund 70 bis 80 Prozent der heutigen DVB-T-Zuschauer, so prognostiziert der Leiter des Projektbüros, werden von Anfang an das verbesserte Angebot empfangen können. Wenn knapp zwei Jahre später die Umstellung abgeschlossen ist, soll fast ganz Deutschland zumindest mit öffentlich-rechtlichen Programmen in HD-TV über die Antenne versorgt sein. Deutschland ist damit nach Angaben der Deutschen TV-Plattform international ein Vorreiter. Denn bei DVB-T2 HD kommt ein moderner Standard zur Videocodierung namens High Efficiency Video Coding (HEVC/H.265) zum Einsatz.

Und genau hier ist der erste kleine Haken für den Zuschauer: Weil die alten Empfangsgeräte mit der HEVC-Technik nichts anfangen können und auf einer anderen Frequenz gesendet wird, steht vor dem HD-Genuss eine Neuanschaffung ins Haus. "Sie brauchen ein neues Gerät", sagt Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (vzrlp). Zur Elektronikmesse IFA im September erwartet er erste taugliche Geräte, im Handel werden sie wohl zum Weihnachtsgeschäft eintreffen.

Bis es so weit ist, besteht für Käufer von Fernsehern und Empfängern akute Verwechslungsgefahr. Denn einige auf dem Markt erhältliche Geräte haben bereits DVB-T-Empfänger eingebaut, allerdings nicht die richtigen für das neue deutsche System. Hier soll ein grünes Logo der Initiative DVB-T2 HD, einem Verbund aus Sendern und Medienanstalten, Abhilfe schaffen. "Das Siegel zeigt: Das ist ein zukunftsfähiges Gerät für den deutschen DVB-T2 HD-Standard", sagt Veit Olischläger.

Der Rat von Fernsehexperte Gundall für alle, die planen, sich einen neuen Fernseher oder einen neuen Empfänger zu kaufen: "Eher noch ein paar Monate warten." Gibt das eigene Gerät unerwartet den Geist auf, geht das aber nicht. "Wer sich für den Übergang noch ein Gerät kauft, sollte wissen, dass er es dann in ein bis zwei Jahren nicht mehr gebrauchen kann."

Privat-TV-Anbieter senden verschlüsselt

Und dann ist da noch etwas, das die Vorfreude auf die vielen HD-Kanäle über Antenne bremsen könnte. "Der Haken ist, dass die Privatsender ihr Programm verschlüsseln werden", sagt Gundall. RTL, Pro7, Sat.1 und Co. wird es mit dem neuen DVB-T nur noch gegen eine monatliche Gebühr geben. Die wird ersten Berichten zufolge bei rund fünf bis sechs Euro liegen - ähnlich wie beim Empfang über Satellit. Für den Zuschauer mag das auf den ersten Blick ärgerlich sein, doch ohne die Privaten würde ein Erfolg von DVB-T2 HD schwieriger werden. Und trotz der im Vergleich zum jetzigen DVB-T höheren Kosten ist das Antennenfernsehen für den Verbraucher nach wie vor der günstigste Empfangsweg. Es muss kein Kabelanbieter bezahlt werden, keine Schüssel montiert, kein leistungsfähiger Breitbandanschluss gelegt werden.

Ist DVB-T2 HD einmal bundesweit etabliert, werden sich noch weitere Vorteile zeigen. Im Gegensatz zu vielen Kabelangeboten sollen einmal alle Sender in hoher Auflösung ausgestrahlt - auch die öffentlich-rechtlichen Angebote. "Und das ist echtes Full-HD wie von der Blu-Ray", sagt Michael Gundall. "Wenn die ersten Sender damit anfangen, echtes HD zu senden, werden die Kabelbetreiber Probleme bekommen", mutmaßt er.

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