Rad, Helm, Rennanzug - und Epo Das kostet eine Fahrrad-Ausrüstung für die Tour de France

Hofft auf Etappensiege: Deutschlands Sprinter Andre Greipel

Hofft auf Etappensiege: Deutschlands Sprinter Andre Greipel

Foto: DPA

Ab Samstag rast die größte Geldmaschine des Radsports wieder für drei Wochen durch Frankreich. 176 Radprofis gehen bei der 2018er Ausgabe der Tour de France an den Start, elf Deutsche sind dabei. 100 Millionen Euro Umsatz macht alleine der Veranstalter, die Amaury Sport Organisation (ASO), mit dem Spektakel - alleine das Sponsoring des Gelben Trikots des Gesamtschnellsten kostet aktuell 7 Millionen Euro.

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Die sollten Sie vermeiden: Zehn mentale Erfolgsbremsen

Foto: Luca Bruno/ dpa

Nicht nur für die ASO ist die Tour eine gigantische Werbeveranstaltung; auch die Radhersteller schicken die von ihnen ausgestatteten Fahrer mit den neuesten Innovationen auf die Strecke - um sportlichen Erfolg zu ermöglichen, aber auch, um neue Rahmengeometrien, Helme und Trikots auf der größten Bühne ihres Sports zu präsentieren.

3066 Euro geben deutsche Hobby-Radler laut einer Umfrage des Rennrad-Magazins "Tour"  durchschnittlich für ihre Boliden aus. Bei der Tour würden sie damit nicht weit kommen, aktuelle Hightech-Räder von Specialized, Cervélo und Co. kosten ein Mehrfaches dieser Summe. Was die Profis für ihre Räder, Trikots, Helme und andere Notwendigkeiten ausgeben - eine Übersicht:

Rennräder: Darauf sitzt der Weltmeister

Specialized S-Works Venge / Rennrad

Specialized S-Works Venge / Rennrad

Foto: Specialized

Der Finanznachrichtendienst "Bloomberg"  nennt sie die "am schlechtesten gehüteten Geheimnisse des Sports": Zwar würden die neuen Räder der großen Hersteller theoretisch erst zum Tour-Start enthüllt; praktisch würden sie allerdings schon Monate vorher von ausgewählten Fahrern getestet.

Für 2018 ist laut "Bloomberg" ein Trend auszumachen: Die prominentesten Fahrer säßen alle auf besonders windschnittigen Aero-Rennrädern mit Scheibenbremsen. Früher hätten Aero-Räder als zu schwer, zu rau in der Bedienung und zu schwierig in der Instandhaltung gegolten; diese Bedenken hätten die Hersteller nun auszuräumen versucht.

UCI-Weltmeister Peter Sagan, der für das deutsche Bora-Hansgrohe-Team fährt, sitzt auf einem 12.500 Dollar / 10.499 Euro teuren Aero-Rad des Herstellers Specialized. Hobby-Radler mit dem erforderlich dicken Portemonnaie müssen allerdings Glück haben: Die Rennradschmiede bietet es nur bei ausgewählten Händlern an. "Wenn Sie eines wollen", so "Bloomberg", "drücken Sie Daumen, Zehen und Augen und fangen dann an, zu betteln."

Trek, das etwa John Degenkolb ausstattet, der als Sieger des Klassiker-Rennens von Paris nach Roubaix ein deutscher Hoffnungsträger für Etappensiege ist, schickt ein ähnlich teures Flaggschiff ins Rennen - das Madone SLR kostet ebenfalls 12.500 Dollar.

Trikots: Eine zweite Haut für 480 Euro

Movistar-Fahrer Mikel Landa im Zeitfahren bei der Tour de Suisse (Juni 2018)

Movistar-Fahrer Mikel Landa im Zeitfahren bei der Tour de Suisse (Juni 2018)

Foto: Gian Ehrenzeller/ KEYSTONE/ DPA

Weil das windschnittige Potenzial der Räder "weitgehend optimiert" sei, rücke die Bekleidung der Radprofis aktuell noch stärker in den Fokus, schreibt "Tour" . Aktuell beliebt: An wichtigen Stellen aufgeraute Kleidung, die den Luftstrom erst später verwirbeln lassen als glatte Rennanzüge - Wirbel wirken bremsend.

Der schottische Hersteller Endura rüstet bei der Tour etwa das Movistar-Team um den Kolumbianer Nairo Quintana aus; die Schotten setzen auf Silikondruck, um die Zeitfahranzüge des Teams aufzurauen. Sie sind für Geschwindigkeiten jenseits der 46 km/h gedacht und kosten aktuell 429,99 Pfund (gut 480 Euro).

Die normalen Teamtrikots sind dabei günstiger: Ein Leibchen des deutschen Bora-Hansgrohe-Teams kostet in verschiedenen Onlineshops knapp 75 Euro (mit Hose ist es etwas mehr). Zumindest bei den Trikotpreisen ist der Radsport also auf Augenhöhe mit dem Fußball angekommen.

Helme: Tropfenförmig und teuer

Tom Dumoulin vom deutschen Team Sunweb im Zeitfahren beim Giro d'Italia

Tom Dumoulin vom deutschen Team Sunweb im Zeitfahren beim Giro d'Italia

Foto: LUK BENIES/ AFP

Wenn Tom Dumoulin und die anderen Fahrer des deutschen Teams Sunweb ins Zeitfahren starten, sitzen sie nicht nur auf aerodynamisch optimierten Rädern des Herstellers Giant; die Taiwaner liefern auch die tropfenförmigen Helme, die in dieser Spezialdisziplin beliebt sind. Die neueste Ausgabe ist vergleichsweise günstig und kostet 169,99 Euro - das Bora-Team um Weltmeister Sagan setzt auf Specialized-Zubehör, das etwa doppelt so teuer ist. Oakley, Ausstatter des Katusha-Alpecin-Teams des deutschen Zeitfahr-Spezialisten Tony Martin, hat sogar einen Zeitfahr-Helm für gut 560 Euro im Programm.

Die weniger tropfenförmigen Helme für das normale Rennen sind tendenziell etwas günstiger: Bontrager-Helme, die das Trek-Segafredo-Team um den deutschen Sprinter John Degenkolb verwendet, kosten bis zu 200 Euro.

Auch am anderen Ende des Körpers wird High Tech verwendet: Spezielle Rennschuhe mit Carbonsohle und Platten, um sie ins Pedal einzuklinken, können ebenfalls weit über 300 Euro kosten.

Die Reiseapotheke: Epo und Co

Chris Froom bei der Team-Vorstellung zur Tour de France 2018

Chris Froom bei der Team-Vorstellung zur Tour de France 2018

Foto: Christophe Ena/ AP

Es war der Aufreger vor dem diesjährigen Tourstart: Bei Chris Froome, dem Dominator der vergangenen Auflagen der "Grand Boucle", war im September 2017 ein erhöhter Wert des Asthmamittels Salbutamol aufgefallen. Das Medikament erhöht auch bei Nicht-Asthmatikern das Atemvermögen deutlich - Froome hatte angegeben, es wegen seiner Erkrankung eingenommen zu haben.

Hat der Dominator damit gedopt? Die Diskussion dauerte Monate - dabei war eher weniger hilfreich, dass der vermeintliche Doper Froome zwischenzeitlich den Giro d'Italia gewann. Am Montag vor dem Tour-Start wurde das Verfahren dann offiziell eingestellt; Froome wurde wenig später bei der offiziellen Präsentation der Teams dennoch von den versammelten Radsportfans ausgepfiffen.

Das verschreibungspflichtige Medikament ist vergleichsweise günstig: Laut des Gesundheitsportals Onmeda kostet die kleinste Packungsgröße des Herstellers Ratiopharm etwa 15 Euro.

Erythropetin, als Epo das zuletzt wohl bekannteste und verrufenste Dopingmittel des Radsports, wird im Gegensatz zu Salbutamol nicht eingeatmet, sondern injiziert. Das Hormon regt die Bildung roter Blutkörperchen an und wird üblicherweise für Patienten, die unter Blutarmut leiden oder bei Unfällen viel Blut verloren haben, verwendet. Weil rote Blutkörperchen Sauerstoff transportieren, hat es auch als leistungssteigerndes Medikament im Sport Spuren hinterlassen.

Epo-Spritzen sind teurer als Salbutamol-Inhalatoren: Sechs Fertigspritzen a 0,5 Milliliter kosten laut Preisvergleich der Stiftung Warentest 54,34 Euro.

Essen: Fabrikware oder selbstgemacht?

Belgiens Klassiker-Spezialist Tom Boonen (Archivaufnahme, 2009)

Belgiens Klassiker-Spezialist Tom Boonen (Archivaufnahme, 2009)

Foto: ERIC GAILLARD/ REUTERS

Riegel, Gele, Bananen: Weil Radsportprofis laut Sportwissenschaftlern zwischen 8000 und 15000 Kalorien pro Etappe verbrennen, müssen sie im Rennen regelmäßig Nahrung zu sich nehmen. Riegel professioneller Hersteller kosten dabei etwa doppelt so viel wie Mars oder Snickers: PowerBar verlangt für fünf "Energize"-Riegel (erhältlich in den Geschmacksrichtungen "Banana Punch", "Cookies & Cream", "Berry" und "Chocolate") 9,95 Euro.

Häufig sieht man an den Verpflegungsstationen allerdings auch selbstgemachte Lebensmittel: Reisküchlein, vor dem Rennen gebacken und anschließend in Alufolie eingewickelt, sind ebenso beliebt wie Brötchen mit Nutella oder Bananen. Schon vor dem Rennen wird der Tank aufgefüllt: "Das ist ganz normal", sagte Profi Rick Zabel etwa der "Rheinischen Post"  über sein Frühstück aus einem großen Teller Pasta und zwei Sandwiches mit hartgekochten Eiern.

Mobile Werkstatt: Der Team-LKW

Begleitfahrzeug des Teams Fortuneo

Begleitfahrzeug des Teams Fortuneo

Foto: AFP

Ersatzteillager, Wäscheraum, rollende Werkstatt: Neben den Kombis, mit denen die sportlichen Leiter beim Rennen mitfahren (und Ersatzräder verteilen), kommen den Team-LKW eine tragende Rolle zu. 2000 Trinkflaschen, über 40 Ersatzräder, dazu Waschmaschine, Trockner und eine Werkbank fahren sie über tausende Kilometer durch Frankreich. Ein einzelner Team-Truck kostet laut "Tour"-Schätzung etwa 170.000 Euro, tut dafür aber auch sechs bis acht Jahre seinen Dienst.

Die Begleitfahrzeuge der sportlichen Leiter sind wesentlich günstiger: Ein Skoda Superb Kombi, wie ihn auch Renndirektor Christian Prudhomme nutzt, kostet in einer sportlichen Version neu zwischen 39.000 und 45.000 Euro.

Macht zusammen...

Team Lotto Soudal mit den Deutschen Andre Greipel (ganz links) und Marcel Sieberg (zweiter von rechts)

Team Lotto Soudal mit den Deutschen Andre Greipel (ganz links) und Marcel Sieberg (zweiter von rechts)

Foto: AFP

Rennrad, Zeitfahrrad, Trikot für Straße und Zeitfahren, Helme, Schuhe - alleine die nicht-konsumierbaren Teile der Ausrüstung belaufen sich bei der Tour de France pro Fahrer und ohne Ersatzteile überschlagen auf knapp 22.500 Euro. Hinzu kommen anteilig Kosten für die Team-Fahrzeuge, für Essen und Medikamente, Fußpulver, Sonnencreme, Arztkosten, Mechanikergehälter und, und, und...

Dies muss der Werbenutzen aufwiegen - was offenbar gelingt. Yvon Breton, Berater des Generaldirektors der Versicherung AG2R-La Mondiale, die ein eigenes Team zur Tour schickt, sagte dem "Tour"-Magazin , sein Arbeitgeber investiere jährlich etwa 12 Millionen Euro ins Team. Den Werbewert der Anstrengungen bezifferte er hingegen mit 110 Millionen Euro: "Ich kenne keine andere Investition, die bei regelmäßiger Überprüfung Gleichwertiges bescheren würde."

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