Montag, 17. Februar 2020

Garmin-Gerät macht Bürostühle smart Wie mein neuer Sitz-Coach mein Arbeitsleben geändert hat

Sitzsensor von Garmin: So funktioniert der smarte Bürostuhl
Interstuhl

2. Teil: Aktuell liegt meine Sitzqualität erst bei 43 Prozent! Oh je!

Immer wieder poppt im Laufe des Tages ein leuchtend rotes Fenster auf, das mich daran erinnert, meine Sitzposition zu ändern. Ab und zu werde ich aufgefordert, aufzustehen und mich ein oder zwei Minuten zu bewegen. Beides ist recht lehrreich, denn ich hätte gedacht, dass ich als erfahrene, orthopädisch gebildete Rückenschulabsolventin eher am oberen Ende der Bewegungsskala rangiere: Die beste Sitzposition ist immer die nächste, das wusste ich schon vor dem S 4.0, und ich stehe auch immer brav auf und gehe zu Kollegen, statt faul zum Telefon zu greifen. Aber da habe ich mir wohl etwas vorgemacht - objektive und Selbstwahrnehmung klaffen ja bei vielen Menschen in vielen Bereichen bedauerlich weit auseinander.

Der Aufforderungscharakter des Geräts ist allerdings höher, als man zunächst denkt. Es hat ein gewisses Suchtpotential, wenn man sich das empfohlene Ziel vorgibt, es auf 70 Sitzpositionswechsel pro Stunde zu bringen - also mal das Gewicht nach hinten zu verlagern oder auf eine andere Seite. Nach der ersten Stunde bin ich streberhaft schon bei 86.

Ich hätte erwartet, dass es nun eine kleine Belohnung gibt: Ein Sternchen oder ein "Gut gemacht" oder so. Aber ich bin ja zum Arbeiten hier. Obwohl ich vor lauter Sitzoptimieren kaum noch dazu komme. Auf einem Diagramm bekomme ich angezeigt, welche der fünf Bereiche des Stuhls ich gerade belaste. Im Idealfall sollen am Ende des Arbeitstages alle fünf roten Felder weiß gefüllt sein, dann habe ich oft genug gewechselt. Aktuell liegt meine Sitzqualität aber erst bei 43 Prozent! Oh je! Ich wackle auf meinem Stuhl umher wie ein Erstklässler kurz vor der Pause. Gut, dass ich hier alleine bin.

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Ich ertappe mich dabei, dass ich stolz darauf bin, schon 104 von 70 Wechseln geschafft zu haben. Da habe ich ja wohl klar überperformt! Ich stelle mir mein nächstes Jahresgespräch vor: "... und außerdem habe ich im Bereich Sitzen Überdurchschnittliches geleistet. Meine aktuelle Sitzqualität liegt mt 93 Prozent deutlich über dem Schnitt meiner Abteilung, und ich bringe es auf 104 Positionswechsel." Wenn da keine Gehaltserhöhung fällig wird!

Während ich mich noch im Glanze meines Sitztalents sonne, poppt ein mahnendes Fenster auf: "Bewegen Sie sich 1 bis 2 Minuten!" Zwei Tage später kann ich stolz sein, meine Sitzqualität im Vergleich zum Vortag gesteigert zu haben - aber im Laufe der Zeit mehren sich die mahnenden Meldungen: "Sie haben die Anzahl Ihrer durchschnittlichen Sitzwechsel pro Stunde nicht halten oder steigern können. Nicht schlimm. Aber dafür heute erst recht." - "Sie haben Ihre Sitzqualität zum Vortag nicht steigern/halten können. Aber dafür heute!"

Mein Fazit nach einigen Wochen: Mein Sitzverhalten hat sich tatsächlich geändert. Ich achte viel mehr darauf, den roten Fenstern zuvorzukommen - und wechsle tatsächlich häufiger Position und Körperhaltung. Die Technik funktioniert einwandfrei (die Batterie soll laut Hersteller ein halbes Jahr durchhalten); und selbst, wenn ich an einem anderen Schreibtisch ohne Sensor sitze, habe ich die Grafik der Belastungszonen vor meinem inneren Auge. Ob und wie sehr man jeden Lebensbereich permanent optimieren muss, bleibt allerdings eine Geschmacksfrage - und wieviel man dafür ausgeben möchte, eine Geldfrage.

Das Testgerät wurde der Redaktion kostenfrei zur Verfügung gestellt.

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