Sonntag, 22. September 2019

Luxusuhrenmesse SIHH 2015 Tickende Charmeure

Genfer Uhrenmesse: Was Uhrenhersteller bei der SIHH zeigen
Audemars Piguet

Auf der Luxusuhrenmesse SIHH zeigt sich, wie die Uhrenbranche wirklich tickt: Humorvoll, besonnen und kreativ. Das beweisen auch die neuen Uhrenmodelle. Ein Live-Report aus Genf.

Genf - Musste man in den vergangenen Jahren auf der Messe die genannten Preise von Franken in Euro meist noch umrechnen, lautet der diesjährige Running Gag: "Ob ich die Preise in Franken oder in Euro nenne, ist egal. Der Betrag ist sowieso gleich", scherzt Jean-Marc Pontroue. Zugleich stellt der CEO von Roger Dubuis fest: "An Tagen wie diesen wird man im Crashkurs noch zum Devisenprofi".

Eine gute Sache hat der Währungssprung des Franken, der über Nacht gegenüber dem Euro um mehr als 20 Prozent zulegte. Er macht die unterschiedlichen Charaktere und Temperamente der Leitfiguren deutlich: Mal beherrscht Galgenhumor die Stimmung, mal Zweckoptimismus oder weitsichtige Bedachtsamkeit.

IWC CEO George Kern wirkt besonnen, "wir haben die Preise nur leicht nach oben angepasst und warten erstmal ab, wo sich der Frankenkurs einpendelt". Juan Carlos Torres, CEO von Vacheron Constantin, wird noch konkreter: "Am Montag, als der SIHH eröffnete haben wir morgens um 9 Uhr beschlossen, die Preise im Euro-Raum um sieben Prozent zu erhöhen". Ähnlich agiert Jean-Marc Pontroue: "in der Euro-Zone sind wir mit den Preisen um sieben Prozent rauf, in der Schweiz um sechs Prozent runter, um die dortigen Händler zu stützen. Doch viel brisanter ist für uns der Rubel - im Dezember mussten wir dort die Preise um 65 Prozent erhöhen". Will sagen, alles halb so schlimm - gegenüber dem Rubel ist das Euro-Franken Pingpong ein Kinderspiel.

Erstaunlich aufgeschlossen räumt Alain Zimmermann ein: "Je nach Modell heben wir zwischen 5 und 7 Prozent die Euro-Preise an", so der CEO von Baume & Mercier. Und er bringt das verzwickte Dilemma auf den Punkt: "Das ist ein Entgegenkommen gegenüber den Kunden, denn die tatsächliche Steigerung müsste 20 Prozent betragen, doch das wäre unzumutbar".

Vielseitigkeit und Kreativität sind das Motto der Stunde

Man ist sich auf dem SIHH also einig: Auch wenn sich Uhrenliebhaber in der Euro-Zone auf rund sieben Prozent höhere Preise einstellen müssen, ist das ein großes Entgegenkommen der Marken. Wie und wo die Hersteller dafür einsparen, kann man nur vermuten. Wahrscheinlich sind Personal- und Marketingkosten zu reduzieren, Effizienz in der Produktion zu steigern.

Inzwischen werden die zwölf Richemont Marken und die vier unabhängigen Manufakturen, die jetzt auf dem SIHH als erste den Offenbarungseid leisten mussten, erstmal abwarten und den Frankenkurs aber vor allem ihre Branchen-Kollegen genau beobachten. Am 19. März wird die Weltmesse für Uhren und Schmuck eröffnen - die Baselworld. Mit dabei sind der größte Schweizer Uhrenproduzent, die Swatch Group, darunter mit ihren Marken Omega, Longines und Breguet sowie die eigenständigen Big Player Rolex, Patek Philippe und die LVMH Uhrenmarken TAG Heuer, Hublot und Zenith. Je nachdem mit welcher Kalkulation man dort auftritt, könnte ein weiteres Nachjustieren der Preisschraube die gesamte Branche betreffen.

Sicher hingegen ist schon jetzt, dass sich die neuen Modelle nicht in zwei oder drei Trends einordnen lassen. Vielseitigkeit und Kreativität ist das Motto der Stunde. Und die Frauen dürfen es mal wieder richten. Selten flirteten die Uhrmacher so intensiv mit den Damen, wie auf dieser Messe. Cartier, Piaget, Baume & Mercier sind darin schon lang erfahrene Charmeure und erweitern stark ihr Repertoire mit mechanischen Modellen gleichrangig für Sie und Ihn.

Clé nennt sich die neue Kollektion bei Cartier und Altiplano Bracelet bei Piaget. Doch auch Audemars Piguet legt anmutige Damenuhren innerhalb der Millenary-Linie neu auf und Baume & Mercier erweitert gleichgeschlechtlich die Classima-Kollektion. Diese Marke sticht sowieso mit einer Charmeoffensive hervor, indem sie zehn von vierzehn Neuheiten unter 2500 Euro positioniert. Zugelieferte solide Werke von Eta und Sellita machen solche Preise möglich. Viel Uhr fürs Geld findet man auch bei Montblanc. Mit dem 'Heritage Chronométrie ExoTourbillon Minute Chronograph' wird Uhrensammlern ein Leckerbissen aus Manufaktur-Kompetenz und Rotgold für unschlagbare 38.000 Euro vor die Nase gehalten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung