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Automatische Helfer: Roboter für den Haushalt

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Automatisierter Haushalt Roboter, putz für mich

Sie können Staub saugen, Rasen mähen und jetzt auch Fenster putzen. Roboter wie der nun auf den Markt kommende Winbot vom chinesischen Hersteller Ecovacs erobern den Haushalt. Die lästige Hausarbeit bleibt den Besitzern aber nicht völlig erspart.

Hamburg - Die Roboter kommen! Viel wird derzeit von einer neuen industriellen Revolution, von anderer Zusammenarbeit von Mensch und Maschine, fantasiert. Doch abseits der Arbeitsplätze sorgt die Automatisierung für eine ganz andere Art der Revolution: im Haushalt.

Laut den Marktforschern von der GfK  stieg der Umsatz mit Robotern für den Hausgebrauch im vergangenen Jahr in Deutschland um 30 Prozent, bereits 300.000 Haushalte besitzen einen automatischen Helfer - meist zum Staubsaugen, zunehmend aber auch als Rasenmäher, Wischapparat oder ähnliches. Die Technik werde die Menschen "von täglichen Pflichten und Plackerei befreien", prophezeit der französische Unternehmer und "Robolution"-Vordenker Bruno Borrell.

Was liegt da näher als ein Fensterputz-Roboter? Einen solchen namens Winbot will die chinesische Firma Ecovacs, nach eigenen Angaben "einer der internationalen Pioniere und Innovationsführer der Haushaltsrobotik", noch im Juli auf den Markt bringen. Preis für Endkunden: 299 Euro, durchaus im Rahmen also, wenn Schrubben und Schlieren wirklich der Vergangenheit angehören.

Ähnliche Geräte gibt es zwar schon, aber der Winbot ist laut Gunda Niggemeyer von der Düsseldorfer Ecovacs-Vertriebsniederlassung der erste, der "wirklich putzt und auch die Richtung findet".

Zwei Lappen und ein Abzieher

Das habe ich ausprobiert. Die erste Überraschung: Das High-Tech-Gerät lässt sich ohne großen Aufwand auspacken und in Betrieb nehmen, fast könnte man von Plug and Play reden. Das Gerät im Format eines Plattenspielers braucht kaum Zubehör, auch die Bedienungsanleitung ist angenehm knapp.

Trotzdem überlese ich zunächst den entscheidenden Hinweis, dass der vordere von zwei Mikrofaserlappen, die an die Unterseite des Winbots zu kletten sind, durchaus mit Glasreiniger befeuchtet werden soll. So suche ich vergeblich nach einer Füllkammer oder ähnlichem und beschließe, den Winbot erst einmal trocken putzen zu lassen. Mehr als Staub entfernt der so natürlich nicht.

Vielleicht stimmt ja die positive Zukunftsvision, dass Roboter die Menschen unterstützen und nicht ersetzen. Dann müssen die Menschen aber hellere Köpfe haben.

Mit befeuchtetem Putztuch liefert der Winbot natürlich ein ganz anderes Putzerlebnis. Das Prinzip ist einfach: Vorn wischt das feuchte Tuch den Schmutz auf, dahinter folgt ein Abzieher aus Gummi, hinten beseitigt ein trockenes Tuch die Schlieren. Das funktioniert auch prima.

Mit zwei Raupenketten übers Glas

Ich setze den Putzroboter unten am Fenster an (mit 10 Zentimetern Abstand zum Rand), lasse ihn mit seinem Vakuummotor ans Glas ansaugen und drücke den Startknopf. Surrend setzt sich das Gerät in Bewegung, sein Antrieb mit zwei Raupenketten führt ihn auf einem scheinbar erratischen Kurs kreuz und quer übers Fenster, am Rand legt er den Rückwärtsgang ein.

Dieser Zick-Zack-Kurs soll aber laut Hersteller "die maximale Reinigungsleistung ohne Wiederholung" bringen. Auch die Ecken erreicht der Winbot dank seiner Form (anders als etwa der populäre runde Saugroboter Roomba vom US-Hersteller iRobot ).

Das Ergebnis ist okay. Meine eigenen Fähigkeiten im rückstandfreien Fensterputzen übertrifft der Roboter allemal, ganz ohne Streifen hinterlässt er die Scheibe aber nicht. Wahrscheinlich empfiehlt es sich, den Reiniger nur in der Mitte des Feuchtlappens aufzusprühen. Denn sonst zieht der Roboter mit seinen Kurvenbewegungen immer wieder das Trockentuch an der selbst aufgetragenen Nässe vorbei.

Mit groben Flecken wird der Winbot nicht fertig, das zählt aber zu den vielen Einschränkungen, über die das Handbuch bereitwillig informiert: "nicht für unebene Glasflächen, nicht an nassen Fensterscheiben, nicht für die Entfernung von Flecken wie zum Beispiel Farbe, Klebstoff, nicht zum Entfernen von Kaugummi, Etiketten, Papier und so weiter".

Funktioniert gut - wenn die Scheibe schon sauber ist

Kurz, der Winbot funktioniert gut, wenn die Scheibe schon einigermaßen sauber ist. Gerade außen sollten Vogeldreck und grober Schmutz nach dem letzten Regen entfernt werden, bevor der Roboter auf seine Fahrt geschickt wird. So hilft der Winbot vor allem, beim Putzen zu disziplinieren - ähnlich wie Saugroboter, die ihre Besitzer auch dazu zwingen, regelmäßig gründlich aufzuräumen. Auch diesen erzieherischen Effekt kann man als Vorzug begreifen.

Ärgerlich für mich aber: Die zu putzenden Fenster dürfen nicht zu klein sein. Da in unserem Haus alle Außenfenster Sprossen haben, kommt der Winbot nicht weit. Ständig bleibt er piepend am Rand stehen und lässt ein rotes Licht blinken. Für die Abtrennung der Duschkabine kommt der Roboter ebenso wenig in Frage, denn da würde das Testmodell über den Rand hinausfahren (es gibt aber auch ein Modell mit Sensoren für rahmenlose Scheiben).

Große Fensterflächen wie in unserer Redaktion wiederum übersteigen den Aktionsradius des Winbot. Nur rund fünf Meter kann er sich von der Steckdose entfernen. Denn den Strom liefert ein zusammengestecktes Kabel (Verlängerungen sind natürlich möglich).

Einen Lithium-Akku gibt es nur für den Notfall, damit der Winbot bei Stromausfall nicht plötzlich aufhört, sich an die Scheibe anzusaugen. Für große Höhen und die Außenseiten der Fenster schreibt der Hersteller außerdem eine Sicherungsleine vor, die mit einem herkömmlichen Saugnapf am Fenster angebracht wird (und vorsichtig gelöst werden muss).

Lieber unter Aufsicht

So bleibt nur ein echtes Testfeld: verglaste Innentüren, an denen nur die Türklinken stören. Nach wenigen Minuten meldet der Roboter piepsend, die ganze Scheibe gesäubert zu haben. Dann muss ich das Gerät natürlich von Hand umsetzen.

Ecovacs empfiehlt, neben dem Putzroboter oder zumindest im Raum zu bleiben. So kann man sich die mitgelieferte Fernbedienung, die ohnehin nur 40 Zentimeter vom Winbot entfernt arbeitet, sparen. Wer sehr hohe Fenster hat, kommt also kaum ohne Leiter aus, ob mit Roboterhilfe oder ohne.

Im Gegensatz zum traditionellen Fensterputzen erzeugt das Gerät natürlich auch Lärm, der ist aber immerhin erträglich. Ecovacs gibt den Geräuschpegel mit 55 Dezibel an, auch ohne solche Laborwerte ist der Winbot deutlich leiser als ein Staubsauger.

Alles in allem erscheint das Gerät durchaus als alltagstauglich, aber nur unter Idealbedingungen: große Fenster mit Rahmen, aber ohne Sprossen, die stets nur leicht verschmutzt sind. Dass die Roboterhelfer "eine echte Hilfe darstellen", nennt Ecovacs-Frau Niggemeyer aber auch nur als Verkaufsargument Nummer zwei. Vor allem setzt die Firma auf "Fans", die sich für den rasanten Fortschritt der Technik begeistern - unabhängig vom Nutzwert. Tatsächlich geht von einem Roboter, der halbwegs autonom die Fenster auf und ab fährt, ein gewisser Daniel-Düsentrieb-Effekt aus.

Diese Fans dürften sich auch auf die Internationale Funkausstellung in Berlin freuen. Dann will Ecovacs seinen "Famibot" vorstellen: ein Roboter-Multitalent, das per Smartphone zu steuern ist, über Kamera die Kommunikation mit den Lieben zu Hause erlaubt, Elektrogeräte bedient, Rauch oder Einbruch meldet und im Ernstfall auch selbständig gefährliche Gase aus der Luft filtern kann. Und natürlich die anderen Roboter im Haushalt überwachen.

Automatische Helfer: Roboter für den Haushalt

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