Sonntag, 21. April 2019

Baselworld Fabelhafte Zeitmesser

Baselworld: Uhren der Superlative
Girard-Perregaux

An diesem Donnerstag beginnt ein neues Zeitalter: Baselworld, die weltgrößte Uhren- und Schmuckmesse lockt eine Woche lang in die Schweiz. Uhrenneuheiten der Superlative werden hier präsentiert - allerdings ist ein Supergau schon vorprogrammiert. Eine Vorschau.

Basel - Schon zum 41. Mal eröffnet die Baselworld in der drittgrößten Schweizer Stadt in dieser Woche ihre Tore. Mit rund 100.000 Fachbesuchern aus allen Kontinenten entfaltet sich in diesem Jahr eine Show der Superlative auf einer Ausstellungsfläche von etwa 20 Fußballfeldern. Die Einwohnerzahl der beschaulichen Rheinstadt wächst in dieser Zeit temporär um circa 60 Prozent. Kein Wunder, dass Besucher und Bewohner über den Ausnahmezustand jammern. Doch es hilft nichts - die Stadt hält unbeirrt an dem Messe-Jackpot fest. Und die Uhrenbranche kann sich solche Kapriolen erlauben.

Mit satten zweistelligen Umsatzsteigerungsraten zählt sie global zu den gesündesten Sparten. Der Gigant Swatch Group ist mit allen 19 Uhrenmarken unübersehbar präsent, darunter Omega, Breguet, Glashütte Original, Longines und als jüngstes Mitglied Harry Winston. Alleine letztes Jahr strotzte die Holding mit 8,14 Milliarden Franken Jahresumsatz und steigerte sich mit über 14 Prozent Wachstum. Für einen weiteren Schub dürfte das diesjährige Jubiläum der bunten Kultuhr sorgen - 30 Jahre Swatch, die damals wegen der Quarzkrise die brachliegende Schweizer Uhrenindustrie sogar rettete.

Ebenso umfangreich vertreten ist der 28 Milliarden Euro Jahresumsatz (2012) schwere Luxusgüterkonzern LVMH. Sein tickendes Aushängeschild, Tag Heuer, will dieses Jahr alleine die eine Milliarden Franken Grenze knacken. On top kommen die Uhrenlabel Bulgari, Louis Vuitton und Dior sowie die Manufakturen Zenith und Hublot.

Europa-League-Halbfinale und Messebeginn zeitgleich

Dem Wachstum kommt die Messe jetzt mit einem neuen Hallenkomplex nach. Die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron entwarfen den 430 Millionen Franken teuren Neubau - im Schweizer Messewesen das bisher höchste Investment. In der Halle eins wollen die sogenannten "Global Brands", wie Rolex, Patek Philippe, Chopard aber auch Breitling, Corum und Seiko ausschließlich mit zwei- und dreigeschossigen Ständen auf gesamt 38.000 Quadratmetern beeindrucken.

Das Messemanagement verspricht, "zuvor nicht dagewesene Dimensionen", weshalb man mit dem Aufbau schon drei Wochen vorher begann. Hingegen kommentiert die Basler Zeitung, "das Chaos ist vorprogrammiert". Und das ist noch schweizerisch diplomatisch formuliert. Tatsächlich gleicht die Situation eher einem Supergau.

Dies zeigt sich schon daran, dass die Mannschaft des FC Chelsea, die ausgerechnet am Messeeröffnungstag gegen den FC Basel das Europa-League-Halbfinale austrägt, erst im 80 Kilometer entfernten Zürich eine Bleibe fand. Selbst das war nicht einfach. Etliche Züricher Herbergen sind für die Baselworld etwa ein Jahr im Voraus ausgebucht. Und das, obwohl die Hotelpreise sogar Frankfurter und Münchner Messedreistigkeiten übertreffen: 600 Prozent Aufschlag sind in Basel üblich. Auch die provisorischen Hotelschiffe am Rheinufer regulieren die Preispolitik kaum.

Für den prestigeträchtigen Uhren-Leader Richemont waren diese Zustände einer der Gründe, die Baselworld schon vor Jahren zu verlassen. Man etablierte selbstbewusst die eigene Messe 'Salon International de la Haute Horlogerie' (SIHH) in Genf. Sehr clever ist der jährliche Zeitpunkt im Januar gewählt wenn die Händler noch berauscht vom Weihnachtsgeschäft mit Taschen voller Geld auf Shoppingtour gehen. Das Konzept kommt an. Inzwischen haben sich weitere, unabhängige Marken der exklusivsten Uhrenmesse der Welt angeschlossen.

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