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Edel-Smartphone: Die (Stärken und) Schwächen des Vertu Ti

Foto: Torben Schultz

"Vertu Ti" im Test Das 10.000-Euro-Smartphone

Das Vertu Ti ist aus Titan, Saphirglas und Leder. Das kostet. 10.000 Euro muss berappen, wer edel telefonieren will. Aber ist das Vertu Ti anderen Smartphones überlegen? Und was hat es mit der "Concierge"-Funktion auf sich? mmo-Autor Torben Schultz hat das Gerät getestet.
Von Torben Schultz

Hamburg - Die Ankunft des Vertu Ti sorgt für Aufsehen in der Redaktion: Der Postbote fährt persönlich in den sechsten Stock, übergibt das Paket und merkt an: "Das ist mit 25.000 Euro versichert." Wasss??? Die Kollegen horchen auf. Als klar ist, dass da drinnen ein 10.000-Euro-Smartphone steckt, sind alle baff. Ein "Wow!" jagt das nächste. Erste Erkenntnis: Wer Aufmerksamkeit will, ist mit einem 10.000-Euro-Smartphone bestens bedient. Gerade heute, wo fast jeder ein iPhone hat. Aber lohnt sich das Vertu Ti auch sonst?

Der Look ist 80er-Jahre, dazu passt das dicke, ja klobige Gehäuse. In der Länge überragt das Vertu Ti mit rund 13 Zentimetern das aktuelle iPhone 5, bleibt aber noch unter den 13,7 Zentimetern des neuen Samsung Galaxy S4.

Beim Gewicht aber sind die Unterschiede gewaltig: 181 Gramm bringt das Vertu Ti auf die Waage - und das in Zeiten, in denen die meisten Hersteller nach Leichtigkeit streben. iPhone 5 (112 Gramm) und Samsung S4 (130 Gramm) wiegen rund ein Drittel weniger.

Möglicherweise soll das Gewicht aber auch ein Symbol sein für die Wertigkeit des Vertu Ti. Immerhin sind hochwertige Materialien verbaut: Die Schale ist aus gebürstetem und poliertem Titan - daher auch der Name "Ti". Schwarzes Krokodilleder ("Black Alligator") verziert Rücken und Unterseite. Ach, hätten die Entwickler doch auf die inneren Werte eben so sehr geachtet wie auf die äußeren!

Veraltetes Betriebssystem

Zwar ist das 3,7-Zoll-Display des Vertu Ti aus kratzfestem Saphirglas. Die Auflösung von 800x480 Bildpunkten (Pixeln) und einer Pixeldichte von 252 ppi aber ist gerade mal durchschnittlich. Das iPhone 5 bringt es mit seinem 4-Zoll-Display auf 1136x640 Pixel bei 326 ppi. Samsung schafft mit dem 5-Zoll-Display im Galaxy S4 gar 1920x1080 Bildpunkte und eine Dichte von 441 ppi.

Und als ob das noch nicht genug wäre, kommt das Vertu Ti mit dem veralteten Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) aus dem Jahr 2011 daher. Ein zwei Jahre altes Betriebssystem - im IT-Bereich ist das eine Ewigkeit! Zum Vergleich: Das ebenfalls Android-basierte Samsung Galaxy S4 hat die aktuelle Version 4.2.2 (Jelly Bean) an Bord. Nun lässt sich natürlich einwenden, das Samsung sei ja auch gerade erst erschienen. Aber nein: Tatsächlich wurde auch das Vertu Ti 2013 eingeführt. Autsch.

Immerhin macht der 1,7-Gigahertz-Prozessor mit 1 GB Arbeitsspeicher die Abläufe flüssig. 64 Gigabyte Speicher reichen zudem, um reichlich Musik und Videos zu horten. Diese Features sind allerdings auch absolut marktüblich und für den Preis zu erwarten.

Die Kamera hat acht Megapixel, einen Doppelblitz und macht ansehnliche Fotos. Die Skype-kompatible Linse auf der Vorderseite des Vertu Ti hat 1,3 Megapixel. Beim iPhone 5 sieht es ähnlich aus, nur Samsung - die Streber! - verpassen dem Galaxy S4 satte 13 Megapixel hinten und zwei vorn.

Der Schreck kommt beim Hochfahren

Das Hochfahren des Vertu Ti funktioniert intuitiv mit einem langen Druck auf den Stirnseitenknopf. Dann kommt der Schreck: Unvermittelt schreit eine Panflöte los. Der Desktop wirkt altbacken mit seiner Vertuellen Uhr, auf der einsam ein Sekundenzeiger seine Kreise dreht. Aber zum 80er-Jahre-Look des Telefons passt das natürlich.

Statt eine Taste wie andere Smartphones hat das Vertu Ti drei. Eine Zurück-Taste, eine Home-Taste und eine Menü-Taste. Leider führt die Home-Taste meist erst nach mehreren Klicks wirklich auf den Home-Bildschirm, und das Menü wirkt winzig. Aber es kann ja auch nicht alles sein wie bei Apple.

Interessant wird das Vertu Ti eigentlich erst mit einem Druck auf den "Vertu Key" (man beachte das Wortspiel) auf der linken Seite des Geräts. Dieser gewährt "Zugang zu einzigartigen Priviliegien und Vorteilen", verspricht Vertu im Handbuch. Eins davon ist der "Concierge".

Wer schnell noch Blumen verschicken oder einen Mietwagen vor die Tür gestellt haben möchte, kontaktiert den persönlichen Concierge über Telefon, Mail oder Messenger. Der Concierge, angesiedelt in Großbritannien, leitet dann alles Weitere in die Wege.

Ein Vertu Ti = elf iPhone 5

Der Service selbst ist im ersten Jahr kostenlos, die Dienstleistungen sind es natürlich nicht. Je nach Bedarf lässt sich sogar ein ganz persönlicher Telefonbetreuer buchen. Das kostet dann aber.

Der Menüpunkt "Life" ist ein weiterer exklusiver Service und hat verschiedene Tipps parat: etwa Vertuelle Stadtführungen, Restaurant-Vorschläge und Hotel-Empfehlungen. Wer ein Zimmer über den "Concierge" bucht, erhält häufig Rabatt. "Life" lässt sich zudem personalisieren und auf diese Weise mehr und mehr auf die Bedürfnisse des Nutzers zuschneiden. Zusammen mit dem "Concierge" bildet "Life" den Software-Mehrwert des Vertu Ti. In Sachen Hardware überzeugen vor allem die hochwertigen Materialien. Aber.

Für rund 10.000 Euro, die ein Vertu Ti Black Alligator kostet, ließe sich eine elfköpfige Familie mit iPhones 5 ausstatten - in der 64-Gigabyte-Version, versteht sich. Mit dem Samsung Galaxy S4 ließe sich gar die gesamte Verwandschaft auf den technisch neuesten Stand bringen. Zwar nur mit 16 Gigabyte, aber Speicherkarten tun's ja auch. Die passen übrigens nicht ins Vertu Ti.

Dafür ist das Edeltelefon exklusiv: Jedes einzelne Vertu Ti wird aus 184 Teilen zusammengesetzt, von einer einzigen Person. Und die darf sogar auf der Rückseite des Sim-Deckels unterschreiben. Das vorliegende Vertu Ti hat ein "C. Davis" gebaut. Ah ja.

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