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Samsung Galaxy S3: Das Flaggschiff

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Samsung Galaxy S3 im Test Einfach größer

Ist größer besser? Das ist die Frage bei Samsungs Galaxy S3. Es überragt mit seinem 4,8-Zoll-Display fast die ganze Konkurrenz. Dazu hat das Flaggschiff der Koreaner neue Ideen und moderne Technik an Bord. Im Test überzeugt der iPhone-Rivale, zeigt allerdings auch ein paar Schwächen.

Berlin - Die Vorschusslorbeeren waren üppig, die Erwartungen riesig: Viele Experten halten das Samsung Galaxy S3 für das Gerät, das Apples Vorherrschaft auf dem Smartphone-Markt brechen könnte. Die Voraussetzungen stimmen: Ein riesiger Touchscreen, ein leistungsstarker Prozessor und viele clevere Funktionen - darunter auch eine Sprachsteuerung. Doch wie schlägt sich das S3 in der Praxis?

Die erste Überraschung erwartet Galaxy-Käufer beim Auspacken: Statt des edlen Aluminiums von Konkurrenzmodellen hat das S3 auf der Rückseite nur eine Kunststoffabdeckung. Zwar handelt es sich dabei nicht um billiges Plastik, besonders wertig fühlt es sich aber trotzdem nicht an. Und zumindest auf dem weißen S3 hinterlässt der Besitzer schnell gut sichtbare Fingerabdrücke.

Allerdings hat die Hülle auch einen praktischen Nutzen. Erstens spart sie Gewicht - mit nur rund 130 Gramm liegt das S3 trotz des großen 4,8-Zoll-Displays leicht in der Hand. Und zweitens lässt sich der Gehäusedeckel entfernen, um darunter den Akku auszutauschen. Besitzer eines Smartphones mit einem schicken Unibody-Gehäuse aus einem Guss müssen dagegen bei Batterieproblemen gleich das ganze Gerät reparieren lassen.

Neben dem Akku findet sich unter der Abdeckung auch der Slot für die Micro-SIM-Karte - denn auch Samsung setzt jetzt auf das kleinere Format. Wer noch eine alte Karte hat, kann sie im Fachhandel auf das neue Format umwandeln lassen. Bei etwas neueren Modellen geht das aber auch von Hand. Ist die Karte eingelegt, macht sich der schnelle Quadcore-Prozessor des Samsung Galaxy S3 bemerkbar: Vom Einschalten bis zur Betriebsbereitschaft vergehen nur wenige Sekunden.

Vorsicht mit dem Daumen

Ähnlich schnell geht es weiter: Die Startbildschirme und Menüs flutschen über den Bildschirm, das AMOLED-Display mit seiner Auflösung von 1280 mal 720 Pixeln (720p) überzeugt mit hohem Kontrast und schönen Farben, auch bei niedriger Bildschirmhelligkeit. Die Bedienung ist für Nutzer mit großen Händen komfortabel - für kurze Finger ist das gewaltige Display dagegen etwas zu groß. Bei der Einhandbedienung per Daumen passiert es außerdem schnell, dass man unabsichtlich einen der beiden empfindlichen Buttons links und rechts unter dem Touchscreen auslöst.

Das Betriebssystem Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) hat Samsung für das Galaxy S3 um ein paar eigene Apps und Funktionen erweitert. Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Sprachsteuerung S Voice. Sie versteht nicht nur Kommandos wie "Rufe", sondern auch vollständige Sätze und Fragen wie "Wie wird das Wetter heute?".

Weil die Sprachsteuerung an einen Onlinedienst gebunden ist, funktioniert sie nur mit Netzwerkverbindung. Zudem gibt es dadurch nach jedem Kommando eine kleine Denkpause. Der Onlinedienst ist vermutlich auch für die Probleme verantwortlich, die S Voice im Test hatte: Beim ersten Versuch verstand das S3 zunächst überhaupt kein Kommando, einen Tag später funktionierte die Erkennung plötzlich problemlos.

Schwächen zeigt das Galaxy S3 in der deutschen Menüführung. Manche Schaltflächen wirken etwas hastig übersetzt und sind kaum verständlich. Anderswo sind die deutschen Texte zu lang und werden deshalb abgeschnitten. Gut verständlich sind dagegen die Hilfstexte, die das S3 beim ersten Aufrufen vieler Funktionen einblendet.

Viele neue Funktionen

Darunter sind eine ganze Menge neuer Funktionen: Beim Lesen einer E-Mail reicht zum Beispiel eine einfache Bewegung zum Ohr, um den Absender anzurufen. Eine Bewegung mit der Handkante über das Display macht einen Screenshot. Und wer das S3 mit dem Display nach unten ablegt, stellt automatisch alle Signaltöne ab. Im Einstellungsmenü können Nutzer jede dieser Funktionen einzeln an- und ausschalten.

Bei anderen Neuerungen zeigt sich die Leistungsstärke des Prozessors: So können Nutzer ein laufendes Video zum Beispiel auf Briefmarkengröße verkleinern und weiterlaufen lassen, während sie parallel im Netz surfen oder E-Mails lesen. Und die schnelle Acht-Megapixel-Kamera kann während der Aufnahme von Videos ohne Qualitätsverlust Fotos machen.

Für Android gibt es bisher kaum Spiele, die die Kapazitäten des Chips ausnutzen. Allerdings zeigt sich auch bei anspruchslosen Spielen schnell ein Nachteil der Kombination von einem starkem Prozessor und einem neun Millimeter dünnen Gehäuse: Bei längeren Sitzungen wird das Gehäuse spürbar wärmer. Unangenehme Hitze entsteht dabei aber nicht.

Der 2100 Milliamperestunden (mAh) große Akku ist dem Stromhunger des Prozessors offenbar gewachsen: Im Test hat er auch nach einem Tag Dauerbetrieb mit Telefonaten, Videos, mobilem Internet und Spielen noch gut ein Viertel an Saft - vergleichbare Smartphones schaffen da deutlich weniger.

Im Handel ist das Galaxy S3 ab dieser Woche für rund 580 Euro in den Farben Weiß und Blau erhältlich. Einige Mobilfunkprovider bieten das Gerät in Kombination mit einem Vertrag zu deutlich geringeren Kaufpreisen an. Nach Angaben des Telekommunikationsportals "Teltarif.de" zahlen Verbraucher bei solchen Angeboten aber eher drauf: Die Kombination aus einem regulär gekauftem Smartphone und einem günstigen Daten- und Mobilfunktarif vom Discounter sei auf lange Sicht deutlich günstiger.

Tobias Hanraths, dpa
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