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Drahtlos-Musiksysteme: Bässer geht immer

Foto: Canton

Musiksysteme Kabellos glücklich

Wer im ganzen Haus Musik hören wollte, musste früher meterlange Strippen ziehen oder sich mit knisternden Funkboxen zufrieden geben. Das war einmal. Heute liefern drahtlose Geräte Spitzenklang. manager magazin online hat vier Systeme auf Bässe und Höhen getestet.
Von Martin Hintze

Hamburg - Wireless ist der Trend bei Musiksystemen. Inzwischen tummeln sich etliche Hersteller auf dem Markt, die verschiedenste Systeme anbieten. Sie lassen sich ganz grob in vier Gruppen einteilen:

• Boxen für Apple-Geräte

• Systeme, die das heimische WLAN nutzen

• Systeme, die ein eigenes Netzwerk aufbauen

• Sender und Empfänger für bereits vorhandene Hifi-Anlagen

Wir haben exemplarisch je ein System unter die Lupe genommen und dabei besonders viel Wert auf das Einrichten, die Bedienbarkeit und natürlich den Sound gelegt. Hier die Ergebnisse:

Für Technik-Muffel: Canton Your World

Einmal Canton, immer Canton - das ist offenbar das Ziel der deutschen Lautsprecherschmiede. Die Your World-Serie ist nach dem Baukastenprinzip aufgebaut, das jede Menge Kombinationsmöglichkeiten erlaubt. Und um das Fazit vorweg zu nehmen: Es macht viel Spaß, damit herumzuprobieren.

Fangen wir beim Aufbau an. Zum Test standen zur Beschallung die aktiven Stereo-Lautsprecher Your Duo (499 Euro) zur Verfügung, als Sender Your Stick (99 Euro, für Rechner) und Your Dock (149 Euro, für iPhones und iPods - iPads lassen sich nicht anschließen). Es funktioniert "out of the box", in minutenschnelle sind Lautsprecher und Sender einsatzbereit. Software-Installationen oder Einstellungen gibt es nicht. Die Bedienungsanleitung hätte sich Canton auch sparen können, alles ist selbsterklärend - herrlich.

Beide Sender verfügen über einen zusätzlichen analogen Audio-Eingang, über den beliebige Quellen wie Stereo-Anlagen oder digitale Musik-Player, die nicht von Apple stammen, eingespeist werden können. Wenn etwas darüber angeschlossen ist, wird einfach das Signal von iPod/iPhone oder Rechner außen vor gelassen. Ganz nebenbei lädt das Your Dock den Akku, dafür brauch es Saft aus der Steckdose. Der Your Stick begnügt sich mit dem Strom aus der USB-Schnittstelle.

Farben sorgen für Überblick

Ein simples System mit dem Your Stick als Sender im Arbeitszimmer und den Your Duo-Boxen als Empfänger in der Küche ist rasch aufgebaut. Genauso einfach ist die Kombination mit einem weiteren Sender. Im Wohnzimmer wird zusätzlich das Your Dock aufgestellt. Jetzt kann per Fernbedienung an den Boxen zwischen den Sendern in Arbeits- und Wohnzimmer gewechselt werden. Drei Sender pro Empfänger sind möglich, mehrere Empfänger lassen sich zu Gruppen zusammenschalten. Für den Überblick sorgt ein Farbsystem.

So kann verschiedene Musik in verschiedenen Räumen erklingen oder der gleiche Sound rockt die ganze Hütte - schlicht Partymodus genannt. Dank eines analogen Ausgangs am Your Dock kann dazu auch die gute alte Hifi-Anlage genutzt werden. Sehr elegant ist die Funktion, per Fernbedienung über die Boxen nicht nur die Lautstärke und Sender zu wählen, sondern auch die Titel des drei Zimmer entfernten iPods zu pausieren oder zu skippen - das klappt aber nur beim Your Dock. Ein kleines Manko: Die Signalstärke des Your Stick kommt bei vier Zwischenwänden an seine Grenzen.

Das Wichtigste zum Schluss: der Klang. Die beiden ziemlich unscheinbar aussehenden Stereo-Boxen in weißem oder schwarzem Klavierlack haben es in sich. Die getrennten Bass- und Hochtöner bieten einen sehr ausgewogenen und präzisen Sound bis in hohe Lautstärken, wobei der Bass nicht schwammig und nicht zu dominant ist. Für eine Party in der Wohnung reicht das locker. Ergänzen lässt sich das Ganze mit der Stand-Alone-Box Your Solo (499 Euro) und ab Mai mit dem neuen Subwoofer Your Sub.

Für Apple-Jünger: B&W Zeppelin Air

Schon beim Öffnen des Kartons wird klar: Diese Anlage vom englischem Hersteller Bowers & Wilkins (B&W) hält sich nicht lang mit britischem Understatement auf. Egal ob Wohnzimmer, Küche oder Wintergarten - die 65 Zentimeter lange und sechs Kilo schwere Zigarre fällt immer und überall auf.

In der Mitte zwischen den schwarz abgedeckten Lautsprechern befinden sich sehr dezent designte Tasten für den Standby-Modus und die Lautstärke. Davor ragt ein Anschluss für iPods oder iPhones (nicht aber iPads) in die Luft, der eines ganz deutlich macht: Ich bin ein Musiksystem für Geräte mit dem angebissenen Apfel.

Beinahe altmodisch kann das Zeppelin Air als Docking-Station betrieben werden. Box aufstellen und mit Strom versorgen, iPod oder iPhone auf die Halterung stecken und los geht's. Dabei wird natürlich auch der Akku des Players aufgeladen. Für andere Musikquellen steht noch ein analoger Eingang zur Verfügung.

Drahtlos kann es die Zigarre freilich auch - allerdings klappt das nur mit Airplay, dem Streaming-Verfahren von Apple, das Musik von der Software iTunes über das heimische WLAN-Netz funkt. Zum Einrichten muss aber doch erstmal ein Kabel her, damit das Zeppelin Air ins Netzwerk eingebunden werden kann. Das klappt nach rund zehn Minuten auch ohne Probleme, danach verschwindet das Kabel wieder im Karton.

Fette Bässe

Im iTunes-Programm am PC/Mac oder bei anderer WLAN-tauglicher Apple-Hardware erscheint nun das Airplay-Symbol, mit dem man die gewünschte Box als Wiedergabegerät auswählen kann. Darüber lassen sich auch mehrere Airplay-Boxen einbinden und so die ganze Wohnung beschallen - allerdings nur mit der gleichen Musik. An der WLAN-Schnittstelle scheint B&W nicht gespart zu haben, Empfangsschwierigkeiten tauchten im Test nicht auf. Allerdings kann Airplay die Geschwindigkeit des WLAN-Netzes beeinträchtigen.

Ebenfalls nicht gespart wurde am Bass. Der fällt recht kräftig und raumfüllend aus, was akustischer Musik wie Jazz und Klassik viel Leben einhaucht. Bei ohnehin schon basslastigen Klängen kann es dagegen zuviel des Guten sein. Dann hilft nur im iTunes-Equalizer nachzuregeln. Sonst gibt es am Sound aber nichts zu meckern, im Gegenteil: Das Zeppelin Air kann locker mehr als Zimmerlautstärke.

Dank der Zigarrenform kommen auch Stereoeffekte gut zur Geltung - was bei Stand-alone-Boxen selten der Fall ist. Für die komplett auf Apple zugeschnittene Anlage verlangen die Briten 599 Euro.

Für Dauer-Hörer: Sonos

Der Hersteller Sonos aus Kalifornien gilt als Vorreiter unter den Streaming-Anbietern. Ziel des Systems: das komplett vernetzte Zuhause, in dem jeder Raum eigene Boxen bekommt und jede Musikquelle eingespeist wird. Gesteuert wird die Beschallung via Apps für Smartphone und Tablet oder über einen separaten Controller.

Ein Wisch auf dem Bildschirm - und im Kinderzimmer läuft das Hörbuch von der Netzwerkfestplatte. Noch ein Wisch - und in der Küche läuft das Lieblings-Internetradio. Gleichzeitig erklingt die Jazzplatte von der Hifi-Anlage im Arbeitszimmer am Kamin im Wohnzimmer oder - noch ein Wisch - in allen Räumen zugleich. Natürlich in CD-Qualität.

Soweit die Theorie. Doch vor dem Vergnügen steht das Einrichten des Systems. Und das hat es in sich. Die Komponenten müssen in das eigene WLAN-Netzwerk integriert werden. Das sieht dank der Apps für iOS- und Android-Geräte erst einmal simpel aus. Wird aber eine Komponente vom Netzwerk nicht erkannt, gehen die Probleme los.

Im Test klappte es bei der Sonos-Box Play:3 nicht. Nach einer Stunde vergeblichen An- und Abstöpselns wanderte sie leider ungehört wieder in den Karton. Allerdings zeigte das Testset deutliche Gebrauchsspuren - vielleicht war die Box schlicht beschädigt.

Immer online

Mit dem großen Bruder Play:5 gab es dagegen keine Probleme. Die wuchtige Stand-alone-Box mit ihren fünf Lautsprechern hat einen ausgewogenen Klang mit ordentlichem Bass-Fundament. Für 399 Euro erhält man ein Gerät, das vollkommen ausreicht, um mittelgroße Räume zu beschallen. Zudem verfügt es über einen analogen Eingang.

Die kleinere Play:3-Box kostet 299 Euro, zwei von ihnen lassen sich auch zu einem kabellosen Stereopaar zusammenschalten. Pflicht ist die Bridge (49 Euro), um die Boxen mit dem eignen WLAN zu koppeln. Wer seine Hifi-Anlage oder das Heimkino in das System integrieren will, greift zur Connect (349 Euro). Für Passiv-Boxen gibt es den Connect-Amp (499 Euro).

Den Ausschalter sucht man bei Sonos-Komponenten übrigens umsonst. Es gibt lediglich ein automatisches Standby, wen es länger nicht genutzt wird. Typisch Amerikaner, möchte man fast sagen. Dafür gibt es eine komfortable Weckfunktion.

Für Ungebundene: Audiofly Revel

Das Revel-System von Audiofly fällt etwas aus dem Rahmen der hier getesteten Geräte, denn es handelt sich lediglich um Sender und Empfänger, um eine bereits vorhandene Hifi-Anlage für das kabellose Zeitalter zu rüsten und digitale Musiksammlungen zum Klingen zu bringen. Boxen sind nicht dabei.

Doch genau darin liegt auch der Reiz des Ganzen. Es ist ein offenes System, in das alle erdenklichen Beschallungsanlagen vom Luxus-Hifi-Turm über Aktivboxen bis zu kleinen Küchenradios - sofern sie einen Audioeingang haben - integriert werden können.

Schon die Verpackung macht klar: Simpler geht es wohl kaum. In der kleinen weißen Box liegen die winzigen Sender iRevel für alle Apple-Geräte mit Dock-Connector und Revel für den Anschluss von PCs oder Laptops via USB. Dazu noch ein handlicher Empfänger, der das Signal an Anlage oder Boxen überträgt. Punkt.

Keine zusätzliche Software, kein installieren, kein WLAN, kein Bluetooth. Einfach den Sender an die Musikquelle anstöpseln, dann den Empfänger an Strom und Boxen oder Stereoanlage anschließen - fertig. Die Verbindung baut sich binnen weniger Sekunden selbst auf.

Kaum Akku-Verbrauch

In diesem Test wurde ein Windows-Laptop beziehungsweise ein iPod Nano und ein iPad 2 mit einer Stereoanlage verbunden. Der Ton perlte glasklar aus den Boxen. Eine 75-Quadratmeter-Wohnung brachte die Komponenten von Audiofly nicht ins Schwimmen. Der Abstand zwischen Sender und Empfänger spielte für den Sound keine Rolle. Auch Filme und Spiele sind dank der verzögerungsfreien Wiedergabe kein Problem.

Erstaunlich: Im Gegensatz zu WLAN oder Bluetooth nimmt der Audiofly-Sender den Akku sehr wenig in Anspruch. Laut Hersteller können pro Quelle vier Empfänger genutzt werden, was im Test aber nicht ausprobiert wurde. Das offene System mit der sehr guten Bedienbarkeit hat seinen Preis: Der iRevel kostet 398 Euro, der Revel 369 Euro. Ein Empfänger ist jeweils dabei.

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