Sonntag, 26. Januar 2020

Ifa-Vorschau Neues aus der Kaffeeküche

Bei Kaffeemaschinen zeigen sich derzeit zwei gegenläufige Trends. Zum einen wächst der Sektor der bedienerfreundlichen Pad- und Kapselgeräte, zum anderen rüsten viele Verbraucher immer weiter Richtung Profi-Sektor auf. Folgerichtig erweitern die Hersteller das Luxussegment nach oben.

Hamburg - Auf der Internationalen Funkausstellung Ifa (2. bis 7. September) lässt Kaffeemaschinen-Hersteller Jura es richtig krachen. Das lässt schon der Name des Gerätes erahnen, das der Premium-Anbieter in Berlin vorstellen will: Giga 5 heißt das gute Stück, das das oberste Segment der Vollautomaten um ein ganzes Stück erweitern soll - in die, wie Jura es nennt, "neue Super-Premium-Klasse".

Vor allem im Preis. 3750 Euro soll die unverbindliche Preisempfehlung von Jura dem Vernehmen nach lauten. Das österreichische Fachmagazin "Elektro und Wirtschaft" zitiert Jura-CEO Emunuel Probst mit den Worten: "Wenn wir Vollautomaten mit rund 2000 Euro UVP verkaufen können, dann können wir sie auch mit weit über 3000 Euro verkaufen."

Keine Frage: Auch in diesem Preissegment werden sich Käufer finden. Der Kaffee ist den Deutschen lieb und vor allem - teuer. Es wird hierzulande mehr Kaffee getrunken als selbst Mineralwasser (oder Bier). Die Neuerscheinungen im Maschinenpark der Ifa zeigen zwei gegenläufige Trends, wie Holger Preibisch, Hauptgeschäftsführer des deutschen Kaffeeverbandes, feststellt: "Zum einen verlangt der Konsument immer einfachere Zubereitungsformen", resümiert er, "dies zeigt sich im rasanten Wachstum der Vollautomaten sowie Pads und Kapseln. Zugleich wächst auch - wenngleich nicht so rasant - der Markt für Siebträger, deren Handhabung recht komplex ist und handwerkliches Geschick erfordert."

In dieses Segment fallen Geräte wie die edelstahlblitzende italienische Schönheit La Pavoni Verobar VrR Blue Brand, deren Deutschlandvertrieb mit der Ifa beginnt. 29 Kilogramm schwer und 3000 Euro teuer ist das gute Stück und kommt seiner Funktion, exquisite Heißgetränke zu bereiten, ebenso gerne nach wie der, als Statussymbol zu prunken.

Drehregler für die richtige Kaffeestärke

Weitere Neuzugänge im Premiumsegment sind die WMF Baldessarini, die vor allem auf das männliche Publikum abzielt und für knapp 2000 Euro mattschwarze Exklusivität verspricht - schließlich ist die Maschine auf 1999 Exemplare limitiert. Außerdem die Philips Saeco Royal One Touch Cappucino, die für rund 1300 Euro größtmöglichen Bedienkomfort verspricht - acht Kaffeespezialitäten lassen sich, wie der Name sagt, mit dem Druck auf jeweils einen Knopf auswählen. Die neue Bosch VeroCafé Latte hingegen erledigt das für knapp 700 Euro mit zwei Drehreglern, die jeweils Tassengröße und Kaffeestärke einstellen - wer sich für die AromaDouble Shot Funktion entscheidet, die noch hinter "stark" kommt, tut das auf eigene Gefahr.

Die weitaus meisten Verbraucher schätzen es allerdings noch einfacher. Der Anteil von Pads und Kapseln beim verkauften Kaffee ist zwischen 2009 und 2010 noch einmal um 16 Prozent gestiegen und macht jetzt schon nahezu neun Prozent der 406.500 Tonnen verkauften Röstkaffees aus - ein gutes Geschäft, denn verkapselt oder verpaddet kostet der Kaffee ein Vielfaches vom unverpackten Produkt.

Eine Sprecherin der Media-Saturn-Holding stellt für die Elektrofachmärkte der Gruppe fest, "dass das gesamte Segment Kaffeemaschinen/automaten sehr in Bewegung ist". Das Kundeninteresse an Kapsel- und Padmaschinen nehme rasant zu. "Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass der Trend eher zur 'Zweitmaschine' geht. Die Nachfrage nach Filterkaffeemaschinen ist nach wie vor ungebrochen." Eines der wichtigsten Extras für Kunden bei neuen Maschinen sei die "One-Touch-Cappuccino-Funktion", die Cappuccino oder Latte Macchiato auf Knopfdruck ohne lästiges Selbst-Aufschäumen der Milch produziere.

So hat etwa AEG in Kooperation mit dem italienischen Kaffeehersteller Lavazza das Modell Favola A Modo Mio entwickelt, das mit Kapseln arbeitet; und Edelhersteller De'Longhi kombiniert bei der neuen Lattissima plus das Nespresso-Kapselsystem mit einem neuen Milchaufschäumsystem, das die Luftblasendichte reduzieren soll. Philips versucht derweil, seiner bewährten Senseo einen Öko-Touch zu verleihen; die neue Viva Café Eco besteht zu 50 Prozent aus recyceltem Kunststoff.

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