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Kopfhörer: Besserer Klang im Alltag

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Kopfhörer Da kriegt man was zu hören

Unterwegs Musik hören ist dank MP3-Playern jederzeit und überall möglich. Wer dabei auf einen ausgewogenen Klang Wert legt, kann aus einer Vielfalt von Kopfhörern wählen. Der entscheidende Unterschied: In-Ear- oder halboffene Kopfhörer.

Offenbach/Stuttgart - Ob in der Bahn, beim Joggen oder beim Einkauf im Supermarkt - mit MP3-Player oder Handy kann jeder seine Lieblingssongs immer und überall hören. Allerdings liefern die von den Herstellern mitgelieferten Ohrstöpsel oft eher schlechte Tonqualität. Rauschen und Kratzen können das Hörerlebnis deutlich mindern. Erst mit guten und passenden Kopfhörern stimmt der Klang. Den Allzweckkopfhörer für jede Situation gibt es nicht - die meisten Unterwegshörer dürften aber mit In-Ears oder halboffenen Kopfhörern glücklich werden.

Leicht zu verstauen und überhaupt nicht schwer: In-Ear-Kopfhörer lassen sich gut transportieren und sind damit immer griffbereit. Man steckt sie direkt in den Gehörgang, sodass die Membran dicht vor dem Trommelfell sitzt. "Kein Störgeräusch kommt rein oder raus - dies ist zum Beispiel günstig in der U-Bahn", sagt Jürgen Ripperger vom VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut.

Durch die unmittelbare Nähe von Membran und Ohr ist der Leistungsbedarf gering, der Akku des Players wird wenig beansprucht. Für Sportler ist besonders der feste Sitz in der Ohrmuschel interessant - ein Verrutschen oder Herausfallen ist fast unmöglich. Nachjustieren bei bewegungsintensiven Übungen wie im Fitnessstudio entfällt, auch beim Kopfstand bleiben gut sitzende In-Ears im Ohr - im Gegensatz zu den eher unpraktischen Ohrhörern, die in die Ohrmuschel gehängt werden.

Trotz ihrer unscheinbaren Größe liefern die In-Ear-Stöpsel eine durchaus annehmbare Bassqualität, erklärt Holger Biermann, Chefredakteur der Zeitschrift "Stereoplay": "Weil der In-Ear im Gehörgang sitzt und durch den richtigen Gummiaufsatz eine hohe Dichtheit möglich ist, wird auch der Bass als sehr tief und kräftig wahrgenommen - im Gegensatz zu der eigentlichen Größe des Geräts."

Außengeräusche sind nicht mehr hörbar

Da das Innenohr bei jedem Menschen unterschiedlich ist, werden In-Ears meist mit mindestens drei unterschiedlichen Aufsätzen geliefert. Welche der sogenannten Silikon-Ohrmanschetten am besten in der Ohrmuschel hält, lässt sich durch Ausprobieren feststellen. "Es gibt Hunderte von Standardgrößen bis hin zu Ohrform-angepassten Modellen", sagt Biermann. Einige Hersteller bieten für bestimmte Modelle sogar die Möglichkeit, die Stöpsel beim Hörgeräteakustiker direkt für die eigene Ohrmuschel passend zu formen.

Ausschlaggebend beim Kauf von In-Ears sollten Klangqualität und Passform sein. Die Günstigsten kosten um die fünf Euro, teure Modelle gibt es aber auch für mehrere Hundert Euro. Allerdings sind die Stöpsel nicht unbedingt für jeden geeignet. Das Gefühl, etwas im Gehörgang zu haben, wird manchen abschrecken. Hinzu kommt, dass die Dämpfung von Außengeräuschen auch zum Problem werden kann. Autos, Busse und andere Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr hört man kaum oder gar nicht - das Unfallrisiko steigt. Außerdem ist der In-Ear-Träger kaum ansprechbar und von der Umwelt isoliert.

Das ist bei halboffenen Kopfhörern anders. Man bleibt ansprechbar, die Umgebungsakustik wird gedämpft, dringt aber noch ans Ohr. Nahende Autos hört man, bevor sie wie aus dem Nichts auftauchen. Die offenere Bauweise bringt aber auch einen deutlichen Nachteil: Der Sitznachbar im Bus, Zug oder Flugzeug muss je nach Lautstärke mithören und könnte sich eventuell gestört fühlen.

Weniger Störgeräusche, aber auch weniger Bass bei Kopfhörern

Halboffene Kopfhörer haben ihrer Stöpselkonkurrenz aber beim Sound manches voraus, wie Jürgen Ripperger betont: "Sie klingen meist ausgewogener, weil kein abgeschlossenes Luftvolumen vorhanden ist." Die Bassleistung ist im Vergleich zu In-Ears etwas schwächer, dafür verschwinden bestimmte Störtöne, sagt Stereoplay-Experte Biermann: "Die lästigen Kabel- und Trittschallgeräusche werden nicht so stark übertragen wie bei den In-Ears."

Ob große oder kleine Muscheln, Schaumstoff- oder Lederpolster, zusammenklappbar oder nicht - die Auswahl an Kopfhörern ist groß. Hier entscheiden persönliche Vorlieben - und für viele auch der Lifestyle-Aspekt. Denn halboffene Kopfhörer sind im Gegensatz zu den In-Ears ein Hingucker. Die Preise beginen bei rund zehn Euro.

Ein pauschales Gesundheitsrisiko sieht Michael Deeg vom Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte weder bei In-Ears noch bei halboffenen Modellen. Denn ausschlaggebend ist nicht der Kopfhörer, sondern der absolute Schallpegel, sagt der Facharzt: "Je größer der Schallpegel und je länger die Beschallung, desto höher ist das Schadensrisiko." Für Jogger seien In-Ears aber etwas besser geeignet: "Kommen halboffene Kopfhörer beim Sport zum Einsatz, neigen die Hörer dazu, aufgrund der Umgebungsgeräusche lauter aufzudrehen."

Wer nach dem Musikhören mit Kopfhörern oder In-Ears ein Rauschen oder ein betäubtes Gefühl in den Ohren hat, sollte schleunigst sein Hörverhalten ändern - denn meist macht er zu wenige Pausen oder hört mit einer zu hohen Lautstärke. "Bei einem Pegel über 90 Dezibel muss man damit rechnen, Schallschäden davonzutragen", erklärt Deeg. 90 Dezibel entsprechen in etwa der Lautstärke einer Kreissäge oder einer Bohrmaschine. Auf eine Begrenzung der Lautstärke ab Werk verzichten die meisten Hersteller. Aber es gibt Modelle für Kinder, bei denen ein Lautstärkeregler arretiert und nicht ohne Werkzeug verstellt werden kann.

Thomas Schörner, dpa

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