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Playbook: Ein Tablet für den Blackberry

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Tablet-PC Playbook Nicht ohne den Blackberry

Research in Motion brachte vor Kurzem seinen ersten Tablet-PC auf den Markt. Das Playbook verfügt über ein neues Betriebssystem und soll mehr Multimedia, mehr Geschwindigkeit und vor allem mehr Blackberry bieten. Ein einwöchiger Test zeigte, welche Versprechungen das Gerät halten kann.

Hamburg - Ganz schön klein und ganz schön schick - das sind die ersten Eindrücke nach dem Auspacken des Blackberry Playbook. Ein flugs zum Größenvergleich daneben gelegtes iPhone 4 ist nur unmerklich flacher als das Tablet. Da ist zumindest ein Urteil schnell gefällt: Das Playbook ist mit seinem sieben Zoll großen Bildschirm - viel mehr als seine Zehn-Zoll-Konkurrenten - ein Gadget zum Mitnehmen. Aktentasche oder Rucksack werden mit weniger als einem Pfund belastet, locker flutscht das Playbook in jeden freien Zwischenraum.

Schade nur, dass es nicht autark ist. Denn mit dem Internet kann sich das Playbook nur per W-Lan verbinden. Das mag zu Hause und im Büro gut funktionieren, ist unterwegs aber oft unpraktisch, weil man eben doch nicht überall ein W-Lan findet, über das man online gehen kann. Eine Variante mit integriertem Mobilfunkmodem ist zwar in der Planung, aber wann man ein solches 3-G-Playbook wird kaufen können, ist noch vollkommen unklar. Genau wie der Verkaufsbeginn für das Playbook in Deutschland übrigens. Das Testgerät stammt aus den USA, wo der Handel Ende März begonnen hat.

Während man auf den mobilen Internetzugang vielleicht noch verzichten könnte, will man Firmen-E-Mails, Termin- und Kontaktverwaltung sowie seine Aufgabenverwaltung nicht missen. Schon gar nicht, wenn es ein Blackberry ist. Schließlich steht der Name fast synonym für das mobile Arbeiten. Mit den Blackberrys hat alles angefangen, und die Blackberrys haben das mobile Senden und Empfangen sicher verschlüsselter Nachrichten perfektioniert - außer auf dem Playbook.

Ausgerechnet eine E-Mail-Anwendung findet man auf dem Playbook nämlich nicht, auch wenn es zunächst den Anschein hat. Denn in der App-Ablage des Playbook sind tatsächlich vier vermeintliche E-Mail-Apps gelistet: "Gmail", "Hotmail", "Yahoo! Mail" und "AOL Mail". Die entpuppen sich allerdings allesamt als laue Links, die lediglich auf die Seiten der jeweiligen Webmail-Dienste verweisen. Und auch einen Kalender sucht man vergeblich. Adress-App? Fehlanzeige!

Die Auflösung für diesen Mangel: Alles was man vom Blackberry kennt, am Blackberry schätzen gelernt hat, bleibt auch auf dem Blackberry. Via Bluetooth-Kurzstreckenfunk müssen Blackberry-Smartphone und Blackberry-Tablet miteinander verbandelt werden, damit man auf die Daten, die man bisher über das Handy verwaltet hat, auch auf dem Tablet zugreifen kann. Das Playbook ergibt also nur im Doppelpack mit einem Handy aus demselben Hause Sinn. Solo ist es nur der halbe Spaß. Wenn überhaupt.

Überzeugendes Betriebssystem

Die Verbindung zwischen den beiden Welten wird über eine App namens Blackberry Bridge hergestellt, die auf beiden Geräten installiert sein muss. Einmal derart miteinander verknüpft, kann der Verbindungsaufbau künftig automatisch erfolgen. Dann hat man auch vollen Zugriff auf alle Blackberry-Funktionen, auch auf E-Mails. Und die lassen sich auf dem großen Bildschirm natürlich viel besser lesen und bearbeiten als auf einen Handy-Display.

Schade nur, dass man immer ein wenig Wartezeit einkalkulieren muss, bis beispielsweise der Text einer E-Mail angezeigt wird. Offenbar werden die Inhalte weiterhin auf dem Handy gespeichert und das Tablet lediglich als Display benutzt. Das schränkt einerseits den Benutzerkreis für das Playbook ein - wer keinen Blackberry hat, kann nur einen Teil der Möglichkeiten nutzen. Das lässt das Playbook aber auch halbfertig wirken, so als wäre es quasi aus Versehen schon in den Handel gekommen, bevor die Entwicklung abgeschlossen war.

Dabei ist es ausgesprochen schade, dass sich dieser Eindruck einstellt. Denn abgesehen von den fehlenden Blackberry-Fähigkeiten kann das Playbook in fast allen anderen Bereichen überzeugen. Vor allem das Display glänzt, und das nicht nur wegen seines Hochglanz-Deckglases. Weil sich auf dem vergleichsweise kleinen Bildschirm 1024 x 600 Pixel Platz drängen, müssen die sich so eng zusammenrotten, dass sie nicht mehr als Einzelpunkte zu erkennen sind. Auch wenn der Playbook-Bildschirm längst keine HD-Auflösung erreicht, sieht es nach HD-Qualität aus.

Bemerkenswert ist auch das neue Betriebssystem, das für das Playbook entwickelt wurde. Dessen Optik ist zwar in vielerlei Hinsicht an das gewohnte Blackberry-Design angepasst, die Funktionsweise aber unterschiedlich. Vor allem das Multitasking funktioniert hervorragend. Stellt man ein laufendes Programm in den Hintergrund, arbeitet es dort ungebremst weiter. Hübsch anzusehen ist das beispielsweise beim Videoplayer. Ebenso bei Flash-Inhalten, die das Playbook mit seinem Ein-Gigahertz-Dualcore-Prozessor abspielen kann.

Android ist noch in der Planung

Auch das Angebot an Apps speziell für das Playbook kann sich mengenmäßig sehen lassen. Rund 3000 Playbook-Apps waren zum Start in der Blackberry App World zu finden. Nicht alle davon sind Highlights, aber Apps wie "Need for Speed Undercover", "Weathereye" und die Videochat-App "Adobe Connect" können sich sehen lassen. Mitgeliefert werden unter anderem die Office-Apps "Word to Go", "Sheet to Go" und "Slideshow to Go", mit denen man Texte, Tabellen und Präsentationen am Tablet bearbeiten kann.

Mitgeliefert wird auch eine App, mit der man im Online-Shop von 7digital Musik kaufen kann. Was dagegen fehlt, ist die von Research in Motion (RIM) versprochene Möglichkeit, Android-Apps zu verwenden. Erst im Laufe des Sommers soll entsprechende Software nachgeliefert werden. Einen ersten Blick darauf gewährte der Konzern auf der Blackberry World Anfang Mai in Florida. In dem dort gezeigten Android-Player liefen Apps, die für das Google-System programmiert waren Berichten zufolge problemlos.

Sobald der Player fertig ist, will RIM Android-Apps direkt über seine App World anbieten. Das ist bequem, bedeutet aber auch, dass nur solche Apps Einlass finden, die zuvor von ihren Entwicklern bei RIM eingereicht wurden. Wer nun hofft, auf dem Playbook auch Tablet-Apps benutzen zu können, die für die Android-Version 3.0 (Honeycomb) entwickelt wurden, wird enttäuscht. Das Angebot an solchen Apps sei zu gering, sagte ein RIM-Manager gegenüber einer niederländischen Nachrichtenseite.

Fazit nach einer Woche Dauertest: Da hat man ein ausgesprochen schickes Gerät gebaut, sich aber nicht genug Zeit gelassen, es wirklich zu Ende zu entwickeln. Noch während des Tests wurde ein 280 Megabyte großes Update eingespielt, dass unter anderem eine eigene Videochat-App nachlieferte. Ähnliche Updates dürften Playbook-Anwender in den kommenden Monaten noch des Öfteren erreichen. Wünschenswert wäre eine Entkopplung von Smartphone und Tablet.

Eine wichtige Neuerung dürfte die angekündigte 3G-Version des Playbook sein, die dann hoffentlich unabhängig von einem Blackberry-Smartphone über das Mobilfunknetz ins Internet gehen kann.

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