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Die neuen Tablets: Hier läuft Android 3.0

Foto: Motorola

Neue iPad-Konkurrenten Angriff der Honigwabe

Das Lieblingsgerät der Apple-Jünger, das iPad, bekommt mächtig Konkurrenz. In diesem Jahr wollen einige Hersteller Tablet-PCs mit dem neuen Betriebssystem Honeycomb ausstatten. Den Anfang macht Motorola. Hier lesen Sie, was die neue Geräte-Generation kann und welche Alternativen kommen.

Hamburg - Motorola wird den Anfang machen, das steht fest. Auf der CES (Consumer Electronics Show), Anfang Januar in Las Vegas, hat das bloße Gerücht, der US-Konzern werde ein Honeycomb-Tablet zeigen, ausgereicht, um Hunderte Journalisten zur Motorola-Pressekonferenz zu locken.

Enttäuscht wurden sie nicht. Tatsächlich zeigte Motorola das Xoom, ein 10-Zoll-Tablet mit Honeycomb darauf - theoretisch zumindest. Denn was die Top-Manager der jetzt Motorola Mobility genannten Mobilfunkfirma da auf ihrem schicken Flunder-PC zeigten, waren Videos. Android 3.0 war zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nicht vorzeigbar, noch nicht stabil genug für einen großen Auftritt vor Publikum.

Aber der wurde ja nun am 2. Februar erfolgreich von Google selbst nachgeholt und brachte Funktionen und Fähigkeiten zutage, die Tablets mit Google-Betriebssystem zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für Apples iPad werden lassen. Offen blieb bislang nur die Frage, wann das erste der Honigwaben-Tablets denn in den Handel kommen wird. Die scheint nun ein Mitarbeiter der US-Einzelhandelskette Best Buy beantwortet zu haben.

Auf der Facebook-Seite einer Best-Buy-Filiale im US-Bundesstaat Michigan veröffentlichte er die Termine für die Verkaufsstarts von vier neuen Geräten, darunter auch Motorolas Xoom. Demnach wird die Motorola-Flunder ab dem 24. Februar im Handel sein.

Ein Doppelauge von LG

Diejenigen, die sich gleich morgens um 7 Uhr zur Ladenöffnung aufmachen, werden nicht nur damit protzen können, die ersten zu sein, sie werden auch ein Tablet in Händen halten, das die Konkurrenz in mancherlei Hinsicht hinter sich lässt. Mit Dualcore-Prozessor, HDMI-TV-Ausgang und einem HD-Touchscreen mit 1280 x 800 Bildpunkten steht es jedenfalls ganz oben in der Hackordnung.

Ob man es mit seiner 5-Megapixel-Kamera tatsächlich als Fotoapparat verwenden möchte, ist eine Frage, die auch damit zusammenhängt, ob man eine ausreichend gut trainierte Unterarmmuskulatur hat. Die Frontkamera für Videochats ist dagegen ein sinnvolles Goodie. Noch sinnvoller ist aber, dass Motorola verspricht, man werde das Xoom auf den Mobilfunkstandard LTE aufrüsten können, der künftig in Mobilnetzen Datenraten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde ermöglichen soll.

Aber das alles kann der ärgste Konkurrent des Xoom auch - und mehr. Dieser Konkurrent ist das G-Slate von LG Electronics. In den USA wird das Gerät, dessen Bildschirm mit 8,9 Zoll etwas kleiner ist, exklusiv von T-Mobile angeboten. Hier soll schon vom Start weg die Mobilfunktechnik LTE, gemeinsam mit zwei Kameras und einem HD-Videoausgang für den Fernseher an Bord sein.

Vor allem aber wird das G-Slate mit einer Stereokamera bestückt sein, es kann also Fotos und Videos in 3D aufnehmen. Darüber, in welcher Weise man diese Bilder und Videos auch dreidimensional am Bildschirm betrachten kann, gibt es unterschiedliche Gerüchte. Demnach gehen einige Bogger davon aus, dass das Display auch ohne Brille 3-D-Bilder erzeugen kann. Derartige Technik gibt es in klein bereits bei Nintendos neuer Mobilkonsole 3DS und in etwas größer bei ein paar Toshiba-TVs, die ausschließlich in Japan und auch dort nur zu exorbitant hohen Preisen verkauft werden.

Rot-Blau-Brillen wie in den 1970er Jahren

Wahrscheinlicher als die Integration eines solchen, sehr teuren, Displays ist daher die Annahme, dass dem auch Optimus Pad genannten Gerät eine 3-D-Brille beiliegt. Aber - Achtung - LG nutzt hier offenbar nicht moderne (teure) Shutter-Technik, sondern Rot-Blau-Brillen, wie man sie von den 3-D-Filmen der fünfziger und siebziger Jahre kennt. Man kann also 3D sehen, das aber nur in Schwarzweiß. Zumindest, wenn man das Slate an einen 3-D-TV anschließt, sollte man seine Filme aber in Farbe sehen können.

Damit dabei nichts ruckelt, hat LG nVidias Tegra-2-Chips eingebaut, also einen Dualcore-Prozessor, der auf hohe Grafikleistung optimiert ist. Da außerdem ab Werk bereits 32 Gigabyte-Speicher eingebaut sind, dürfte sich das Thema Speichererweiterung für viele Slate-Käufer erst einmal erledigt haben.

Im Rahmen der Honeycomb-Präsentation am vergangenen Mittwoch wurde die naheliegende Frage gestellt, ob es die neue Android-Version denn auch für Handys geben werde. Googles Antwort war halbherzig: "Einige Funktionen (von Android) wird es mit der Zeit auch auf Handys geben", sagte Firmensprecher Andrew Kovacs dem " PC Magazine" zufolge. Eine Aussage, die mehr Fragen aufwarf als beantwortete.

Das wurde wohl auch Kovacs klar, wenn auch etwas spät. Per E-Mail stellte er klar: "Die am Mittwoch gezeigte Version von Honeycomb ist für den Formfaktor von Tablets optimiert. Sämtliche Änderungen an der Benutzeroberfläche werden in Zukunft in Android übernommen. Die Veranstaltung am Mittwoch war auf Tablets fokussiert, auf denen Honeycomb zuerst erscheinen wird."

So richtig viel Klarheit gibt es noch nicht

Wirklich klar hat Kovac sich damit zwar immer noch nicht ausgedrückt, aber wenn man seine Aussage in den Zusammenhang setzt, wird klar: Smartphones mit Android 3.0 wird es vorerst nicht geben. Wann und ob solche Geräte überhaupt erscheinen werden, ist fraglich. Wahrscheinlicher ist es, dass Google zum Mobile World Congress, der am 14. Februar in Barcelona beginnt, eine neue Version von Android für Handys vorstellen wird.

Die dürfte dann einige Honeycomb-Funktionen beinhalten, beispielsweise die verbesserte Videochat-Software, Anpassungen an den neuen Android Market, die neue Kamera-App und vielleicht auch das neue YouTube-Interface. Wobei letzteres auf Smartphone-Displays weniger sinnvoll sein dürfte, als auf den viel größeren Tablet-Bildschirmen.

n dieser Art wird Google die Smartphone-Variante von Android stückweise an Honeycomb annähern, bis es irgendwann hoffentlich eine vereinheitlichte Version 3.1 oder 3.2 gibt. Vorerst aber werden neue Smartphones mit einem Android 2.4 ausgestattet werden, einer Art abgespeckter Variante von Honeycomb also. Das wäre jedenfalls ein logischer Schritt, um das Update von der Version 2.3 abzuheben, die es bisher nur auf Googles Nexus S gibt.

So richtig viel Klarheit gibt es also noch nicht, wie es mit Android 3.0, alias Honeycomb, losgehen wird. Zumindest nicht für uns hier in Deutschland. Während in den USA schon Liefertermine feststehen, halten sich die einzigen Hersteller, die bereits Honeycomb-Tablets vorgestellt haben, Motorola und LG, mit Aussagen zum hiesigen Markt noch zurück. Auf dem Mobile World Congress Mitte Februar in Barcelona dürfte sich das ändern, wenn vermutlich dutzende Firmen zeigen, mit welchen Geräten, zu welchen Preisen und wann sie sich dem Thema Honeycomb widmen wollen.

Nutzt der Marktführer die Gelegenheit?

Dann wird es spannend. Aber nicht nur der vielen zu erwartenden Android-3.0-Tablets wegen. Auch, weil Computerhersteller HP wenige Tage zuvor seine längst überfälligen Tablet-Rechner in Kalifornien präsentieren wird. Die hätten eigentlich schon letztes Jahr mit Windows 7 auf den Markt kommen sollen.

Überraschend machte HP jedoch einen Rückzieher, verschob die Tablets und übernahm den angeschlagenen Smartphone-Hersteller Palm. Die neuen Tablets, die es auf dem MWC erstmals in Europa zu sehen geben wird, dürften nun nicht nur mit einer neuen, für Tablets optimierten Version von Palms webOS kommen. Sie werden ganz offensichtlich auch kräftige Anleihen beim typischen Palm-Design gemacht haben, wie die ersten Teaser-Videos erkennen lassen, die ansonsten leider sehr wenig verraten.

Noch viel weniger verrät bekanntermaßen Apple. Über dessen iPad 2, den Nachfolger des aktuellen Tablet-Marktführers, wird längst eifrig spekuliert, während Apple stoisch schweigt. Zuletzt gab es Berichte, ein Reporter habe während der Präsentation der iPad-Zeitung " The Daily" einen Prototyp des neuen Modells erspäht. Ob das stimmt sei ebenso dahingestellt wie die Frage, ob das angebliche iPad-2-Display, von dem Fotos in diversen Blogs zu sehen waren, echt ist.

Sicher ist zumindest, dass es bald ein neues iPad geben wird. Der Zeitpunkt würde zu Apples Zyklen passen. Es ist nicht einmal unwahrscheinlich, dass der US-Konzern die Präsentation des iPad direkt in die Laufzeit des MWC legt, an dem Apple nicht teilnimmt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple mitten während einer wichtigen Messe ein neues Produkt vorstellt, ohne selbst vor Ort zu sein. Das spricht für das Selbstbewusstsein des Unternehmens, das vor einigen Jahren sämtlichen Branchentreffen mit der Begründung abgeschworen hat, man wolle sich von solchen Ereignissen keine Termine diktieren lassen.

Jetzt aber würde die zu erwartende Tablet-Schwemme des MWC Apple eine gute Gelegenheit geben, der endlich ernsthaft aufkeimenden Konkurrenz gleich wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn so viel ist sicher: Egal wie viele Honeycomb-Tablets in Barcelona gezeigt werden, ein iPad 2 würde das Medieninteresse sofort an sich ziehen, alles andere überschatten. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple auf diese Weise verfährt.

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