Multimedia-Boxen im Test Fernsehen mit vielen Extras

Multimediaplayer - braucht man so was eigentlich noch? Schließlich sind viele aktuelle Fernseher internetfähig, spielen per USB Filme von Festplatten ab. Doch die TV-Boxen können oft eben doch noch einiges mehr, wie ein Test von drei aktuellen Modellen zeigt.
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Multimedia-Player: Boxee Box

Foto: Matthias Kremp

Hamburg - Online-Videoplayer für den Fernseher sind in. Muss so sein. Anders wäre Apples jüngste Jubelmeldung kaum zu erklären: Eine Million Exemplare der TV-Box Apple TV 2 hat der Konzern seit der Markteinführung im Oktober verkauft. Nicht schlecht für ein Apple-Gerät, das keinen "i"-Namen" trägt und Videos nur aus Apples iTunes Store oder von Netzwerkfestplatten abspielen kann. Vor allem aber ist Apples Erfolg ein Zeichen dafür, dass sich die Sehgewohnheiten ändern. Fernsehen kann heute genauso gut aus dem Internet oder von Festplatte abgerufen werden.

Drei Geräte, die das ermöglichen habe ich mir genauer angeschaut: Die Boxee Box von D-Link, den WD TV Live Hub von Western Digital und den NeoTV 550 von Netgear. Drei grundverschiedene Geräte, die drei Grundfunktionen teilen:

  • Sie bieten einen Zugang zu Videos aus dem Internet, bringen YouTube und Co. auf den TV-Bildschirm.
  • Sie spielen Musik, Fotos und Videos von Netzwerkfestplatten oder vernetzen Computern ab.
  • Sie spielen Musik, Fotos und Videos per USB von Speicher-Sticks oder Festplatten ab.

Das allerdings tun sie auf ausgesprochen unterschiedliche Weise, bieten sehr unterschiedliche Zusatzfunktionen - zu unterschiedlichen Preisen.

Was die TV-Boxen am besten können, wo sie das Apple TV übertrumpfen und wo sie versagen, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Mit automatischen Untertiteln und Extra-Infos - die Boxee Box

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Multimedia-Player: Boxee Box

Foto: Matthias Kremp

Auch wenn nicht jeder den Namen kennt: Boxee hat längst eine treue Anhängerschaft. Allerdings nicht als Multimediaplayer fürs Wohnzimmer, sondern als kostenlose Mediacenter-PC-Software. Seit drei Jahren schon kann man damit seinen PC, Mac oder Linux-Rechner zum Mediacenter umrüsten. Sogar für das Apple TV ist die Software verfügbar. Weil es aber nicht jedermanns Sache ist, sich einen Heimcomputer ins Wohnzimmer zu stellen, hat sich das Boxee-Team einen Partner gesucht, der die Hardware herstellt: den Netzwerkausrüster D-Link.

Dessen Designer scheinen ausgesprochen glücklich gewesen zu sein, mal etwas anderes gestalten zu dürfen als Netzwerk-Hubs und DSL-Modems - und haben sich bei der Boxee Box offenbar voll ausgelebt. Denn die bricht mit allen Standards und ist vor allem eines: schief. Auf einen Tisch gestellt, macht es den Eindruck, der kubische Kasten wäre halb im Tisch versunken. Das sieht witzig aus, macht die Box unverwechselbar, ist gleichermaßen ein Hingucker und ein Hindernis. Denn derart schräg aufragend, passt das glänzend schwarze Kästchen kaum in übliche TV-Möbel. Der Look ist Geschmackssache.

Voller nicht nutzbarer US-Angebote

An der Software dagegen gibt es nichts auszusetzen, sie passt bestens zum Medium Fernseher, wirkt aufgeräumt und ist - zumindest meist - dank großer Symbole auch mit der Fernbedienung gut zu steuern. Auf einige Goodies, die das Gerät in den USA attraktiv machen, müssen User hierzulande aber verzichten. AUf die Video-Verleihdienste Netflix und Vudu beispielsweise, weil die noch keine Lizenzen für Deutschland ausgehandelt haben.

Und so ist man weitgehend auf eigene Inhalte angewiesen, auf Filme, Musik und Fotos, die man selbst entweder auf einer Netzwerkfestplatte oder auf einer USB-Festplatte gespeichert hat. Die kann man direkt an die Box anschließen. Was die Auswahl unterstützter Formate angeht, gibt es dabei kaum etwas zu meckern. Im Test spielte das schräge Kästchen alles ab, was wir ihm vorsetzten.

Entspanntes Sofa-YouTube

Auch etliche Webdienste lasen sich mit der Boxee Box nutzen, wobei für jeden Anbieter eine entsprechende App auf das Gerät geladen und installiert wird. Ich als Anwender muss mich dabei freilich um nichts kümmern, ein Tastendruck auf der Fernbedienung reicht aus. Deutsche Inhalte haben D-Links Entwickler in Handarbeit in das System eingefügt, als RSS-Feed von Video-Webseiten. Eine nette Idee, die allerdings auch einige längst nicht mehr gepflegte Angebote auf die Box bringt.

Interessant: Die Boxee verfügt bereits über Googles neues "Leanback"-Interface für YouTube. Damit lassen sich YouTube-Videos vom Sofa aus sehr viel intuitiver und TV-gerechter abrufen als sonst an Fernsehern üblich. Statt einer an Webbrowsern orientierten Übersicht werden abspielbare Videos dabei am unteren Bildschirmrand in einer Leiste angezeigt und ausgeblendet, sobald man eines ausgewählt hat.

Bei Anwendungen wie YouTube oder dem Webbrowser kommt die besondere Boxee-Fernbedienung zur Geltung, die auf der Vorderseite nur sehr wenige Tasten hat und auf der Rückseite eine komplette Mini-PC-Tastatur bereithält. Doch so gut die Idee einer doppelseitig nutzbaren Fernbedienung erscheint, einen Schwachpunkt hat sie doch: Beim Tippen habe ich oft unabsichtlich die Bedienelemente auf der gegenüberliegenden Seite ausgelöst, was zu unvorhersehbaren Reaktionen führte. Ein Sensor, der die jeweils ungenutzte Seite abschaltet, würde hier Wunder wirken.

Ein Autopilot auf der Suche nach Neuem

Das Killerfeature der Boxee Box sind aber ihre Automatikfunktionen. In einstellbaren Intervallen (jeden Tag, einmal pro Woche, jetzt gleich) durchforstet sie alle erreichbaren Datenquellen nach neuen Inhalten, katalogisiert diese und sucht sich online dazu passende Metadaten zusammen. Das Resultat wurde mir erst am zweiten Tag nach der Inbetriebnahme klar: Filme und Fernsehsendungen erscheinen auf einmal mit passenden Cover-Abbildungen und werden von kurzen Erklärtexten begleitet. Alles auf Englisch, aber immerhin.

Vor allem aber die Untertitel-Automatik hat es mir angetan. Wer Filme gern im Original sieht, dabei aber zur Sicherheit Untertitel mitlaufen lassen will, kann sich diese von der Box besorgen lassen. Die sucht anhand des erkannten Filmtitels im Netz nach passenden Dateien und lädt Untertitel in der jeweils gewünschten Sprache in ihren Sprecher. Einfacher geht's nicht, billiger bestimmt. Mit einem Preis von 229 Euro gehört die Boxee Box in die Luxusklasse der Wohnzimmer-Mediaplayer.

Reichlich Speicherplatz - WD TV Live Hub

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Multimedia-Player: WD TV Live Hub

Foto: Matthias Kremp

Western Digitals WD TV Live Hub ist anders als die Boxee Box - nicht nur wegen des besser stapelbaren Designs. Wo die Boxee vor allem auf Inhalte aus dem Netz und externe USB-Speicher setzt, protzt der Live Hub mit seiner Festplatte. Ein Terabyte Speicherkapazität bietet der integrierte Magnetspeicher, was für die allermeisten Anwender vorläufig wohl ausreichen dürfte. Wird es doch mal eng, lassen sich über zwei USB-Ports weitere Festplatten oder Speicher-Sticks anstöpseln.

Der eingebaute Massenspeicher macht die Installation natürlich einfacher als bei der Konkurrenz: Keine zusätzlichen Festplattengehäuse, keine weiteren Kabel, keine Netzteile müssen untergebracht und verlegt werden. Dafür muss man das stete Surren von Festplatte und Lüfter hinnehmen, eine Geräuschkulisse, die sich sonst durch Nutzung externer Mobil-Harddisks vermeiden lässt.

Wo die Boxee Box mit ihrem Äußeren polarisiert und mit ungewöhnlichen Automatikfunktionen punktet, liefert der WD TV Live Hub eher Erwartbares - und kann schon deshalb nicht ganz so begeistern wie sein Vorgänger, der festplattenlose WD TV Live noch vor einem Jahr.

Nebenbei ein Medien-Server

Dabei kann das neue Modell viel mehr als sein Vorgänger und hat auch eine viel moderne Benutzeroberfläche. Deren wichtigstes Element ist eine am unteren Bildschirmrand verschiebbare Leiste mit Symbolen für die einzelnen Funktionsbereiche für Musik, Videos und Fotos. Ein Konzept, das stark an die Dock genannte Funktionsleiste in Apples Mac OS X erinnert.

Lästig ist nur, dass der Live Hub den Anwender jedes Mal etliche Tastenklicks auf der Fernbedienung abverlangt, wenn man von einem Trägermedium zu einem anderen, also etwa von einem USB-Stick zu einer Netzwerkfestplatte, umschalten will. Deswegen lohnt es sich auch, möglichst viel von dem, was man regelmäßig hören oder anschauen will, auf der internen Festplatte abzulegen. Dann nämlich spielt der Live Hub seine Stärke aus und fungiert nebenher als Medienserver.

So kann man beispielsweise in der Küche mit Internetradio-Playern (wie sie von Sonos und Noxon angeboten werden) Musik von der Live-Hub-Festplatte anhören, während gleichzeitig im Wohnzimmer ein Film von der Festplatte auf dem Fernseher abgespielt wird. Über ein Web-Interface sind Fotos, Videos und Musik auch von jedem Computer im Haus abrufbar. Sogar via Internet kann man darauf zugreifen - das ist aufgrund der notwendigen Netzwerkkonfiguration aber nicht ganz trivial.

Genau wie die Boxee-Box leidet auch der WD TV Live Hub unter einem gewissen Inhaltemangel. So sind beispielsweise die auch in Deutschland beworbenen Dienste Netflix, Blockbuster und Pandora hierzulande wegen fehlender Lizenzen nicht nutzbar. Schade. Schade vor allem, weil keiner der hierzulande verfügbaren Online-Videoverleihe als Alternative angeboten wird. Das wäre eine schöne Ergänzung für ein zukünftiges Software-Update des rund 190 Euro teuren Players.

Mit Blu-ray-Anschluss - Netgear NeoTV 550

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Multimediaplayer: Netgear NeoTV 550

Foto: Matthias Kremp

Wo die Boxee Box mit einfacher Bedienung und Automatikfunktionen glänzt und der WD TV Live Hub sich als Medienserver gibt, strahlt der Netgear-Player mit der nahtlosen Integration diverser Zuspieler. Den Netzwerk-Hintergrund des Herstellers bemerkt man bald nach der Erstkonfiguration. Automatisch sucht der NeoTV alle ausgewählten Netzwerk-Festplatten nach abspielbaren Inhalten ab und erstellt daraus einen Medienkatalog.

Das hat den Vorteil, dass man sich im Hauptmenü beispielsweise einen Film aussuchen kann und dieser abgespielt wird, egal ob er auf einer angeschlossenen USB-Festplatte dem Heimcomputer oder einer Netzwerkfestplatte gespeichert ist. Nicht ganz so stark ist der NeoTV dagegen, wenn es darum geht, Metadaten zu den katalogisierten Inhalten im Internet zu finden. Im Selbstversuch jedenfalls klappte das nicht überzeugend, nicht einmal mit den Beispielinhalten, die Netgear dem Testgerät beilegte.

Als Besonderheit stellt Netgear heraus, dass man an den NeoTV 550 auch Blu-Ray-Laufwerke anschließen kann. Ein solches Laufwerk muss man freilich noch hinzukaufen. Knapp 100 Euro muss man dafür mindestens berappen. Viel mehr kostet ein einfacher Blu-ray-Player auch nicht. Ein nettes Tandem ist so eine Kombination aus Blu-ray-Laufwerk und Netgear-Player allemal. Worauf Netgear auch hinweist: Auch ohne Laufwerk kann man Blu-ray-Inhalte abspielen, wenn sie auf Festplatte vorliegen.

Die Unterstützung von Blu-ray zeigt aber auch, dass der NeoTV vor allem ein Player für lokal gespeicherte Inhalte ist. Natürlich bietet er auch einen Zugang zu YouTube an, kann aber ansonsten kaum mit Netzvideo-Angeboten glänzen. Dafür ist er als einziger im Vergleich mit einer eSATA-Buchse ausgestattet, einer USB-Alternative, die sich durch extrem schnelle Datenübertragungen auszeichnet. Für Datensammler, die ihre Videosammlung längst digital im Netzwerk oder einer externen Festplatte archiviert habe, ist der NeoTV 550 deshalb fraglos eine gute Wahl. Für Anwender, die gerne im Netz nach Neuem stöbern eher nicht. Ein Manko, das sein vergleichsweise günstiger Preis von rund 155 Euro locker wettmacht.

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