Bluetooth-Hifi-Headsets Guter Sound ohne Kabel

Lust auf Musik - aber nicht auf sich ständig verheddernde Kabel? Kein Problem. Per Bluetooth lassen sich moderne Hifi-Headsets auch drahtlos mit Handy oder MP3-Player verbinden, um zu telefonieren oder sich einfach nur gemütlich beschallen zu lassen. Ein Test.

Hamburg - Ich bin ein erklärter Fan von In-Ohr-Kopfhörern. Die haben einfach eingebaute Vorteile: Sie sind klein, leicht, passen in jede Tasche, und wenn man die richtigen auswählt, klingen sie auch noch gut. Zudem schirmen sie aufgrund ihrer Bauweise Außengeräusche automatisch ab, so dass man die Lautstärke nicht weit aufdrehen muss, um guten Klang zu genießen. Und doch können sie auch nerven. Zum einen, weil man nicht immer und überall, vor allem nicht stundenlang, Stöpsel im Ohr tragen mag. Zum anderen, weil ihre Kabel sich verheddern können, aufgerollt werden müssen, oft im Weg sind.

Reichlich Gründe also, um mal etwas anderes auszuprobieren. Drahtlose Headsets, die sich der Bluetooth-Technologie bedienen, versprechen guten Klang und Telefonfunktionen, ganz ohne Kabelgewirr. Möglich macht's das A2DP-Profile (Advanced Audio Distribution Profile), eine Ergänzung der Bluetooth-Drahtlos-Technik, die Stereoton drahtlos und in guter Qualität über Entfernungen von bis zu zehn Metern übertragen kann.

Voodoo-Technik ist das längst nicht mehr. Etliche Mobiltelefone können Musik per A2DP abspielen, was sich vor allem Hersteller von Autoradios zunutze machen, um Mobiltelefone ohne komplizierte Kabellage als Musikquelle nutzen zu können. Ganz nebenbei wird das meist mit einer Freisprechfunktion verbunden. Und genau so funktionieren auch die getesteten Bluetooth-Headsets, die zwar aussehen wie ordinäre Kopfhörer, sich aber nutzen lassen wie Handy-Headsets, also auch zum Telefonieren taugen.

Reichlich ungewohnt ist es allerdings schon, mit einem Headset, das aussieht wie ein Kopfhörer, sich anfühlt wie ein Kopfhörer und die Außenwelt akustisch weitgehend abschirmt wie ein Kopfhörer, zu telefonieren. Zumindest geht mir das so, wenn ich auf die U-Bahn warte und nebenbei via Bluetooth ein Gespräch mit einem unsichtbaren Gesprächspartner führe. Aber vielleicht ist das ja auch einfach nur cool.

Nicht alle halten sich an Standards

Denn irgendwie ist es natürlich schon cool, wenn man kein Kabel mehr braucht. Die Verbindung zwischen Headset und Handy oder MP3-Player herzustellen erfordert dabei keine technischen Kenntnisse. Das Handbuch sollte man aber schon gelesen haben, um das drahtlose Bluetooth-Kabel aufspannen zu können. Anders ist es kaum herauszufinden, welche Tasten am Headset man wie lange drücken muss, um den Verbindungsvorgang, das sogenannte Pairing, zu initiieren. Außerdem steht dort der Zahlencode, den man eingeben muss, um die Verbindung zu autorisieren - und der voreingestellt fast immer "0000" lautet. Wer auf Sicherheit achtet, ändert das natürlich umgehend.

Zum Glück aber muss man das alles nur einmal machen. Künftig stellen Headset und Handy automatisch den Kontakt her, wenn beide eingeschaltet und nah genug beieinander sind. Nah genug heißt in diesem Fall, rund zehn Meter. Man muss das Handy also nicht in der Tasche haben, um damit Musikhören oder telefonieren zu können. Ein USB-Kabel (Sennheiser) oder das Ladegerät (Samsung) sollte aber nicht vergessen werden. Schließlich werden beide Headsets per Akku mit Strom versorgt, und der muss nach jeweils rund zehn Stunden Musikhören wieder aufgeladen werden.

Geräuschdämmung eingebaut

Über Tasten direkt an den Ohrmuscheln ermöglichen beide Headsets die Steuerung einiger Grundfunktionen. Ob die allerdings alle nutzbar sind, hängt von jeweiligen Mobiltelefon oder MP3-Player ab. Apple beispielsweise hat sich bei seiner Einbindung der A2DP-Technik offenbar nicht sonderlich genau an die geltenden Bluetooth-Standards gehalten. Bei iPod und iPhone lassen sich, je nach Headset, Funktionen wie "vor" und "zurück" nicht nutzen, die mit Geräten anderer Hersteller prima nutzbar sind. Immerhin: Die Start/Stop-Taste, die Lautstärkeregelung und die Rufannahme funktionieren immer.

Sehr unterschiedlich ist allerdings, wie Samsung und Sennheiser die Bedienknöpfe auf den Ohrmuscheln verteilt haben. Die Koreaner haben ihre diversen, unterschiedliche großen Schalterchen über beide Seiten des Kopfhörers verteilt. Kann man machen, ist aber nicht sonderlich leicht zu merken, wo welcher Knopf denn nun untergebracht ist. Beim Sennheiser ist das einfacher: Alle Schalter sind auf der rechten Ohrmuschel angebracht, symmetrisch angeordnet, was es leicht macht, sich blind mit den Fingern darauf zurechtzufinden.

Vom Tragekomfort hat mir persönlich das Sennheiser MM400 besser gefallen, weil es kleiner, leichter und flexibler ist als Samsungs SBH-600. Vor allem sind die Ohrmuscheln des Sennheiser einfach rund und aus einem Kunststoff gefertigt, der angenehm weich ist, gleichzeitig ausgesprochen gut schallisolierend wirkt. Samsung Ohrmuscheln hingegen sind asymmetrisch ausgebildet, was wohl die Form der Ohren imitieren soll. Allerdings sind sie härter und wirken auch weniger gut dämmend.

Von Natur aus fett

Beim Telefonieren geben sich die beiden Geräte nicht viel. Sowohl Samsung als auch Sennheiser sorgen dafür, dass man den Gesprächspartner gut verstehen kann und auch verstanden wird. Allerdings ist das Mikro des MM400 etwas besser gelungen, sorgt dafür, dass man bei seinem Gesprächspartner noch besser als beim SBH-600 ankommt.

Beim Sound allerdings spielt das Sennheiser-Headset seine Trumpfkarte aus, brilliert mit einem ausgesprochen ausgewogenen transparenten Klang. Vor allem die Basswiedergabe ist beeindruckend. Selbst kräftige Pop-Bassgewitter steckt das Headset nicht nur weg, sondern reproduziert sie kräftig, ohne dabei matschig zu werden.

Samsungs SBH-600 kann da nicht mithalten. In der Standardeinstellung verlangt es nach kräftiger Soundjustage durch einen Equalizer oder ein Sound-Preset, klingt ansonsten ordentlich, aber etwas zu dünn. Das Schlimmste, was man damit allerdings tun kann, ist, die "3D-Sound"-Funktion zu aktivieren, die dem Klang endgültig seine Glaubwürdigkeit nimmt. Einzig der "Bass-Booster" mag aktiviert werden, weil er das Klangbild ein wenig "anfettet" ohne dabei zu aufdringlich zu sein.

Guter Sound kostet Aufpreis

Aber so ein künstliches "anfetten" trifft eben nicht jedermanns Geschmack. Wer damit klar kommt, findet im SBH-600 allerdings eine schickes Headset, das sich auf Dauer besser tragen lässt als In-Ohr-Kopfhörer, keinen Kabelsalat verursacht und dazu auch noch recht günstig ist: Rund 85 Euro kostet der Bluetooth-Klangwandler in Webshops, während Samsung ihn noch mit einem Listenpreis von 149 Euro führt.

So billig kommt man beim Sennheiser MM400 nicht weg. Zwischen 150 und knapp 200 Euro verlangen unterschiedliche Anbieter für den drahtlosen Mobilfunk-Kopfhörer, also fast doppelt so viel wie für den Samsung. Ein Aufpreis, der sich für Klangliebhaber aber auszahlt. Denn der Sennheiser ist kleiner, leichter, besser verarbeitet und vor allem: Er klingt besser als das Konkurrenzmodell. Und darauf kommt es doch letztlich an.

Fotostrecke: Hifi-Headsets im Test

Verwandte Artikel