W-Lan-Stifte Im Zentrum des Netzes

Die neuen USB-Sticks für W-Lan versprechen eine schnellere Verbindung. Sie sind sparsamer und können mehr Daten transportieren. Gefunkt wird im noch wenig genutzten n-Standard. Doch lohnt sich der Umstieg auf die neue Frequenz wirklich?

Berlin/Hamburg - Familienleben anno 2009: Papa prüft die Aktienkurse, Töchterchen chattet mit Freundinnen, und Sohnemann kämpft sich durch Multiplayer-Spielwelten. So viele Informationen in einem Netzwerk können schnell dazu führen, dass aus der Datenautobahn wieder eine Landstraße wird - der Seitenaufbau dauert, der Videostream ruckelt. Abhilfe versprechen neue W-Lan-USB-Stifte mit dem neuen n-Funkstandard. Theoretisch lassen sich damit beim Surfen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 300 Megabit pro Sekunde (MBit/s) erreichen, sagt Peter Knaak von der Stiftung Warentest.

Trotz der versprochenen Traumgeschwindigkeiten sind die kleinen Beschleuniger genügsam in ihren technischen Anforderungen. Ein Computer mit Windows XP oder einem moderneren Betriebssystem genügt, erklärt Fabian von Keudell von der in München erscheinenden Zeitschrift "Chip". Bescheidene Ansprüche stellen die Stifte auch an den Geldbeutel: Der Sieger im Test der Zeitschrift "Computer Bild" (Ausgabe 2/2009), der Hama Wireless Lan USB 2.0 Stick 300 MBit/s, kostet nur rund 30 Euro.

Verbraucher sollten sich den Kauf dennoch gut überlegen, sagt Knaak: Wer nur normal durchs Internet surft und sich das Netzwerk nicht mit vielen Mitsurfern teilen muss, komme mit einer Verbindung im momentan üblichen g-Standard vollkommen aus. Voll ausgenutzt wird die mögliche Übertragungsgeschwindigkeit eines n-Standard-W-Lan nur bei besonders schnellen Internetanschlüssen oder der Übertragung großer Datenmengen im heimischen Netzwerk.

Zwar bleibe in der Praxis meist nur eine Geschwindigkeit von 60 bis 100 MBit/s übrig, weil Wände, Möbel und andere Netzwerke die Übertragung stören. Aber auch bei diesem Tempo dauere die Übertragung einer Datenmenge von einem Gigabyte laut Fabian von Keudell theoretisch nur anderthalb Minuten. In der Praxis könne davon ausgegangen werden, dass W-Lan nach dem n-Standard Daten zwei- bis viermal schneller überträgt als ein g-Standard-Gerät.

Wichtig ist, dass auch der Router den n-Standard unterstützt, weil er die Geschwindigkeit im Netzwerk bestimmt. Funkt er im g-Standard, also mit einer Brutto-Übertragungsrate von 54 MBit/s, passt sich der W-Lan-Stick dem an - obwohl er eigentlich schneller ist.

Ohne Router mit n-Standard funktioniert es nicht

Ein guter Zeitpunkt für die Anschaffung eines W-Lan-Sticks könne der Abschluss eines neuen DSL-Vertrages sein, sagt von Keudell. Zwar würden dabei von den Internetprovidern in der Regel noch g-Standardrouter bereitgestellt. Neukunden könnten sich das Geld für einen subventionierten Router aber auch sparen und für einen Aufpreis von rund 20 Euro einen passablen n-Standard-fähigen Router kaufen. Zumal dieser neben der höheren Übertragungsgeschwindigkeit auch eine Reihe weiterer Vorteile bietet.

So verbrauchen die meisten Stifte deutlich weniger Strom als ihre Vorgängermodelle. Im Test von "Computer Bild" halbierte sich der Stromverbrauch der meisten Stifte im Sparmodus. Davon profitieren vor allem Nutzer, die mit ihrem Notebook oft im Akkubetrieb arbeiten. Außerdem verschlüsseln viele Stifte die übermittelten Daten durch das sogenannte WPS-Verfahren automatisch. Nutzer müssen also nicht mehr umständlich Passwörter eingeben, sondern nur noch auf einen Knopf drücken.

Außerdem funken Geräte mit n-Standard wesentlich weiter: theoretisch zehn Mal, mindestens aber doppelt so weit wie im g-Standard, sagt von Keudell. Sie erreichen auch Ecken, in die Geräte mit g-Standard nicht mehr vordringen. Dennoch sollten Verbraucher auf die Positionierung ihrer Computer achten. Ideal sei es, wenn Router und Rechner in Sichtverbindung zueinander aufgestellt werden.

Florian Sanktjohanser, dpa

W-Lan: USB-Sticks funken im n-Standard

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