T-Mobile G1 Das Google-Handy im Test

Mit einigen Monaten Verzögerung nach dem US-Start kommt das Google-Handy jetzt in Deutschland in den Handel. Im Test stellte sich heraus, dass das T-Mobile G1 das meiste genauso gut kann wie das iPhone. Und manches einfach besser.

Hamburg - Eines wird auf den ersten Blick klar: Das T-Mobile G1 ist anders als andere Handys. Vor allem aber ist es anders als das iPhone, gegen das es als Touchscreen-basiertes und Internet-zentriertes Mobiltelefon antritt. Ein wenig macht es den Eindruck, als hätten die Ingenieure von HTC, jenem taiwanischen Handyhersteller, der das G1 für T-Mobile produziert, sich von etlichen erfolgreichen Vorbildern inspirieren lassen und die besten Eigenschaften diverser Handys zusammengeworfen.

Ab dem 2. Februar soll das Telefon auch in Deutschland zu bekommen sein. T-Mobile bietet das G1 zusammen mit einem Zwei-Jahres-Vertrag an. Das Gerät selbst kostet einen Euro - im Rahmen des Handyvertrags werden abhängig vom jeweiligen Tarif zwischen 44,95 und 119,95 Euro monatliche Grundgebühr fällig. Wer für seinen Vertrag weniger ausgeben will, muss mindestens 60 Euro zuzahlen, um das Google-Handy zu bekommen.

Die Inspirationen von anderen Handys beginnen beim Touchscreen, der einen großen Teil der Vorderseite des G1 einnimmt. Über dessen Qualitäten gibt es wenig zu meckern. Er ist hell und kontraststark, stellt Farben knackig dar. Als Besonderheit im Vergleich zu anderen Touchscreen-Handys ist der Bildschirm jeweils nach links und rechts um jeweils eine Breite virtuell erweitert. So hat man einen dreifachen Bildschirm zur Verfügung, um Programmsymbole und Ähnliches abzulegen. Von einem Bildschirm zum anderen gelangt man, indem man einfach den aktuellen Bildschirm mit dem Finger zur Seite stupst. Eine klasse Idee, die man auch beim Palm Pre wiederfinden wird - und die man auch von Apples iPhone schon kennt.

Zusätzlich zum Touchscreen verfügt das G1 über eine komplette Tastatur. Über einen stabil wirkenden Mechanismus schiebt man das Display nach oben, um das Tastenfeld freizulegen; der Bildschirm dreht sich dann um 90 Grad. Obwohl die Tasten recht klein und flach sind, kann man mit ihnen erstaunlich gut Texte tippen. Wer mit der Bildschirmtastatur des iPhones nicht klar kommt, findet hier die Erlösung.

Als drittes Bedienelement haben die Entwickler dem G1 noch einen Trackball spendiert. Der funktioniert in etwa wie sein Gegenstück beim Blackberry. Mit der Fingerkuppe kann man ihn nutzen, um zu navigieren; ein Druck auf den Ball aktiviert das gerade ausgewählte Element. Die Verarbeitung gibt keinen Grund zu Klagen. Die Materialien wirken hochwertig, das Display ist vollkommen plan ins Gehäuse eingesetzt und der Schiebemechanismus, mit dem der Bildschirm nach oben geschoben wird, arbeitet fast geräuschlos.

Für den Anschluss an einen PC ist der USB-Port dagegen nicht vorgesehen. Und genau das ist es, was das G1 von allen anderen aktuellen Handys abhebt. Statt wie üblich von der Festplatte eines Rechners holt es sich Adressbuch und Kalenderdaten von den Google-Anwendungen des Nutzers im Internet.

Wer Google nicht traut, der hat verloren

Im Klartext: Jeder G1-Anwender muss Google-Kunde sein, um die Funktionen seines Handys zu nutzen. Bevor man das Gerät überhaupt in Betrieb nehmen kann, muss man ihm Google-Kontodaten übergeben oder ein neues Google-Konto einrichten.

Wer dem Internetkonzern nicht traut, hat verloren. Anders als via Google bekommt man seine Daten nicht auf das Mobiltelefon aufgespielt.

Wer damit klarkommt, kann sich glücklich schätzen, wenn seine Daten ohnehin von Google  verwaltet werden. Dann ist das Einrichten des Handys eine Sache von Minuten. Alle anderen müssen erst einmal nach einer Lösung suchen, um Termine und Kontaktdaten von ihrem Computersystem in Googles Internetanwendungen wie Kalender oder Kontaktverwaltung zu übertragen. Meist ist das kein großes Problem. Mit Microsofts Outlook, Apples iCal und dem Yahoo-Kalender zum Beispiel kann man die Datensätze einfach abgleichen.

Diese Art der Onlinesynchronisation hat natürlich Vorteile. Alle Geräte, die ihre Daten mit den Google-Servern synchronisieren, sind stets auf demselben Stand.

Allerdings ist das auch einer der großen Nachteile des G1: Es stimmt sich ständig und ohne Zutun des Anwenders mit Googles Servern ab. Das bedeutet, dass man fast zwangsläufig eine Datenflatrate für das G1-Handy braucht. Sonst kann es teuer werden. Vor allem im Ausland, wo teure Roamingtarife fällig werden. Immerhin ist die automatische Synchronisierung abschaltbar - wobei es in den USA Berichte gab, dass sich das Handy manchmal trotzdem mit dem Netz verbindet.

Fest steht: Solange man sich im Bereich seines G1-Providers aufhält, in Deutschland also im Netz von T-Mobile, ist die enge Internetanbindung des G1 eine tolle Sache. E-Mails, die an den mit dem Handy verknüpften Google-Mail-Account geschickt werden, landen per Push-Mail sekundenschnell auf dem Bildschirm. Das ist Blackberry-Feeling.

E-Mail-Konten anderer Anbieter können auf herkömmliche Weise angefragt werden. Das Zusammenspiel mit manchen der zum Test angelegten Konten funktionierte allerdings nicht reibungslos, es gab immer wieder Verbindungsfehler.

Technische Daten des Google-Phone

Ebenfalls nicht ohne Reibung, dafür erfreulich einfach funktioniert die Bedienung des G1. Reibung ist nämlich immer dann nötig, wenn man den Touchscreen als solchen benutzt.

Anders als bei den meisten Windows-Mobile-basierten Touchscreen-Handys reagiert der Bildschirm fast immer ohne spürbare Verzögerung darauf, wenn man mit dem Finger darüber streicht - zum Beispiel um eine Seite umzublättern oder zu scrollen. Das Scrolling selbst macht fast so viel Spaß wie auf dem iPhone. Lange Listen im Adressbuch rollen je nachdem, wie schnell man sie angestupst hat, noch eine Weile weiter, nachdem man den Finger vom Display genommen hat. So funktioniert das auch beim iPhone.

Ein wirklich rundes Ding wird die Benutzeroberfläche vor allem, wenn man den Touchscreen mit dem Trackball und der Tastatur kombiniert. An diese Kombination gewöhnt man sich schon nach kurzer Zeit, kann viele Aufgaben schneller erledigen als mit anderen Handys, auch schneller als mit dem iPhone.

Direkt aus der Packung genommen sind auf dem G1 schon etliche Programme vorinstalliert. Weitere Software holt man sich wie beim iPhone aus einem Onlineshop, der bei Google "Marketplace" heißt. Der Begriff Shop allerdings stimmt hier nicht wirklich, denn noch ist dort alle Software kostenlos - und außerdem qualitativ erstaunlich gut. Obwohl erst seit wenigen Monaten online, ist das Angebot schon jetzt unübersichtlich groß.

Was dort geboten wird, macht Lust auf noch mehr. Mit dem Programm ShopSavvy zum Beispiel kann man per Handykamera die Barcodes beliebiger Waren einscannen. Die Software fragt dann in einer Onlinedatenbank Vergleichspreise für das jeweilige Produkt ab, zeigt diese auf dem Bildschirm an - und weist per Google Maps den Weg zum nächsten Geschäft, in dem es jenes Produkt am günstigsten gibt.

Ein anderes Beispiel ist SkyMap. In Kombination mit den Sensoren des G1 zeigt es die Sternzeichen an, die man gerade vor sich sieht. Der gezeigte Ausschnitt des Sternenhimmels wird dabei in Echtzeit verschoben, wenn man das Handy in eine andere Richtung dreht. Das digitale Planetarium funktioniert auch bei Nebel und Sonnenschein.

Der Akku macht zu schnell schlapp

Nutzt man solche Programme intensiv, hat das allerdings Folgen. Wie das iPhone nuckelt das G1 seinen Akku viel zu schnell leer.

Bei intensiver Nutzung hält es gerade mal einen Tag ohne Tankstopp an einer Steckdose aus. Selbst bei mäßigem Gebrauch leuchtet nach zwei Tagen ein Hinweis auf dem Bildschirm, man solle doch bitte bald den Akku wiederbefüllen.

Apple konnte dem Akku-Problem mit einem Software-Update zumindest teilweise abhelfen. Für das G1 steht eine solche Stromspar-Anpassung noch aus.

Im Gegensatz zu Apples Handy, das man noch manuell und per Software-Download aktualisieren muss, sollen unter anderem, Betriebssystem-Updates automatisch über das Mobilfunknetz auf das G1 überspielt werden.

Genau das dürfte auch einer der größten Unterschiede zwischen G1 und iPhone sein. Während das iPhone Inhalte des Computers mobil macht, E-Mail und Internet zum Mitnehmen bietet, ist das Google-Handy vollkommen darauf ausgelegt, ständig Verbindung zum Datennetz zu halten.

Es löst sich vollkommen vom Computer - und das macht es gut.

T-Mobile G1 - Technische Daten

Betriebssystem Android OS
Arbeitsspeicher 256 MB (plus 2 GB-Speicherkarte)
Erweiterungssteckplatz microSD Card
Bildschirmauflösung 320 x 480 Pixel
Bildschirmdiagonale k.A.
Digitalkamera 3,2 Megapixel
PC-Anschluss USB
Gewicht 158 Gramm
Maße 118 x 56 x 17 Millimeter
Drahtlose Verbindungen EDGE, UMTS, HSDPA, W-Lan, Bluetooth
Standby-Zeit* bis zu 402 Std.
Sprechzeit* bis zu 17 Std.
Besonderheiten: Touchscreen, GPS
Preis: noch nicht bekannt
* Herstellerangaben
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