iPhone-Prinzip Taschenkameras mit Touchscreen

Kleine Kamera, großer Bildschirm, keine Knöpfe - Sony, Samsung und Nikon verpassen ihren teureren Kompaktkameras Touchscreens wie beim iPhone. Das Versprechen: einfache Bedienung und tolle Bilder. Ein Test zeigt, was die Anfasskameras können.

Hamburg - Immer kleinere Kameras mit immer größerer Auflösung - lange Zeit haben Hersteller in der Werbung für digitale Kompaktkameras Fortschritt in Megapixeln gemessen. Die Geräte schrumpften, die Bedienung über zig Knöpfe und Drehschalter blieb aber jahrelang gleich. Nun trumpfen die Kamerabauer mit neuen Modellen auf, die sich mit einem Touchscreen ähnlich einfach wie das iPhone bedienen lassen sollen.

Am radikalsten setzt Nikon  dieses Bedienkonzept bei der Taschenkamera Coolpix S60 um: Zwei Knöpfe (Anschalten und Auslösen) hat das Gerät auf der Oberseite. Fast die gesamte Rückseite nimmt ein Bildschirm ein - mehr Bedienelemente gibt es nicht. Sony  und Samsung  verzichten bei ihren Kompaktkameras mit Anfassbildschirm (T500 und NV100) nicht ganz auf Extratasten.

Weniger Tasten - mehr Platz fürs Display: Die Nikon S60 und Sony T500 haben beide ein Display mit neun Zentimetern Bildschirmdiagonale, Samsungs etwas kleinere Taschenkamera NV100 hat einen etwas kleineren Bildschirm mit sieben Zentimetern Diagonale. Keine der Kameras hat einen optischen Sucher, man ist also auf die Bildqualität des Displays angewiesen. Die fällt recht unterschiedlich aus:

  • Nikon Coolpix S60: Die Display-Darstellung wirkt etwas verschwommen, detailarm und recht dunkel. Wenn man bei bewölktem Himmel oder in der Dämmerung fotografiert, zeigt das Display Bilder mit starkem Rauschen.
  • Sony T500: wenig Rauschen, scharf, etwas dunkel.
  • Samsung NV100: kleineres Display als bei der Konkurrenz, aber im Vergleich die beste Darstellung - scharf, hell und kontrastreich.

Auf Berührungen reagieren die Bildschirme von Nikon S60 und Samsung NV100 sehr schnell. Allein die Sony-Kamera T500 ist manchmal etwas träge, gerade Berührungen in der obere rechten Ecke muss man ab und an mit Nachdruck wiederholen, bis die T500 sie registriert.

Einen direkten Vergleich zum Touchscreen des iPhones erlaubt das Blättern durch Fotoalben: Mit dem Zeigefinger durch die aufgenommen Fotos blättern, die Bilder über den Bildschirm ziehen, von links nach rechts und zurück - das klappt mit dem Touchscreen der Samsung NV100 intuitiv am besten.

Bei der Nikon Coolpix S60 interpretiert die Software das Weiterblättern manchmal als Zoomversuch - hier muss man die korrekten Bewegungen ein wenig trainieren, um die Kamera ohne Missverständnisse zu bedienen.

Das Scroll-Prinzip der Sony T500 kann man kaum intuitiv nennen - bei der Kamera muss man beim Bildergucken vorab angeben, wie die Kamera nun einen Druck auf den Bildschirm interpretieren soll - als Bild vor oder Bild zurück. Ist man bei der letzten Aufnahme angekommen, muss man der Kamera erneut erklären, dass ein Bildschirmtipper fortan als "Bild zurück" gelten soll - sonst kommt man nicht weiter.

Der Bildschirm der Samsung NV100 - der kleinste im Vergleich - wirkt im Selbstversuch am angenehmsten: gute Darstellung, fixe Reaktion auf Berührungen. An die Reaktionsgeschwindigkeit und die Bedienbarkeit des iPhone-Displays reicht allerdings auch der Bildschirm der Samsung-Kamera nicht heran.

Bedienung - meistens einfach

Bedienung - meistens einfach

Der Anfassbildschirm macht die Bedienung beim Fotografieren in vielen Fällen wirklich einfacher: Mit dem Touch-Fokus tippt man auf dem Display einfach den Bildbereich an, den die Kamera fokussieren soll - das klappt bei allen drei Geräten wirklich gut.

Beim Zoomen zeigt sich aber, dass Anfassbildschirme nicht für alles die besten Lösung sind: Das Zoomen per Bildschirmdruck wirkt bei Nikons S60 arg umständlich. Samsung  löst das bei der NV100 mit zwei Tasten (eine zum Heran-, eine zum Wegzoomen), am schnellsten lässt sich aber der Drehknopf an der Sony-Kamera T500 bedienen - das geht anders als bei der Nikon  und Samsung auch mit nur einer Hand an der Kamera mühelos.

Abgesehen von solchen Unterschieden in Details lassen sich wesentliche Funktionen bei allen drei Anfasskameras intuitiv finden und bedienen. Um in den Nahaufnahmemodus zu wechseln, braucht es bei den drei Kameras zwei Fingerberührungen auf dem Hauptbildschirm. Ebenso leicht lässt sich bei den drei Kameras der Blitz zwangsweise abschalten.

Per Fingerzeig ins Motivprogramm

Unterschiede bei der Bedienbarkeit zeigen sich, wenn man zum Beispiel aus dem Automatik-Modus in ein Motivprogramm wechseln möchte, um zum Beispiel ein Feuerwerk aufzunehmen. Die drei Kameras haben ein entsprechendes Motivprogramm mit passenden Voreinstellungen - nur sind die unterschiedlich gut zu finden.

Bei der Sony T500 findet man das Auswahlmenü mit den Motivprogrammen schnell, zwei Fingerberührungen genügen vom Hauptbildschirm aus. Danach wird es aber unnötig kompliziert: Um die Kurzbeschreibung eines Motivprogramms zu lesen, muss man das Symbol auf dem Bildschirm berühren und dann loslassen. Es ist nicht möglich, mit dem Finger einfach (und vor allem schnell!) über die Symbole zu fahren und die Beschreibungen durchzuscrollen.

Ganz ähnlich funktioniert die Motivauswahl bei der Nikon Coolpix S60: zwei Klicks und man ist in der Übersicht, kann dann aber schnell mit dem Finger durch die Kurzbeschreibungen scrollen. Vergleichbar funktioniert das bei der Samsung NV100.

Bei der Bedienung zeigt sich, dass ein Anfassbildschirm allein nicht ein durchdachtes Bedienkonzept ersetzt. Die Sony T500 macht die Bedienung an einigen Stellen unnötig langwierig.

Ausstattung und Fazit

Ausstattung und Fazit

Bei der Bildqualität sind zwischen den drei Kameras keine allzu großen Unterschiede zu bemerken. Die Bilder sind ordentlich, aber nicht überragend - was von Kompaktkameras ja ohnehin niemand erwartet. Bei Aufnahmen ohne Blitz in der Dämmerung ist bei allen drei Modellen ab einem ISO-Wert von 400 ein leichtes Rauschen in den Fotos zu sehen (siehe Fotostrecke).

Einen deutlichen Unterschied bei der Bildgestaltung macht das Objektiv der Nikon S60 - der mögliche Winkel bei Aufnahmen ist nicht so weit wie der bei der Sony T500 und Samsung NV100, die Fotografen haben also weniger Gestaltungsspielraum (siehe Fotostrecke).

Videos können alle drei Kameras in HD-Qualität mit Stereo-Sound aufnehmen. Ärgerlich ist dabei, dass keine der Kameras das notwendige HDMI-Kabel mitliefert, um Fotos und Videos verlustfrei an HD-Fernsehern zu betrachten.

Noch ärgerlicher ist, dass keine dieser Kameras einen Mikro-USB-Eingang aufweist, um sie an Computer anzuschließen. Jede hat einen ganz eigenen Schnittstelleneingang, in den nur die mitgelieferten Kabel passen. Folge: Wer unterwegs ist, muss entweder das Zubehör oder einen USB-Speicherkartenleser mitnehmen, um Fotos einzulesen.

Bei den günstigsten Onlinehändlern kostet die Sony T500 und die Nikon Coolpix S60 um die 290 Euro, die Samsung-Kamera NV100 etwa 30 Euro weniger. Perfekt ist keine der Kompaktkameras, die Samsung NV100 überzeugt im Vergleich aber mit dem sehr hellen, scharfen Display und einer meist intuitiven Bedienung ohne große Ärgernisse.

Anfasskameras: Kompaktkameras mit Touchscreen

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