Minilaptop EeePC leidet unter Windows

Die neue Version des Minilaptops EeePC merzt die schlimmsten Mankos des Vorgängermodells aus: Bildschirm und Speicherplatz sind größer, für alle Microsoft-Fans gibt es eine Windows-Variante. Doch genau die nimmt dem PC-Zwerg viel von seinem ursprünglichen Charme, stellt Matthias Kremp im Test fest.

Hamburg - Man muss schon zweimal hinsehen, um den Unterschied zu bemerken. Zu sehen ist er ohnehin erst, wenn man den neuen EeePC 900 von Asus aufklappt. Im Vergleich zum Vorgängermodell EeePC 4G ist der Bildschirm nun größer. Wurde der Display des alten Computers noch von einem breiten Plastikrand eingefasst, sind die Ränder bei der neuen Version nun deutlich enger gefasst.

So sieht der Mini-Laptop nicht mehr nach Billig-PC, sondern einfach wie ein geschrumpftes Notebook aus. Version eins des weißen Zwergs hat einen wahren Boom derartiger Miniaturrechner für wenig Geld ausgelöst.

Auf immerhin 8,9 Zoll Diagonale, umgerechnet 22,6 Zentimeter, bringt es das Display des EeePC 900. Der Erstling musste sich noch mit 17,8 Zentimetern begnügen. Aber weil Größe nicht alles ist, quetschen die Ingenieure jetzt mehr Pixel auf die Bildschirmfläche. Statt der mageren 800 x 480 Bildpunkte des ersten EeePC tummeln sich nunmehr 1024 x 600 Pixel auf dem Display. So muss man beim Websurfen nicht mehr ständig hin und her scrollen und hat mehr Platz, den Desktop mit Symbolen vollzustopfen.

Ansonsten scheint sich auf den ersten Blick nicht viel getan zu haben. Von außen betrachtet, gleicht das neue Modell seinem Vorgänger bis ins Detail. Alle Anschlüsse sind da, wo sie auch beim EeePC 4G stecken. W-Lan, Netzwerk, USB- und Audio- und Monitoranschlüsse wurden unverändert übernommen. Sogar die Tastatur ist immer noch zu klein, um darauf Romane zu tippen. Nach etwas Eingewöhnung taugt sie aber gut für Mails und kurze Texte - besser als auf einem Blackberry tippt sich's auf einem EeePC allemal.

Die einzige technische Änderung, die man neben dem Display von außen erkennen kann, betrifft die integrierte Webcam. Sie liefert nun statt VGA- (0,3 Megapixel) immerhin SXGA-Bilder (1,3 Megapixel). Die übrigen technischen Änderungen verbergen sich hinter einer Abdeckklappe auf der Rückseite. Hier ist der Arbeitsspeicherchip zu sehen, der jetzt doppelt so viel Kapazität wie bisher bietet, ein Gigabyte Platz vorhält. Vor allem aber ist der Mini-PCI-Steckplatz, der beim ersten Modell noch leer war, jetzt mit einer sogenannten SSD-Festplatte, also einem Massenspeicher aus Chips anstelle rotierender Platten bestückt.

Linux-Nutzer bekommen mehr

Linux-Nutzer bekommen mehr

Dessen Größe richtet sich originellerweise nicht nach dem Preis, sondern nach dem Betriebssystem, für das man sich beim Kauf entscheidet. Wer dem Linux-Paket des ersten EeePC treu bleibt, findet hier einen 16 Gigabyte großen Festspeicher, während Asus in den mit Windows XP ausgestatteten EeePC acht Gigabyte einsetzt. Wie schon im Vorläufer sind vier Gigabyte direkt auf der Hauptplatine verlötet. So kommt man, je nach Modell, auf zwölf beziehungsweise 20 Gigabyte Gesamtkapazität - bei einem identischen Preis von 399 Euro wohlgemerkt.

Auf dem einer Vorserie entnommenen Testgerät läuft Windows XP meist problemlos, gelegentlich aber etwas zäh. Von Zeit zu Zeit genehmigt sich das kleine Rechnerkästchen eine mehrere Sekunden währende Denkpause. Standardsoftware lässt sich dennoch recht manierlich nutzen.

Mitgeliefert wird bei der Windows-Version Microsoft Works. Eine Maßnahme, die durchaus sinnvoll ist, da Works nicht nur weniger kostet, sondern auch weniger Speicherplatz verbraucht als Microsofts Office-Paket. Noch anspruchsloser ist freilich das Open Office, welches auf der Linux-Variante aufgespielt wird. Die ist überdies leichter zu bedienen, weil ihre großen Symbole speziell auf den kleinen Bildschirm des Mini-Laptops zugeschnitten sind.

Ohnehin verliert der EeePC im Windows-Betrieb viel von seinem speziellen Charme. Die simple, schnell zu überblickende und ergebnisorientierte Oberfläche des von Asus genutzten Xandros-Linux lässt Normalanwendern zwar nur wenig Raum für individuelle Anpassungen, lässt aber auch Computeranfänger zuverlässig zum Ziel kommen. Mit Windows an Bord wird er dagegen zu einem Mobil-PC wie viele andere - bloß billiger als die meisten.

Die Konkurrenz lauert schon - auch im eigenen Haus

Asus hat mit dem EeePC Neuland beschritten, eine ganz neue Geräteklasse, die ultramobilen Billig-Laptops (Netbooks), geschaffen. Mehr als eine Million Exemplare sollen schon verkauft worden sein, in diesem Jahr peilt der Hersteller bereits fünf Millionen an. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Längst versuchen sich etliche andere Anbieter an vergleichbaren Geräten.

Doch solche Wettbewerber braucht Asus eigentlich gar nicht. Schließlich macht sich das Unternehmen selbst genug Konkurrenz. Denn zeitgleich mit der Ankündigung des EeePC 900 in Deutschland hat der Konzern in Taiwan bereits den EeePC 901 vorgestellt.

In fast allen Belangen wird dieser Rechner dem 900er ebenbürtig sein. Nur wird der schon reichlich betagte Celeron durch Intels neuestes Mobiltriebwerk, den Atom-Prozessor mit 1,6 Gigahertz, ersetzt. Zudem soll Bluetooth integriert werden. Damit nicht genug: Asus hat ein Modell 1000 angekündigt, das wie das Dell-Gerät über ein 10-Zoll-Display verfügen soll.

Wann diese Varianten in den Handel und vor allem nach Deutschland kommen, steht freilich noch in den Sternen. Bislang plagen Intel  beim Atom-Chip noch Lieferprobleme. So könnte es, wie schon beim EeePC 4G, auch bei den neuen Billig-Laptops zu Verzögerungen zwischen Produktvorstellung und Verkaufsbeginn kommen. So wäre dem Modell 900 immerhin eine kurze Zeit der Einmaligkeit beschieden.

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