HD-Heimkino Lichtspielfest im Wohnzimmer

Messerscharfe Bilder fürs Wohnzimmer zum kleinen Preis - auf den ersten Blick scheint das nicht zusammen zu passen. Doch im Test zeigt sich, dass ein HD-Beamer von Acer diesen Anforderungen größtenteils standhält.

"Kannst Du den nicht ein bisschen kaputt machen?"

Der Ausspruch meiner elfjährigen Tochter trifft mich vollkommen unvorbereitet. Normalerweise zeichnet sie sich durch ein ungemein friedfertiges Wesen aus, und jetzt kommt so was. "Findest Du den denn so blöd?", frage ich. "Überhaupt nicht, aber vielleicht musst du ihn dann nicht zurückschicken".

"Er", dass ist ein Heimkinoprojektor, ein sogenannter Beamer. Für "ihn" musste ich die beiden, fast echten Kandinskys von der Nordwand unseres Wohnzimmers entfernen. Die kulturlose Aktion strafen die Gemälde, indem sie graue Ränder auf der weißen Wand hinterlassen. Da habe ich im Winter wohl allzu oft billige Kerzen angezündet. Ein Gerät wie dieses ist es mir aber durchaus wert, ein paar Tage auf Kunst zu verzichten.

Immerhin handelt es sich bei dem Testgerät, dem Acer H5350, um einen bezahlbaren HD-Heimkinoprojektor. Beamer mit HD-Auflösung sind bislang kaum zu Preisen unter 700 Euro zu bekommen. Das gilt eigentlich auch für den H5350, dessen Preis der Hersteller mit 899 Euro angibt. Im Web aber findet man Angebote, die weit darunter liegen. Über die Preissuchmaschine Geizhals  wird der Apparat gar schon für 530 Euro angeboten (Stand 26.05.2008). Grund genug, ihn einmal auszuprobieren, wenn auch nur mit der Wohnzimmerwand als Projektionsfläche.

Den Projektor freilich stört das nicht. Klar, über eine richtige Leinwand würde er sich bestimmt freuen und mir den zusätzlichen Aufwand mit einer Extraportion Brillanz danken. Aber er ist nur ein Testgerät, ein kurzzeitiger Gast in meinem Hause, und da muss er sich eben mit dem weiß getünchten Wandputz begnügen. Ein Kunststück, das ihm erstaunlich gut gelingt, zumindest wenn der Raum ein wenig abgedunkelt ist. Doch das stört mich nicht. Solange draußen die Sonne scheint, kommt Film- oder Fernsehen für mich normalerweise sowieso nicht in Frage.

Hell, aber nicht immer hell genug

Hell, aber nicht immer hell genug

Für den Test probiere ich das aber natürlich auch aus. Das ernüchternde Resultat: Gegen Tageslicht, das durch die Südfenster meiner Behausung reichlich ins Zimmer strömt, kommt der Acer nicht zufriedenstellend an. Dabei gibt der Hersteller die maximale Helligkeit mit 2000 ANSI-Lumen an, womit er "der hellste HD-Ready-Projektor auf dem Markt" sei und deshalb "auch bei Tageslicht eine ansprechende Projektion" biete. Nunja, dann scheint die Sonne bei mir wohl etwas heller als bei Acer. Zudem belegt eine kurze Recherche: Auch andere Hersteller, etwa Sanyo, geben für technisch vergleichbare Beamer dieselbe Helligkeit an.

Doch meine größte Sorge im Vorfeld des Tests war das Betriebsgeräusch. Während die meisten Fernseher ihren Dienst vollkommen geräuschlos verrichten, können Beamer ziemlich lautstark auf sich aufmerksam machen. Die extrem helle Lampe in ihrem Inneren wird heiß und muss ständig durch einen Luftstrom gekühlt werden, will man nicht riskieren, dass sie vorzeitig den Geist aufgibt. Der dafür zuständige Lüfter ist im H5350 glücklicherweise angenehm leise. Schaltet man das Gerät in den sparsamen und die Lebensdauer der Lampe verlängernden "Eco"-Modus, wird er fast unhörbar.

Alzheimer im Einstellungsmenü

Beim Ausprobieren dieser Funktion fällt mir allerdings ein Malus auf, der wirklich störend ist: Einige Einstellungen, die man im Menü des Geräts vornimmt, vergisst der Apparat sofort nach dem Ausschalten wieder. Dazu zählt auch die "Eco"-Funktion. So muss man sich vor jedem Filmabend wieder daran erinnern, wieder in den Sparmodus zurückzuschalten, der zumindest im abgedunkelten Wohnzimmer wunderbare Bilder liefert. Den zu nutzen, zahlt sich in barer Münze aus. Im Normalmodus gibt der Hersteller die Lebensdauer der rund 220 Euro teuren Lampe mit 3000 Stunden an. Im "Eco"-Modus hingegen soll sie sogar 4000 Stunden halten.

Erfreulicherweise gehört der Acer nicht zu der Masse der Projektormemmen, die sofort losjammern, die Lampe könnte Schaden nehmen, wenn man sie vor dem Abschalten nicht ausreichend abkühlen lässt. Normalerweise nämlich braucht ein Beamer nach dem Druck auf den "Aus"-Knopf noch etliche Minuten, bevor er sich endgültig abschaltet. In dieser Zeit kühlt der eingebaute Ventilator die dann bereits abgeschaltete Lampe langsam ab. Das tut normalerweise auch der Acer.

Aber, so versichert es zumindest der Hersteller, er nimmt es mir auch nicht übel, wenn ich einfach mal das Netzkabel ziehe, um schnell den Wohnzimmertisch freizubekommen, wenn überraschend die Nachbarn mit einem Fläschlein vom Roten vorbeikommen.

Kein Sparwunder

Kein Sparwunder

In solchen Fällen verschwindet das kleine Gerät zur Not auch mal in einer Schublade oder unter dem Sofa. Trotzdem darf man sich von der geringen Größe nicht täuschen lassen. Mein Energiekostenmessgerät heilt mich auf brutale Weise von dem Irrglauben, so ein kleines Projektorchen wäre viel sparsamer als die gewaltigen Plasma- und LCD-Bildschirme der Nachbarn - oder mein eigener alter Röhrenfernseher.

Der erste Blick auf das Display des Stromverbrauchszählers verheißt noch Gutes. Bescheidene 3,6 Watt genehmigt sich der Beamer, wenn er ausgeschaltet ist. Nun gut, wirklich "Aus" ist das zwar nicht, aber noch im Rahmen. Ein Druck auf die Einschalttaste lässt das digitale Zählwerk dann aber richtig losrattern. Erst als die Anzeige bei 220 Watt angekommen ist, stabilisiert sich der Wert. Ein Sparwunder ist der Kleine damit nicht, verbraucht genauso viel Energie wie ein LCD-Fernseher.

Aber echtes Kinofeeling kommt eben doch nur mit dem Beamer auf. Vor allem, wenn meine Tochter auf der Suche nach Salzgebäck durch den Lichtstrahl läuft. Fehlt nur noch der Eisverkäufer.

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