Windows Home Server Multimediale Schaltzentrale

Ein Server für die eigenen vier Wände? Microsoft zufolge macht das bereits Sinn, sobald mehr als zwei Rechner im Hause stehen. Ein Test zeigt, ob der sogenannte Windows Home Server hält, was er verspricht.

Hamburg - Bisher gab es reichlich Argumente, mit denen man sich vor der Installation eines Servers im eigenen Haus drücken konnte. Die Liste der populären Ausreden reicht von "zu teuer" über "zu kompliziert" bis zu "Linux? Was soll das denn sein". Und überhaupt: Wer braucht schon einen Server im eigenen Haus? Die simple Antwort aus dem Hause Microsoft : Jeder, der mehr als einen PC zuhause nutzt. Das dürfte mittlerweile auf eine Menge Haushalte zutreffen.

Um den Server für jedermann zu bauen, haben sich Microsofts Programmierer die hauseigene Serversoftware Windows Server 2003 geschnappt und alles über Bord geworfen, was tiefer gehende technische Vorkenntnisse verlangt. Übrig geblieben ist ein Softwarepaket, das selbst PC-Anfänger vor keine allzu großen Hürden stellt. Zu dessen Kernfunktionen gehört es, allen Anwendern im häuslichen Netzwerk einen zentralen Speicherort für ihre Dateien zur Verfügung zu stellen, automatisch Sicherheitskopien sämtlicher Daten anzulegen und gleichzeitig als Medienzentrale zu dienen.

Auf der IFA in Berlin wurden jetzt erste Komplettsysteme vorgestellt. Bisher war diese Software, von Microsoft "Windows Home Server" getauft, nur eingetragenen Betatestern zugänglich. Im Folgenden die Ergebnisse unseres Tests.

Installation und Bedienung

Die Installation der Software geht weitgehend automatisch von der Hand. Nach Eingabe einiger grundlegender Vorgaben kann man sich einen Kaffee kochen und zusehen, wie Dateien kopiert und der Rechner mehrmals neu gestartet wird. Nach erfolgreicher Installation können Tastatur und Maus von Server abgezogen werden, die übrigen Einstellarbeiten kann man per Fernsteuerungsprogramm Windows Home Server Connector von einem beliebigen PC im Netzwerk vornehmen.

Ohnehin muss diese Software auf allen PCs installiert werden, die den vollen Funktionsumfang des Servers nutzen sollen. Mit ihrer Hilfe können die Anwender im Heimnetzwerk festlegen, welche Ordner ihres Rechners auf dem Zentralspeicher gesichert werden sollen. Per Voreinstellung werden die Windows-Ordner für Fotos, Videos und Musik auf den Server-Festplatten gespiegelt, sodass ein gemeinsames Medienarchiv entsteht.

Damit niemand mit diesen Daten Schindluder treibt, können für einzelne Ordner Nutzungsrechte vergeben werden, beispielsweise, um den Kindern den Zugriff auf Papis Steuererklärung zu versagen.

Automatische Datensicherung

Automatische Datensicherung

Neben der gemeinsamen Datennutzung gehört es zu den Kernfunktionen des Servers, dass er automatisch von allen angemeldeten Rechnern Back-ups, also Sicherheitskopien, anfertigt. Dabei kann man frei einstellen, zu welcher Zeit die Datensicherung laufen soll und wie lange die Sicherungsdateien gespeichert bleiben sollen. Voreingestellt ist, dass der Server seine Untertanen zwischen 0 Uhr und 6 Uhr morgens weckt und ihre Festplatten nach aktuellen Änderungen durchsucht.

Das funktioniert freilich nur, wenn die Rechner aktiv sind oder sich im Ruhezustand befinden. Erfahrungsgemäß haben etliche PCs aber Probleme damit, sich zuverlässig in den Ruhezustand versetzen zu lassen (und vor allem wieder aufzuwachen). Das sollte man vorher überprüfen und im Zweifelsfall den täglichen Backup-Termin auf einen Zeitpunkt verlegen, zu dem die Rechner ohnehin eingeschaltet sind.

Das hat freilich den Nachteil, dass die fraglichen Rechner während der Datensicherung nur eingeschränkt nutzbar sind und zudem das Netzwerk stark belastet wird. Notebooks werden grundsätzlich nur dann gesichert, wenn sie per Netzteil mit dem Stromnetz verbunden sind.

Noch wichtiger als die eigentliche Back-up- ist allerdings die Wiederherstellungsfunktion. Die ist so vielfältig ausgelegt, dass man wahlweise einzelne Dateien, ganze Ordner oder gar komplette Festplatten wiederherstellen kann. Letztere Option lässt sich prima zweckentfremden, will man einem alten Rechner eine neue Festplatte spendieren.

Dazu lässt man den Server einfach einen Komplett-Backup anfertigen, baut die alte Platte aus, die neue ein und lässt das Back-up zurückkopieren. Und schon hat man seine komplette alte Windows-Umgebung samt sämtlicher Programme und Dateien auf den neuen Massenspeicher übertragen, ohne Windows neu installieren zu müssen.

Speicherplatz-Erweiterung per Plug and Play

Sollte dagegen einmal der Speicherplatz auf dem Server knapp werden, kann auch der bequem erweitert werden. Am einfachsten geht das mit externen Festplatten, die man per USB anschließt. Intern kann das Betriebssystem bis zu vier Laufwerke ansprechen. Das Besondere daran ist, dass die Software automatisch erkennt, wenn man einen neuen Massenspeicher hinzugefügt hat. Mit wenigen Mausklicks lässt sich dieser formatieren und so einrichten.

Der Einfachheit kommt dabei zugute, dass mehrere Festplatten automatisch zu einer Einheit zusammengelegt werden, die sich dem Anwender gegenüber nur mit dem Gesamtsspeicherplatz alle angeschlossenen Platten präsentiert. Wie viele Datenträger tatsächlich dahinter stecken bliebt verborgen und ist auch unerheblich.

Zugriff via Internet

Zugriff via Internet

Wirklich modern wird das Konzept des Windows Home Server, wenn es darum geht, von außen auf die darauf gespeicherten Daten zuzugreifen. So kann man beispielsweise vom Internetcafé aus Bilder oder Musik vom Server laden oder via W-Lan und Notebook aus der Flughafen-Lounge auf Office-Dokumente zugreifen. Wer sich traut, kann sogar Freunden oder Kollegen einen, allerdings in seinen Rechten eingeschränkten, Gastzugriff auf den Server gestatten.

Damit nicht genug, ermöglicht es die Software auch, die Rechner im Netzwerk via Internet aus der Ferne zu steuern. Auf diese Weise kann man beispielsweise ein Programm benutzen, dass nur auf einem der Rechner im Heimnetz installiert ist. Komfortabel funktionieren solche Spielereien freilich nur, wenn man über eine richtig schnelle Internetleitung online ist.

Sollte man unterwegs feststellen, dass im Heimnetz etwas nicht rund läuft oder die Konfiguration des Servers verbessert werden könnte, ist auch das kein Problem: die Steuerungskonsole funktioniert auch per Internet.

Apple- und Linux-Rechner vernetzen

Wie von Microsoft  nicht anders zu erwarten, ist der Windows Home Server grundsätzlich für einen Zusammenarbeit mit Windows-PCs ausgelegt. Die volle Funktionalität, inklusive Back-up- und Wiederherstellungsfunktionen, kann nur mit PCs genutzt werden, auf denen entweder Windows XP oder Windows Vista läuft. Als Endgerät zum Abspielen von Musik, Fotos und Filmen, sieht der Hersteller außerdem die hauseigene Spielekonsole XBox 360 vor.

Trotzdem bleiben Macintosh-Anwender und Linux-Nutzer nicht ausgesperrt. Da der Windows Home Server Standard-Netzwerkprotokolle verwendet, können solche Rechner den Server zumindest als zentralisierten Speicherplatz nutzen und auf diese Weise mit ihren Windows-Kollegen Daten austauschen. Zudem dürfte auch die Zusammenarbeit mit sogenannten Streamingclients anderer Hersteller prinzipiell möglich sein.

Kosten und Fazit

Das größte Manko des Windows Home Server ist jedoch, dass Microsoft  die Software nicht als Einzelprodukt anbietet. Während man das Programmpaket im Rahmen des Betatests noch auf jedem beliebigen Rechner installieren durfte, der die Grundvoraussetzungen zum Betrieb erfüllte, soll sie künftig nur noch im Komplettpaket mit Hardware zu bekommen sein. Das ist bedauerlich, wäre der Windows Home Server ansonsten doch eine wunderbare Möglichkeit, das Leben ausgedienter PCs zu verlängern.

Immerhin jedoch ist die Software so ausgelegt, dass sie auch auf bescheidener Hardware störungsfrei läuft. So genügt als Minimalausstattung ein Pentium-3-Prozessor der Ein-Gigahertz-Klasse, eine 70 Gigabyte-Festplatte sowie ein DVD-Laufwerk. Monitor, Tastatur und Maus werden nur während der Installation benötigt, können also von einem anderen PC ausgeborgt werden.

Fujitsu-Siemens zeigt auf der IFA den Scaleo Home Server. Ausgestattet mit zwei 250-Gigabyte-Festplatten und einem Intel-Celeron-Prozessor soll er für 499 Euro angeboten werden - und dabei auch noch gut aussehen, denn die Konstrukteure haben ihn in ein sehr schlankes Gehäuse verpflanzt. Der Aldi-Zulieferer Medion  hingegen setzt bei seinem Heimserver auf schlichtes PC-Design. Aber das muss kein Nachteil sein.

Denn im Idealfall verschwindet der Rechner nach der Installation sowieso im Keller oder einem Wandschrank, wo er niemanden stört. Solange es dort eine Steckdose und eine Netzwerkkabel gibt, ist es egal, wo die Kiste eigentlich steht - Hauptsache, sie erledigt ihren Job.