Fernsehen Digitale Flutwelle

Digitalisierung heißt das Zauberwort der neuen, schönen Medienwelt. Hunderte von Sendern soll der Zuschauer via Kabel, Satellit, Antenne oder Internet empfangen können. Auf der IFA in Berlin treten die Macher mit Geräten und Inhalten zum Schaulauf an.

Berlin - Die Tage des Analogfernsehens sind gezählt. Bis spätestens 2012 soll die herkömmliche Technik komplett abgeschaltet werden. Mit dem Digitalsignal kann die Anzahl der Sender auf einem Übertragungsweg deutlich erhöht werden.

Doch viele Verbraucher rätseln über die Wege in die TV-Welt von morgen. Ein Angebotsdschungel aus Decodern, den sogenannten Settop-Boxen, Verwirrung über technische Normen und Kosten erscheinen als hohe Hürde. Plasma- und LCD-Geräte für hochauflösendes Fernsehen (HDTV) sind derzeit die Renner im Handel: 2006 wurden erstmals mehr Flachgeräte als Röhrenapparate verkauft. Doch mit dem Programm hapert es noch. Nur wenige Sender haben die gestochen scharfen Bilder im Angebot.

Aber die Welle neuer Digitalinhalte rollt bereits an. Im deutschen Kabel sind rund 100 Sender empfangbar - vom Tierkanal bis Horoskop-TV. Unter dem Logo "Digital free" vertreibt der Kabelnetzbetreiber KDG dutzende nationale und internationale Programme. Allerdings muss der Zuschauer einen Decoder haben und eine Monatsgebühr zahlen. Bis 2009 will KDG mehr als 300 Programme bieten.

"Digital-Bouquets" der Fernsehsender

Auch ARD und ZDF sind längst mit ihren "Digital-Bouquets", zu denen Programme wie Eins Extra oder ZDF-Info gehören, im Rennen. Nun stellen beide Systeme die Weichen auch für Fernsehen via Internet. Ob auf PC oder Handy: Mit dem sogenannten IPTV und Video on Demand (VoD) sollen "Tagesschau" oder "Heute Journal" wie Dutzende anderer Sendungen in Zukunft überall empfangbar sein. Das ZDF hat schon Teile seines Programms als "Abruffernsehen" ins Netz gestellt.

Auch die privaten Fernsehsender RTL und ProSiebenSat.1  haben eigene Internetangebote und bieten etwa über das Portal Maxdome Filme auf Abruf im Netz an. Nutzer können gegen Gebühr Episoden von Serien wie "Brothers & Sisters" oder "Numb3rs" eine Woche vor Ausstrahlung herunterladen. RTL hat mit RTL-now.de ein ähnliches Angebot vornehmlich mit Eigenproduktionen im Internet.

Mit klassischer Werbung können all die neuen Digitalangebote kaum noch finanziert werden. Auch die Öffentlich-Rechtlichen schließen nicht mehr aus, über die Gebühren auch Geld für neue Digitalprogramme zu verlangen. Von 2008 wollen die Sender eine Erhöhung von derzeit 17,03 Euro um 1,44 Euro.

Gegen das Boxenchaos

Gegen das Boxenchaos

Gegen die gebührenfinanzierte Ausbreitung beim digitalen Fernmsehen laufen Privatsender und Verleger Sturm. ARD und ZDF sehen allerdings ihren Auftrag zur Grundversorgung gedeckt. In der digitalen Welt soll die Rundfunkgebühr zur "Contentflatrate für Qualitätsinhalte" werden, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff.

Experten rechnen in den nächsten Jahren mit einem rasanten Wachstum auf dem Pay-TV-Markt - nicht nur wegen der begehrten Ware Fußball. "Kostenpflichtiger Premium-Content jenseits von Sport wird in Deutschland offenbar immer stärker nachgefragt", sagt der Medienexperte Klaus Goldhammer. Als Übertragungsweg holt neben dem digitalen Antennenfernsehen DVB-T ("Das Überall-Fernsehen"), auf dem bis zu 30 Kanäle zu sehen sind, der Satellitenempfang deutlich auf. Von den 16,7 Millionen Haushalten mit Schüsseln auf dem Dach oder Balkon sind die Hälfte für Digitalempfang ausgerüstet. In Zukunft soll der Empfang von viel mehr Sendern möglich sein.

Der europäische Satellitenbetreiber SES Astra will mit seiner Plattform Entavio den Digitalempfang vereinfachen und verspricht ein "Ende des Boxenchaos". Mit der Settop-Box sollen alle Digitalprogramme - ob frei oder verschlüsselt - gesehen werden können und damit das Durcheinander mit mehreren Empfangboxen beendet werden.

Als neutrale Plattform stehe das Gerät allen Sendern zur Verfügung, sagt Astra-Chef Ferdinand Kayser. Bis 2008 solle die Hälfte aller neuen Boxen "fit für Entavio" sein. Damit könnten Zuschauer weitere digitale Inhalte und Dienstleistungen erhalten. Bereits im vergangenen Jahr wollten Privatsender ihr Angebot über Satellit verschlüsselt senden - das Kartellamt vermutete den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung und stoppte das Projekt.

Der Bezahlsender Premiere  unternimmt jetzt einen neuen Vorstoß. Am 1. September geht das das Satellitenangebot über die Entavio-Box an die Zuschauer. Das Gerät steht für alle frei empfangbaren Kanäle offen, mit einer sogenannten Smartcard gibt es auch Zugang zum Abonnenten-TV.

Esteban Engel, dpa

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