IFA-Fernseher Flacher Größenwahn

Flacher, größer, schärfer - pünktlich zur IFA übertrumpfen sich die Hersteller mit immer neuen Qualitätssprüngen. manager-magazin.de präsentiert eine Auswahl an Fernsehgeräten, die teilweise ganze Wohnzimmerwände bedecken.
Von Peter Kusenberg

Hamburg - In den Zeiten von "Dalli Dalli" passte höchstens ein doppelzentnerschweres Röhrenmonster mit einer Bilddiagonale von 79 Zentimetern in die Wohnzimmer-Schrankwand. Im HDTV-Zeitalter werden Bilddiagonalen in der Retro-Maßeinheit Zoll gemessen, der 79er ist demnach 32 Zoll lang - rund 81 Zentimeter. Zu kurz für Hersteller wie Sharp , die sich gern auf die ganz dicken Dinger konzentrieren.

In diesem Jahr stellt der japanische Hersteller im Rahmen seiner Aquos-WD1E-Serie drei Modelle vor, von denen schon die kleinste Bilddiagonale 32 Zoll lang ist. Entsprechend gigantoman sind die Preise. Kommentar von Deutschland-Chef Frank Bolten auf einer Veranstaltung des Hightech Presseclubs in Hamburg: "Wir haben echte Anfass-Qualität: Im ersten Quartal 2007 hat Sharp in Deutschland zwar nur einen Anteil von 9 Prozent in Bezug auf die verkauften Stückzahlen; beim Wert liegen wir jedoch bei 18 Prozent." Auch eine Art, hohe Preise zu rechtfertigen.

Aktuelles Glanzstück der Serie ist der LC-52HD1E: ein LCD-Fernseher mit 52-Zoll-Bilddiagonale (132 Zentimeter), einer Bildwechsel-Rate von 100 Hertz (Hz), eingebauter 160-Gigabyte-Festplatte und Empfangstunern für DVB-C (Kabel), DVB-S (Satellit) und DVB-T (Antenne). Insgesamt 5499 Euro kostet der Riesenfernseher, der - so Bolten - dank 100-Hz-Technik hässliche Schlieren bei schnellem Bildwechsel unterdrücken soll.

Freunde des Privatfernsehens dürften die eingebaute Lautstärkenanpassung namens AVC begrüßen: Werbe-Einblendungen werden automatisch auf das Lärmniveau des Films oder der TV-Show gedimmt - wohl auch damit der Werbefilm-Dilettant Oliver Pocher den Fernseh-Kasper Oliver Pocher nicht länger übertönt.

Flimmerfreies Heimkino

Loewe: Luxuriöses Heimkino

Im Vergleich zum Aquos setzt Loewe  sogar noch einen drauf: Wie Miteigentümer Sharp  (hält zirka 29 Prozent der Loewe-Aktien) produziert das oberfränkische Unternehmen LCD-Fernseher mit 100-Hertz-Technik, Full-HD-Bildschirm für Auflösungen von bis zu 1920 mal 1080 Bildpunkten und HDMI-Schnittstellen. Zusätzlich enthält das Modell Individual 52 Compose eine komplette Mediacenter-Software sowie typische PC-Schnittstellen á la USB.

Fotos angucken, Musik abspielen und, klar, Filme und Fernsehserien gucken soll spielend einfach vonstatten gehen. Die Compose-Geräte unterstützen 7.1-Klang und enthalten Settop-Boxen zum Empfang aller möglichen Pay-TV- und Nicht-Pay-TV-Kanäle.

Und siehe da: Bill Gates' alter Traum von der Eroberung des Wohnzimmers nimmt mit dem Fernseher als heimische Medienzentrale Gestalt an. Und tatsächlich profitiert Microsoft  davon, obwohl im Mittelpunkt nicht wie einst gedacht ein PC oder eine Xbox 360 steht, sondern ein in den Fernseher integriertes Rechnerhirn. Darin aber tickt und denkt ein Microsoft-Betriebssystem.

Die PC-Kompatibilität wird unter der Marke "Loewe Connect" verkauft, die Zielgruppe sind finanzstarke Zeitgenossen, die sich für die Idee des Individualfernsehens erwärmen können: "Das Fernsehen wird insgesamt individueller werden, unsere Fernseher lassen sich gemäß der persönlichen Bedürfnisse des Kunden einrichten", sagt Unternehmenssprecher Roland Raithel.

Loewe verkauft das Gerät als "Nachfolger des besten Fernsehers der Welt", des von der "Home Vision" ausgezeichneten Modells Individual 46 Compose. Der genaue Preis steht noch nicht fest, das 46-Zoll-Modell wird wohl etwa 5000 Euro kosten und lässt sich – wie die meisten aktuellen Geräte - auf ein Möbelstück stellen oder an die Wand hängen.

Hitachi: Große Kisten, die nicht flimmern

Auch der japanische Konzern Hitachi  zeigt auf der IFA vor allem große Kisten, die nicht mehr flimmern. "Der Fokus liegt auf dem High-End-Markt, wir bedienen jedoch weiterhin alle Bedürfnisse", sagt ein Unternehmenssprecher.

Im Ausstellungssraum stehen Modelle wie der P60XR01, ein Plasmagerät mit einer Auflösung von 1080 mal 1920 Bildpunkten, Motordrehfuß, USB-Anschluss und eingebauter 250-Gigabyte-Festplatte. Rund 6500 Euro kostet der schicke schwarze Technikbolide. Die 50-Zoll-Variante ist ganze 3000 Euro günstiger, steht aber auf der inoffiziellen Angeber-Skala locker zwei Punkte unter dem 60-Zoll-Monster, das ein Garagentor wohl größtenteils verdecken könnte.

Wer keine Garage und nur ein kleines Wohnzimmer hat, wird sich vielleicht mit den LCD-Geräten der Produktfamilie H anfreunden: Ein silberfarbenes 26-Zoll-LCD-Gerät mit Scart- und HDMI-Anschluss ist schon ab 649 Euro erhältlich.

Verzichten muss der Billigkäufer auf die "Picture Master"-Technik. Das TV-Extra, mit dem HD-Filme aussehen sollen wie HD-Filme (und nicht wie schlierige Schwarzkopien mit Blockbildung) gibt es nur in der T-Serie. Das günstigste Gerät dieser Klasse ist der 42-Zöller P42T01 für rund 1600 Euro.

Kontrastreiche Vollbilder

Toshiba: Schnelle Schnitte statt halbe Bilder

Hersteller Toshiba  stört sich offenbar an den Kundenbeschwerden über ruckelige Bilddarstellung - und stellt aktuelle Modelle mit erneuerter Technik vor. Die schöne neue Gerätereihe soll auf die Produktion von Halbbildern verzichten und stattdessen echte 24 Bilder pro Sekunde berechnen.

Um dies zu leisten, muss der Prozessor seine Leistung dynamisch an das Bewegtbild anpassen. Geleistet wird dieser Kraftakt von 100-Hertz-Prozessoren namens "Active Vision M100", die von 25 Bildern pro Sekunde ausgehend die Darstellung berechnen.

Die Toshiba-Geräte enthalten außerdem eine automatische Lichtanpassung und drei HDMI-Anschlüsse an der Rückseite. Die REGZA-LCD-Serie wird es ab Herbst 2007 mit einer Bilddiagonale von 37, 42, 47, 52 und 57 Zoll geben.

Dabei setzt auch Toshiba auf Größe: Bei den Modellen der XF-Serie verzichtet der Hersteller auf einen breiten Rahmen, nutzt die Fläche des TV-Geräts weitestgehend für das Sichtfeld aus. So soll das 46-Zoll-Modell 46XF350D kaum mehr Platz benötigen als ein herkömmliches 42-Zoll-Modell. Einen Preis gab Toshiba noch nicht bekannt.

Pioneer: Kontrastschärfe 20.000:1

Nussbaum und Eiche sind passé - aktuelle Fernseher sind weiß, silber oder schwarz. Passend dazu entwickelte Pioneer  ein umfassendes Marketinginstrument: "Projekt Kuro". Das japanische Wort "kuro" bedeutet "schwarz". Schwarz sind auch die Gehäuse der neuen Modelle - wie das des Ein-Meter-Plasmageräts PDP-428XD.

Dieses strotzt nur so vor Hightech und hat ein Kontrastverhältnis von 20.000:1, das "den Schwarzwert um 80 Prozent steigert", wie es in einer Unternehmensmeldung heißt. Die ganze Schwarzmalerei hat auch einen Grund: Das bleiche Plasma-Fernsehbild beeinflusst alle Farben, lässt sie kräftiger zum Vorschein kommen - was sich vor allem bei dunklen Filmen bemerkbar machen soll.

Das Modell PDP-428XD gibt’s für rund 2400 Euro, das 50-Zoll-Modell PDP-508 XD kostet mindestens einen Tausender mehr. Ab September sind die Geräte in den Größen 42, 50 und 60 Zoll als Full-HD-Modelle erhältlich. Filme wie "Men in Black", "Black Box" oder "Dancer in the Dark" können so besonders schön ins Lavalampen-Wohnzimmer strahlen.

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