Wachstum IT-Branche rudert zurück

Bisher blickte die IT-Branche hoffnungsvoll in die Zukunft. Doch nun schrauben die Unternehmen ihre Erwartungen trotz des IFA-Booms nach unten. Die hohe Nachfrage nach Unterhaltungselektronik könne die kommende Kaufzurückhaltung durch Mehrwertsteuererhöhung und Rundfunkgebühren nicht kompensieren, heißt es.

Berlin - Der deutsche Informations- und Telekommunikationsmarkt (ITK) wächst nach Einschätzung des Branchenverbands Bitkom langsamer als ursprünglich erwartet. Schuld daran sei der harte Preiswettkampf bei PCs, Festnetztelefonie und Unterhaltungselektronik, sagte Bitkom-Präsident Willi Berchtold am Dienstag. Neben der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel spiele vor allem die zum gleichen Zeitpunkt geplante Einführung von Rundfunkgebühren auf PCs und Handys, die den Absatz solcher Produkte erschweren werde, eine wichtige Rolle.

Im kommenden Jahr werde sich das Wachstum der Branche verlangsamen und nur mehr 1,6 Prozent auf 148,8 Milliarden Euro betragen. Bisher war der Verband von einem zweiprozentigen Plus ausgegangen.

Für 2006 geht Berchtold für die Branche von einem Marktwachstum von 2,5 Prozent auf 146,4 Milliarden Euro aus - erstmals unter Einbeziehung des schnell wachsenden Bereichs Unterhaltungselektronik. Zuvor hatte Bitkom für 2006 zwar ein Plus von 2,4 Prozent auf 137,4 Milliarden Euro prognostiziert, dabei allerdings Produkte wie Fernseher, DVD-Player und Digitalkameras nicht berücksichtigt. "Es gibt Licht und Schatten. Viele Bereiche laufen sehr gut. Es gibt aber auch einige Segmente, in denen die Umsätze zurückgehen", sagte Berchtold.

Preiskampf lässt Umsätze schrumpfen

Der erbitterte Preiskampf bringe einigen Anbietern trotz höherer Verkaufszahlen niedrigere Erlöse. So erwartet Bitkom etwa bei PCs in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von 1,7 Prozent, bei der klassischen Festnetztelefonie soll das Minus sogar 4,5 Prozent betragen. "Mit sinkenden Mobilfunkpreisen telefonieren die Verbraucher mehr mit dem Handy anstatt mit dem Festnetztelefon", sagte Berchtold. Zusätzlich telefonierten viele Deutsche statt über das klassische Festnetz mittlerweile über das Internet.

Zu Markttreibern hätten sich hingegen Software und vor allem digitale Unterhaltungselektronik entwickeln. "Den Computerproduzenten hat die Fußball-WM weniger genützt als geschadet", sagte Berchtold. Viele Verbraucher hätten sich offenbar für einen Flachbildfernseher statt für ein neues Notebook entschieden. Bei PCs und Druckern seien die Verkaufszahlen zwar steigend, aufgrund des andauernden Preisverfalls in dem Segment seien die Umsätze aber rückläufig.

dpa/reuters