IFA-Rückblick Hightech auf den Spieltischen

Sechs Tage Zukunftsmusik sind vorbei. Die Aussteller sind zufrieden mit der Internationalen Funkausstellung 2006 und die Kunden haben viel Neues gesehen. Zum Beispiel ein Radio mit Handkurbel oder ein Fernsehbild, das den Zuschauer verfolgt. Ein Blick zurück ins Berliner Elektronik-Spielzimmer.
Von Eva-Maria Hommel

Berlin - Hochauflösendes Fernsehen, Blu-ray und multifunktionale Flashplayer - bei der IFA stapelten sich die Hightech-Produkte auf den Tischen. Doch wer sich auf dem Berliner Messegelände genau umschaute, konnte auch ganz andere Dinge entdecken.

Ein Publikumsliebling war das Kurbelradio des bayrischen Unternehmens HGH Innovation. Das handliche Gerät ist mit einem Dynamo ausgestattet - eine Minute kurbeln bringt 20 Minuten Radiobeschallung. "Wir wollten weg von der Hochtechnologie und hin zum Nützlichen", erklärt Unternehmenssprecher Friedrich Oehlerking. Das Gerät CR 300 sei modern - schließlich komme es ganz ohne kostbaren Strom oder Batterien aus.

Die Kunden scheinen sich nicht daran zu stören, dass sie sich ihre Radiominuten hart erarbeiten müssen. Eine Woche nach dem IFA-Auftakt sind schon 300 Bestellungen für das Gerät bei HGH Innovation eingegangen. Viele Käufer wollen das Radio zum Camping oder zum Abenteuerurlaub mitnehmen.

Wer sich in der Wildnis verirrt und das Gerät dabei hat, kann sich glücklich schätzen: Neben der Kurbel sind auch eine helle Taschenlampe und eine Sirene eingebaut - vielleicht als Schutz gegen Urwaldtiere. Und wer nach ein paar Stunden Handarbeit keine Kraft mehr hat, kann immer noch auf Batteriebetrieb umschalten.

Fernsehgerät mit Orientierungssinn

Im Gegensatz zum Radio ist das neue Navigationsgerät von Naviflash für Wildnisabenteuer weniger geeignet. Zwar funktioniert die Orientierungshilfe überall. Der eingebaute Fernseher dagegen liefert nur im Umkreis von DVB-Antennen ein scharfes Bild.

Für das Autofahren im Großstadtdschungel ist Naviflash 1060 aber genau richtig - so sehen es jedenfalls die Anbieter. Die Orientierungshilfe mit Bild werde die Nutzer auch nicht vom konzentrierten Fahren abhalten, versichert Thomas Rudolph, der Vertriebsleiter des Unternehmens. "Wenn das Auto fährt, wird der Fernsehempfang automatisch deaktiviert". Die neue Entwicklung könne etwa für Taxifahrer interessant sein, die dann ihr Navigationsgerät in den Pausen als TV benutzen können.

Nicht für unterwegs, sondern für das Spielzimmer zu Hause sind die neuen Produkte von Philips  geeignet. Mit der AMBX-Technologie dringt das Unternehmen in die vierte Dimension der Computerspiele ein. Der Spieler bewegt sich nicht nur durch virtuelle 3D-Landschaften, sondern spürt auch noch den Windzug, wenn sich seine Figur aus großer Höhe herabstürzt. Kleine Ventilatoren am Computer machen es möglich.

Weniger aufregend, dafür aber kundenfreundlich ist die PC-Benutzeroberfläche Simplico, die das Joint Venture von Fujitsu  und Siemens  präsentiert. Die Anwendungsbereiche wie Büro, E-Mails, Organisation und Freizeit sind in verschiedenen Farben kenntlich gemacht - ein Farbleitsystem für Computerneulinge. Über die einfache Bedienung freut sich bestimmt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel - sie hatte zum Auftakt der IFA gesagt, die Hersteller sollten es den Kunden "nicht zu schwierig" machen.

Unterhaltsamer Tisch von Philips

Noch einen Schritt weiter in Richtung Spielzimmer geht Philips mit seinem Entertaible: Der Unterhaltungstisch erkennt die Bewegungen von Spielsteinen, sodass verschiedenste Gesellschaftsspiele darauf ausgetragen werden können. Großer Vorteil der elektronischen Fläche im Vergleich zum alten Spielbrett aus Pappe: Es gibt in der Mitte keinen Knick, von dem die Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Figuren immer wieder herunterrutschen.

Während das Entertaible eher für Lokale oder Casinos geschaffen ist, passt die Ambilight-Technik von Philips in jedes Wohnzimmer: Die Wand neben dem Fernseher wird in den Farben beleuchtet, die gerade auf dem Bildschirm erscheinen. Stilbewusste Zuschauer müssen ihr Programm also jetzt immer auf die Zimmereinrichtung abstimmen.

Das Fernsehgerät als Mittelpunkt der Wohnung - diesem Prinzip bleibt Philips treu. Mit dem Follow me TV wagt der Elektronikhersteller eine ganz neue Definition von Überallfernsehen: Das Fernsehbild verfolgt den Zuschauer durch das ganze Haus. Wer W-Lan hat, kann eine Sendung beispielsweise im Wohnzimmer anhalten und sie dann fünf Minuten später im Schlafzimmer weiter anschauen, ohne etwas zu verpassen.

Der teuerste Fernseher der Messe war allerdings kein Hightechgerät mit digitalen Rafinessen. Das Yalos-Modell der italienischen Firma Keymat fällt eher durch seine extravagante Hülle auf: Diamanten und Weißgold von insgesamt 20 Karat prangen auf dem Gerät. Der Spaß kostet 100.000 Euro, und erste Bestellungen aus den USA und arabischen Ländern sind auch schon da.

So räumen die meisten Aussteller zufrieden ihre Tische. Sie haben jetzt Zeit, um sich neue Spielereien auszudenken - allerdings nur ein Jahr lang, denn 2007 beginnt schon wieder die nächste Internationale Funkausstellung in Berlin.