VoIP im Praxistest Ein Netz für alle Fälle

Den steigenden Kosten für den Unterhalt von Telefon-, PC- und Funknetz setzte der Ventilatoren-Spezialist Rosenberg ein konvergentes Netzwerk entgegen, das drahtgebunden und drahtlos Sprache sowie Computerdaten überträgt. Ein Bericht über Planung, Installation und Erfolg der neuen Technik.
Von Ernst Engelmann

Hamburg - Seit 1981 hat sich die Rosenberg Ventilatoren GmbH aus Künzelsau-Gaisbach zu einem europäischen Zentrum der Lüftungs- und Klimabranche entwickelt. Das Unternehmen produziert alle Teile von Motoren über Ventilatoren bis hin zu Steuerungen und kompletten Kastenklimageräten selbst.

Mit rund 700 Mitarbeitern ist die Rosenberg-Gruppe über acht Werke in fünf europäischen Ländern vertreten sowie über Niederlassungen weltweit. Die Gesamtproduktion liegt bei 120.000 Ventilatoren jährlich.

Für die Kommunikation im Unternehmen setzte die Rosenberg-Gruppe bislang jeweils eigene Netzwerke für Telefonie, Daten und Funkverbindungen ein. Mit der Zeit stiegen die Unterhaltskosten für den Betrieb der unterschiedlichen Netzwerkstrukturen ständig an. Dies lag vor allem an unregelmäßigen Aktualisierungen von Hardware und Software sowie Umstellungen durch neue Mitarbeiter und interne Arbeitsplatzwechsel. Die Folgen waren eine immer kompliziertere Verkabelung sowie Geräte von verschiedenen Herstellern.

Da zusätzlich die verfügbaren Leistungsmerkmale der eingesetzten PBX-Telefonanlage (Private Branch Exchange) nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprachen und sie keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bot, sollte sie durch eine moderne Lösung ersetzt werden.

Mehr Flexibilität durch IP

Vor allem eine höhere Flexibilität für Erweiterungen sollte die neue Anlage bieten. Bei der bisherigen Verkabelung war dazu nämlich ein erheblicher finanzieller Aufwand nötig, zum Beispiel für die Verlegung neuer Kabel oder der Einrichtung neuer Schaltschränke oder Patchfelder.

Die alternative IP-basierte Übertragung dagegen lässt sich leichter anpassen. Hier reicht für Änderungen häufig ein Umstecken oder das Patchen eines neuen Kabels am Serverschrank. Für diese technisch modernere Lösung sprach auch der Wunsch des Managements, in der Branche eine Vorreiterrolle zu spielen.

Nach der Entscheidung für Voice over IP (VoIP) lag die Idee eines konvergenten Netzwerks nahe, das neben Sprache auch Daten überträgt. Schließlich setzen bereits heute die meisten Unternehmen IP-basierte Netze für die Datenübertragung ein. Neben der Telefonie sollte somit auch die gesamte Computer-Kommunikation über das neue Netzwerk laufen, also die ERP-Applikation (Enterprise Resource Planning) ProAlpha, das CAD-System (Computer Aided Design) HiCAD, die CAQ-Lösung (Computer Aided Quality Control) Babtec sowie Kommunikationsprogramme und Office-Anwendungen.

Bei der Einführung des neuen Netzes sollten auch die zahlreichen heterogenen Strukturen mit Hubs und Switches von unterschiedlichen Herstellern in ein einheitliches System überführt werden.

Die Kosten sinken

Die Kosten sinken

Nach der Überprüfung verschiedener Angebote fiel die Entscheidung zugunsten von Cisco Systems. "Der vergleichsweise hohe Preis der Cisco-Produkte wird unter anderem durch deren zukunftssichere Technik mehr als ausgeglichen", kommentiert Heinz Leister, Geschäftsführer Rosenberg Ventilatoren GmbH.

Eine besondere Herausforderung an das neue Netz stellten vor allem die mobilen Nutzer dar. Während die mobile Datenerfassung (MDE) zur Kommissionierung, Lagerverwaltung und für Fertigmeldungen über PDAs relativ einfach über W-Lan (Wireless Local Area Network) zu integrieren war, mussten sämtliche schnurlose DECT-Telefone durch drahtlose IP-Telefone ersetzt werden. Ein paralleler Betrieb von DECT und WLAN hätte zu hohen laufenden Kosten geführt und die Konvergenz entsprechend behindert. Für die drahtlosen Systeme war auch eine geeignete Authentifizierung einzuführen, um das Netzwerk nach außen abzusichern, was nun über Cisco ACS Server erfolgt.

Die eingesetzten dynamischen, wechselnden Schlüssel bieten die derzeit maximal mögliche Sicherheit. Die Cisco Switching Infrastruktur ist seit November 2003 ohne größere Probleme im Einsatz, das Wireless Lan und die IP-Telefonie seit Dezember 2003. Derzeit ist nur die Zentrale an das Netzwerk angeschlossen, mit etwa 150 Nutzern im Stammhaus und im Außendienst. Juni 2004 kam die erste Außenstelle in Willich mit sieben Teilnehmern dazu.

Mobile Datenerfassung, bessere Erreichbarkeit

Zur Infrastruktur bei Rosenberg gehört ebenfalls die Einbindung verschiedener Anwendungen wie Voice-Messaging und CTI (Computer Telephony Integration). Dies ermöglicht eine Performancesteigerung des Netzes im Client/Server-Bereich durch strukturierte Layer3-Technik. Die Folgen: schnellere Abwicklung von internen Abläufen und eine bessere Erreichbarkeit der Mitarbeiter.

Dank der neuen Struktur wurden diverse Arbeitsabläufe und Prozesse optimiert, zum Beispiel die mobile Datenerfassung und die Betriebsdatenerfassung. Diese stehen nun jederzeit und überall zur Verfügung, Eingabe und Übertragung erfolgen schneller und die Daten können sofort in anderen Programmen weiterverarbeitet werden.

Neben den Kosteneinsparungen durch das eigenhändige Management fällt durch das konvergente Netzwerk auch die Sekundärverkabelung des Telefonnetzes weg. Die nicht mehr notwendigen Patchfelder, Schaltschränke und Ports schlagen ebenfalls positiv zu Buche. In Zukunft sollen auch die Telefonkosten durch interne Gespräche zwischen den Niederlassungen entfallen. Sobald die anderen Standorte angebunden werden, verläuft die Kommunikation nämlich kostenlos über das IP-Netz.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.