Internettelefonie Die Rufnummern-Misere

Noch hat sich Voice over IP nicht am Massenmarkt durchgesetzt, doch das Interesse an der neuen Technik ist groß. Welche Telefonnummer sollen die Nutzer von Internet-Telefonie erhalten? Die Regulierungsbehörde hat sich in den Kampf um die Nummern eingemischt und verärgert die Telekom-Konkurrenz.

Düsseldorf - Die Kunden sind verunsichert, die Unternehmen empört. Mit ihrem Vorgehen gegen mehrere Anbieter von Internettelefonie hat sich die Regulierungsbehörde für Telekommunikation in Bonn reichlich Unmut eingehandelt. Die Anbieter dürfen von diesem Freitag an Telefonnummern nur noch lokal entsprechend der Ortsvorwahl vergeben, hat die Behörde verfügt. Die Anbieter von Voice over IP (VoIP) sehen dadurch mangels Alternativen ihr gesamtes Geschäft massiv behindert und vermuten staatlichen Protektionismus zu Gunsten der Deutschen Telekom .

Die Regulierungsbehörde begründet ihren Schritt, von dem manches betroffene Unternehmen zuerst aus der Zeitung erfuhr, mit der Gefahr einer Rufnummern-Knappheit in Deutschland. Sollten die Internet-Telefongesellschaften ihre bundesweite Nummernvergabe aus nur wenigen Ortsnetzen schöpfen, könnten die Nummern dort eines Tages ausgehen.

"Die Behörde verbietet, ohne Alternativen bereitzustellen. Sie hat die Rufnummern-Misere durch Untätigkeit selbst verursacht", erwidert Thilo Salmon, Geschäftsführer des Düsseldorfer Internet-Telefondienstes Sipgate. Für eine bundesweite Rufnummern-Zuteilung verlange die Bonner Behörde 2,5 Millionen Euro Verwaltungsgebühren - in England und Österreich sei dies umsonst. Reinen Internet-Telefonanbietern will die Behörde gar keine Nummern mehr zuteilen.

Die Regulierungsbehörde weist Vorwürfe, sie behindere den Markt, weit von sich: "Wir wollen nichts gegen den Markt machen. Wegen des Nummernproblems mussten wir aber schnell einschreiten", sagt deren Sprecher Rudolf Boll. Den Ausweg sehen die Regulierer in einer eigenen Rufnummerngasse für Internettelefonie, die die Vorwahl 032 bekommen soll.

Extra Rufnummern für VoIP

Extra Rufnummern für VoIP

"Wir reden seit einem Jahr über Rufnummern und es gibt sie immer noch nicht", entgegnet Salmon. Eine eigene Vorwahl könnte sich zudem als Reinfall entpuppen: Für die klassischen Telefongesellschaften wäre es damit möglich, für die Durchleitung der ungeliebten, neuen Konkurrenz Preise zu verlangen, die den Telefonierern via Internet jeden Spaß an der neuen Technik verderben. "Die Kunden wollen ihre alten Telefonnummern zum neuen Anbieter mitnehmen. Das wäre verbraucherfreundlich und es würde auch kein Nummern-Engpass entstehen."

Freenet-Chef Eckard Spoerr, wie Sipgate einer der Internet-Telefonanbieter, geht mit der Staatsaufsicht für die Telekommunikation ebenfalls hart ins Gericht: Die Behörde schütze die Telekom, behindere Innovationen und verlange nun sogar von den Unternehmen, ihre Angebote binnen weniger Tage vom Markt zu nehmen. Web.de , das bislang Nummern aus einem einzigen Ortsnetz zuteilte, will seinen Kunden nun eine 01212-Nummer zusätzlich zu ihrer bisherigen Nummern zuteilen.

Spoerr und Salmon vermissen in einer weiteren entscheidenden Frage beim Regulierer jede Freude am Wettbewerb: So sei die Behörde bislang nicht dagegen eingeschritten, dass die Telekom ihren schnellen DSL-Datenverkehr mit dem Telefonanschluss koppelt.

"Aus unserer Sicht ist die Kopplung wettbewerbswidrig und ein Verstoß gegen das Telekommunikationsgesetz", sagt Salmon. In Norwegen etwa sei die Trennung vollzogen und die Internettelefonie boomt. In Japan telefonierten schon mehrere Millionen Menschen via Internet und in den USA Hunderttausende. Für kommenden Montag hat der Chef der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, in Bonn eine Grundsatzrede in Aussicht gestellt.

Frank Christiansen, dpa

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