W-Lan Draht- und ratlos

Hotspots schießen wie Pilze aus dem Boden. In Hamburg etwa entsteht das größte nicht-kommerzielle W-Lan-Netz Deutschlands. Einige Firmen wollen auch Geld mit dem mobilen Internet verdienen. Fragt sich bloß, wann und wie viel.
Von Niels Kruse

Hamburg - Wohl kaum ein Bereich des Lebens wird nicht irgendwann Thema von Volkshochschulkursen. Nun hält auch das drahtlose Internet, W-Lan genannt, und bislang eher zu Hause in edlen Hotellobbys und Flughäfenlounges, Einzug in die Volksweiterbildungsstätten. Zumindest denen Hamburgs.

In fünf von acht VHS-Niederlassungen werden mit Hilfe von Panasonic so genannte Hotspots installiert, als Teil des Projekts "Hotspot Hamburg" von der Initiative Hamburg@work. In einem Jahr haben verschiedene Sponsoren und eine Reihe von Technologie-Unternehmen 45 öffentlich-mobile Internetzugänge installiert.

Anders als in anderen Städten sollen die W-Lan-Zugänge auch weiterhin kostenlos angeboten werden. Damit ist "Hotspot Hamburg" das größte nicht-kommerzielle W-Lan-Projekt Deutschlands. Und nicht nur das: Auch gemessen an der Zahl der gesamten Zugänge ist die Hansestadt Deutschlands W-Lan-Hauptstadt, kommerziell wie nicht-kommerziell.

Eine Milliarde Euro Umsatz durch Nutzerentgelte in 2006

Insgesamt hat eine Studie des Chipherstellers Intel  82 öffentliche Hotspots gezählt. In Kiel 70 und in Berlin 68. Und wie hier schießen auch weltweit die 'heißen Punkte' wie Pilze aus dem Boden. Konservative Experten schätzen, dass sich deren Zahl von derzeit 15.300 auf 39.000 im Jahr 2005 mehr als verdoppeln wird und bis 2008 weltweit rund 700 Millionen Menschen drahtlose Internetzugänge nutzen werden.

Die Hoffnung vieler W-Lan-Euphoriker ruht auf Schätzungen, nach denen 2005 etwa 95 Prozent aller Notebooks mit W-Lan ausgestattet sein werden. Ob sich die W-Lan-Zugänge für die Aufsteller und Betreiber auch lohnen werden, ist noch nicht klar. Schließlich besäßen auch 100 Prozent aller Autos einen Zigarettenanzünder, doch nicht jeder fange deshalb an zu rauchen, spotten kritische Stimmen.

So rechnen die Marktforscher von Forrester in fünf Jahren mit einem monatlichen Umsatz in Höhe von gerade einmal 2,23 Euro pro Nutzer. Andere Institute sind optimistischer. Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan erwartet dagegen eine wahre Erlösexplosion: Von derzeit 18 Millionen Euro soll bis Ende 2006 allein mit Hilfe von Nutzerentgelten die Milliarden-Euro-Grenze überschritten werden, so eine jüngst veröffentlichte Studie.

W-Lan-Markt schon jetzt zerklüftet

W-Lan-Markt schon jetzt zerklüftet

Nach Ansicht der Berater wird diese Entwicklung besonders von den Ex-Monopolisten aus dem Festnetz- und Mobilfunkbereich getragen. Sie verfügten im Gegensatz zu anderen Unternehmen über die notwendigen Ressourcen für den Aufbau von Hotspots. Unabhängigen Dienstanbietern dagegen fehle es oft an Kapital und Know-how, um große Netze aufbauen zu können.

Das Beispiel Hamburg zeigt, dass sich der W-Lan-Markt zurzeit recht zerklüftet präsentiert. Sowohl T-Online  als auch Konkurrent AOL  statten Hotels, Cafés und Plätze mit drahtlosen Zugängen aus, ebenso wie Panasonic zusammen mit anderen Unternehmen ein nicht-kommerzielles Netz aufbaut. Viele Anbieter jedoch hielten laut Frost & Sullivan bereits einen kurzfristigen Erfolg für attraktiv, da sich selbst bei geringen Investitionen hohe Umsätze erzielen lassen.

Voraussetzung ist nach der Analyse allerdings die Wahl eines geeigneten Geschäftsmodells. So hat der nur mäßige Erfolg von kommerziellen Diensten in Nordamerika gezeigt, dass die Mischung aus Kundensegmentierung, geografischer Positionierung, Preisen und Serviceangeboten eine entscheidende Rolle spielt.

W-Lan im Flugzeug ist für Nutzer ein echter Mehrwert

Im Grunde eine Binsenweisheit, bietet W-Lan den Nutzern schließlich keine völlig neue Technik, sondern nur einen anderen Zugang zum altbekannten Internet. Dafür zahlten die Menschen aber nur Geld, wenn sie einen Zusatznutzen davon hätten oder eben keine Alternative wie im Flugzeug, sagt Ted Hunting, Marketingchef des US-Softwareherstellers Naurus.

Auf den Straßen Hamburgs zum Beispiel konkurrierten die Hotspots aber mit Internet-Cafés oder Bibliotheken. Hunting glaubt deshalb, dass Exklusiv-Anbieter wie Fluggesellschaften für ihren Service gutes Geld verlangen könnten, eine Deutsche Telekom  oder AOL sich dagegen mehr einfallen lassen müssten - etwa Kooperationen mit Hotels, Städten oder anderen Dienstleistern.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.