Spitzenkoch Alexandre Mazzia Drei Michelin-Sterne für einen Foodtruck in Marseille

Die Öffnung der Restaurants in Frankreich ist verschoben, einen neuen Guide Michelin gibt es trotzdem - und auch einen neuen Drei-Sterne-Koch: Alexandre Mazzia aus Marseille passte sich findig im Lockdown an.
Wie ein Juwelenverkäufer: Sternekoch Alexandre Mazzia in seinem Foodtruck im November 2020 in Marseille

Wie ein Juwelenverkäufer: Sternekoch Alexandre Mazzia in seinem Foodtruck im November 2020 in Marseille

Foto: NICOLAS TUCAT / AFP

Für den französischen Spitzenkoch Alexandre Mazzia ist die Ehrung durch den Gastroführer Michelin ein kleines Trostpflaster: Das Restaurant "AM" des Kochs aus Marseille ist am Montag als einziges in diesem Jahr mit drei Sternen ausgezeichnet worden. Darauf muss der 44-Jährige nun ganz allein anstoßen - sein Restaurant ist wie alle in Frankreich seit Ende Oktober geschlossen und eine Wiedereröffnung ist nicht in Sicht.

Mazzias Kochkunst sei "einzigartig", sagte der Chef des Michelin-Führers, Gwendal Poullennec (39), der Nachrichtenagentur AFP. In seinem Restaurant "AM" mit nur 22 Plätzen verwendet der Sternekoch demnach mehr als 200 Gewürze. Mazzia ist durch die Küche der Demokratischen Republik Kongo beeinflusst. In dem afrikanischen Land hatte er die ersten 15 Jahre seines Lebens verbracht.

In der Corona-Krise verkaufte Mazzia sein Essen zum Teil zum Mitnehmen über einen Foodtruck in Marseille. Er fühle sich wie ein kulinarischer "Juwelenverkäufer", sagte er dazu im Herbst.

Ursprünglich wollte die französische Regierung den Restaurants und Bars an diesem Mittwoch erlauben, erstmals seit zweieinhalb Monaten wieder zu öffnen. Der Termin ist jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Grund sind die steigenden Infektionszahlen und die Sorge um eine Ausbreitung der neuen Mutanten des Coronavirus.

Marktstand mit drei Sternen

Mit Mazzias Aufstieg erhöht sich Zahl der Edellokale mit drei Sternen in Frankreich und Monaco auf 30. Michelin verzichtete in der Topliga auf Herabstufungen. Zusammen haben 638 Restaurants einen, zwei oder drei Sterne. In Deutschland gibt es zehn Restaurants mit drei Michelin-Sternen.

Frankreichs Spitzengastronomie sei angesichts einer beispiellosen Krise in einer schwierigen Lage, machte Poullennec deutlich. Der Guide Michelin setzte auch Inspektoren aus internationalen Teams ein, um Lokale zu testen. "Die Köche Frankreichs stehen aufrecht", sagte der Chef vom Guide Michelin. Die Sternevergabe auf dem Eiffelturm fand ohne Publikum statt und wurde im Internet übertragen.

Das Pariser "Marsan" von Hélène Darroze und das "La Mérise" von Cédric Deckert im elsässischen Laubach bekamen erstmals zwei Sterne. Spitzenköchinnen sind weiter vergleichsweise rar; im exklusiven Club der Drei-Sterne-Feinschmeckertempel gibt es nur Anne-Sophie Pic aus dem südfranzösischen Valence.

Die Krise veranlasst auch Branchen-Champions, neue Wege einzuschlagen. Mauro Colagreco vom "Mirazur" in Menton an der Côte d'Azur richtete mit einem Unternehmer einen Feinkoststand in einer Markthalle in Monaco ein. "Wir müssen uns anpassen, Lösungen suchen", sagte der aus Argentinien stammende Drei-Sterne-Koch der Zeitung "Le Figaro" und fügte hinzu: "Das hilft, die Mannschaft in Schwung zu halten, die Hersteller zu beschäftigen, mit der Kundschaft in Kontakt zu bleiben und nicht die Hoffnung zu verlieren."

Bei der Onlinevergabe der Sterne ging es emotional zu - es flossen Tränen der ausgezeichneten Köchinnen und Köche. Erst im vergangenen Jahr hatte der über 120 Jahre alte Gastronomieführer der "Auberge du Pont de Collonges" des 2018 gestorbenen Küchenpapstes Paul Bocuse ihren dritten Stern entzogen und damit erhebliches Aufsehen erregt. Das Traditionshaus in der Nähe von Lyon hat seitdem nur noch zwei Sterne. "Michelin-Sterne werden nicht vererbt, man muss sie sich verdienen", lautet das oft wiederholte Credo Poullennecs.

ak/AFP, dpa-afx
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