Montag, 22. Juli 2019

Wie Weinpreise kalkuliert werden Teures Gut

Zahlen, bitte: Etliche Weingüter lassen sich Verkostungen mittlerweile vergüten

Die Weinprobe im Urlaub kostet Geld? Und dann gibt es den gleichen Tropfen beim Internethändler auch noch günstiger? Mancher Urlauber wundert sich in Frankreich, Italien oder den USA über teure Proben und Weine. Andererseits bekommt man für mehr Geld auch mehr Flair.

Mainz - Ein exklusives Hotel im Herzen Frankreichs, ein Geheimtipp des Concierge, ein Abstecher zum empfohlenen Weingut - und schon ist der Kofferraum gefüllt mit mehreren Kartons edler Weine. Der eine, ein Corton Grand Cru aus dem Jahr 2010, kostet 75 Euro pro Flasche. Ein Zufallsfund im Internet lässt den edlen Tropfen zu Hause dann allerdings recht sauer schmecken: Bei einem Online-Händler kostet der Wein aus dem Burgund gerade mal 31 Euro pro Flasche.

Ein Versehen oder dreiste Abzocke? Sind Kunden, die eine ausgedehnte Weinprobe auf einem idyllisch gelegenen Weingut genießen, nicht vielleicht auch eher bereit, etwas mehr Geld auszugeben? "Die Preise, gerade bei Luxusgütern wie Premiumwein oder Uhren, sind nicht gebunden", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. An Händler gibt der Erzeuger den Wein zu einem anderen Preis ab als an Kunden auf seinem Hof.

"Der Internethändler hat vielleicht Riesenmengen abgenommen und gibt seinen Vorteil aus Werbegründen eins zu eins an seine Kunden weiter - oder er subventioniert das Produkt sogar, um neue Kunden zu werben", erläutert Michael Felser, Rechtsanwalt und Weinkenner aus Brühl, das weit verbreitete Vorgehen. "Der Hofladen dagegen versucht, den Preis für sein Produkt wertig, also hoch, zu halten - und bietet dafür das besondere, authentische Einkaufserlebnis."

In Deutschland werden laut Büscher mehr als drei Viertel aller Weine in Supermärkten und Discountern verkauft. "Der Handel will sich über dieses Sortiment profilieren und interessante, kaufkräftige Kundschaft anziehen", sagt er. Die Fachhändler müssen sich abheben: Sie haben oft mehrere Weine im offenen Ausschank und bieten deutlich mehr Service als die meisten Supermärkte. "Das kostet natürlich etwas mehr - und das schlägt sich auch im Preis des Weines nieder."

Weinproben gibt es vielerorts nur noch gegen Gebühr

Viele Weingüter, die an den Fachhandel verkaufen, stellen ihre Preislisten nicht mehr ins Internet. Das hat zwei Gründe: Fairness dem Handel gegenüber, und sie wollen Schnäppchenjägern das Wasser abgraben. "So kann man nicht mehr schnell vor dem Regal im Internet die Preise vergleichen", erklärt Büscher die Beweggründe. Zwar könne sich der Kunde die Listen zuschicken lassen, "aber da ist die Hemmschwelle schon deutlich höher".

Der Käufer wünscht sich guten Service beim Einkauf. Das haben Andreas Heilig, Bastian Trauth und Arthur Tschernavskij in einer Studie im Fach Medienwirtschaft an der Stuttgarter Hochschule für Medien herausgefunden. Der Verbraucher schätzt den persönlichen Kontakt zum Winzer, er will den Wein probieren und sich persönlich beraten lassen.

Reiner Internethandel ist demnach für Weinliebhaber in naher Zukunft kein Thema. Lieber als einen Button zu klicken, reisen sie selbst zu den Weingütern in Frankreich, Italien oder den USA. Vielerorts müssen die Genießer eines guten Tropfens allerdings mit einer Gebühr für ihre Weinprobe rechnen. Der Winzer verrechnet sie in der Regel, wenn der Verkoster ein paar Flaschen Wein mit nach Hause nimmt.

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