Mittwoch, 24. April 2019

Weinwissen vom Wein-Experten Wolfgang Staudt Das sollten Sie wissen, wenn Sie Wein servieren

Wein-Wissen: Geschmackssache
DPA

mm.de: Herr Staudt, Sie haben ein Buch geschrieben über Wein mit dem Zusatz "Fit für Beruf und Karriere". Muss man etwas über Wein wissen, um Karriere zu machen?

Wolfgang Staudt: Aus meiner Beobachtung schon. Das Thema Wein ist verbreitet und man ist heute kein Exot mehr, wenn man eine Weinreise macht. Man fällt eher auf, wenn man das Thema Wein nicht bedienen kann. Wein ist oft ein Thema, um in Businessmeetings einzusteigen, locker am Anfang…

mm.de: Was ist das A und O, was jeder wissen sollte?

Staudt: Es gibt keinen Reich-Ranicki für Wein. Aber generell würde ich dazu raten, den Ball immer flach zu halten und sich auf den eigenen Geschmack zu verlassen. Wichtig ist, dass man weiß, wie Wein serviert wird.

mm.de: Nicht aus geschliffenen Gläsern trinken, zum Beispiel.

Staudt: Ja, und die Temperatur ist wichtig. In Deutschland wird Rotwein beispielsweise oft zu warm angeboten und Weißwein zu kalt.

mm.de: Woran liegt das?

Buchtipp
Wolfgang Staudt
Weinwissen kompakt
Fit für Beruf und Karriere


Westend, April 2015, 128 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro

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Staudt: Hierzulande hält sich das Gerücht, Rotwein solle Zimmertemperatur haben. Doch diese Aussage stammt vielleicht aus dem 17. Jahrhundert und da waren die Räume einfach deutlich kühler als heute.

mm.de: Und wie viel Grad Celsius sollte ein Rotwein haben?

Staudt: So zwischen 14 und 17, vielleicht noch 18 Grad Celsius, leichte Rotweine eher zwischen 14 und 16 Grad Celsius.

mm.de: Und Weißwein?

Staudt: Da könnte man die Regel aufstellen, je schlechter der Wein, desto kälter. Ein guter Weißwein sollte aber eine Temperatur von 12 bis 13 Grad Celsius haben. Man kann noch viele Accessoires nutzen, muss es aber nicht, doch die Temperatur ist essentiell. Und natürlich ist auch nicht zu vernachlässigen, den Raum gut auszuwählen, in dem man Wein reicht. In stickigen Räumen, schmeckt Wein nicht, genauso wenig wenn man von einer Parfumwolke umgeben ist.

mm.de: Die Gläser spielen natürlich auch eine Rolle. Ist es wichtig, für jeden Wein ein passendes Glas parat zu haben?

Staudt: Also, mal abgesehen von den schon erwähnten geschliffenen Gläsern, die es zu vermeiden gilt, kann man natürlich Weißwein- und Rotweingläser nutzen. Es funktioniert aber auch ein mittelgroßes Rotweinglas, aus dem man alles trinken kann. Schön ist es dann natürlich noch, wenn sich das Glas nach oben hin verjüngt und somit den Geruch gut zur Nase transportieren kann.

mm.de: Ist der Unterschied wirklich so gravierend?

Staudt: Gläser sind schon wichtig für die sinnliche Wahrnehmung. Ich arbeite in meinen Seminaren manchmal mit schwarzen Gläsern, um zu zeigen, wie wichtig das Sehen beim Weintrinken ist. Plötzlich weiß man nicht mehr, ob man Rot- oder Weißwein trinkt.

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